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Robert Halver: Warum die Wall Street trotz Polit-Chaos auf Rekordhoch ist

Robert Halver: Warum die Wall Street trotz Polit-Chaos auf Rekordhoch ist

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18.12.2017 - 08:42
09.10.2017 02:00:00

Normalerweise gilt der Begriff "lame duck" für US-Präsidenten, die nicht mehr wiedergewählt werden können. Donald Trump hängt dieses Attribut aber bereits heute an. Neun Monate Regierungszeit wurden nicht für wirtschaftspolitische Maßnahmen genutzt, sondern für Scharmützel in der Regierung und für die Außendarstellung des Präsidenten verspielt.



Kurioserweise wurde das Polit-Chaos am amerikanischen Aktienmarkt bislang nicht nur ignoriert, sondern sogar mit permanent neuen Rekordständen belohnt. Haben die US-Börsen die Hoffnung auf eine konjunkturstützende Steuerreform noch nicht aufgegeben? Wird die restriktiver werdende Geldpolitik der US-Notenbank ignoriert? Oder steht Aktien-Amerika vor einem fulminanten Kurseinbruch?



Liefert Trump doch noch?



Zur Verhinderung einer Denkzettel-Wahl bei den US-Kongresswahlen im November 2018 scheint sich die US-Regierung wieder auf die ökonomische Vernunft zu besinnen. Zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit Amerikas wird man endlich konkret. So wird u.a. eine Unternehmenssteuersenkung von 35 auf 20 Prozent und die Einführung einer geringen pauschalen Einmalsteuer auf nach Amerika zurückgeführte Auslandsgewinne von US-Konzernen diskutiert.


Sicher ist der Weg bis zur Umsetzung noch weit. So würde sich bei friktionsloser Umsetzung der Steuerreform die Staatsverschuldung der USA über die aktuelle Legislaturperiode um zwei bis drei Billionen US-Dollar ausweiten. Das trifft auf den Widerstand vieler Neuverschuldungs-allergischer Republikaner, die auf Ebene der Bundesstaaten gerne Einzelinteressen vertreten.

Apropos Schuldenausweitung, für eine im Dezember anstehende Anhebung des Schuldenlimits ist im US-Senat auch die Zustimmung der Demokraten erforderlich. Ansonsten droht wie bereits 2013 der sog. government shutdown, d.h. automatische Haushaltseinsparungen und Schließungen staatlicher Behörden. Einerseits ist eine kompromisslose Boykotthaltung der Demokraten zwar nicht zu erwarten, zumal sich die Demokraten mit Blick auf die Kongresswahlen auch wirtschaftsfreundlich präsentieren wollen. Andererseits werden sie sich ihre nötige Zustimmung steuerpolitisch teuer bezahlen lassen. Steueränderungen im Laufe des Jahres 2018 sind zu erwarten, auch wenn sich bis dahin die ursprünglichen Steuerpläne Trumps deutlich verändert haben werden.

Immerhin, im Unternehmens-Hochsteuerland ist jede Steuersenkung willkommen. Und tatsächlich glaubt die US-Wirtschaft an diese Steuerhoffnung. Im Verarbeitenden Gewerbe ist eine spürbare Sentimentbefestigung festzustellen und das Vertrauen im Dienstleistungssektor liegt auf einem 12-jährigen Stimmungshoch. Typischerweise schlägt sich eine Stimmungsaufhellung in der Industrie in einer Aktienbefestigung nieder.



Im historischen Zusammenhang hat das bislang schon robuste Gewinnwachstum der US-Unternehmen angesichts eines robusten Auftragseingangs sogar noch deutlich mehr Aufwärtspotenzial.



Mit steigendem Gewinnwachstum würde sich nicht zuletzt die hohe Bewertung des US-Aktienmarkts relativieren, die sich auf einem Mehrjahreshoch befindet.



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