MARKTBERICHT

Krisenstimmung an Europas Aktienmärkten

Krisenstimmung an Europas Aktienmärkten
09.02.2016 15:36:00

Auch am Dienstag haben Anleger europäische Aktien aus den Depots geworfen. Sie probten das Szenario einer Weltrezession, erklärten die Analysten der LBBW. "Die Krise ist da, auch wenn sie die Realwirtschaft noch nicht erreicht hat", stimmte ein Händler zu.

Auch am Dienstag haben Anleger europäische Aktien aus den Depots geworfen. Sie probten das Szenario einer Weltrezession, erklärten die Analysten der LBBW. "Die Krise ist da, auch wenn sie die Realwirtschaft noch nicht erreicht hat", stimmte ein Händler zu. Nachdem der Dax am Montag erstmals seit Oktober 2014 wieder unter 9000 Zähler gerutscht war, fiel er am Dienstag um weitere 2,2 Prozent auf 8779 Punkte. Damit summiert sich der Verlust der vergangenen zehn Monate auf rund 29 Prozent - im April 2015 hatte der deutsche Leitindex sein Allzeithoch von 12.390,75 Zählern erreicht.

Der EuroStoxx50 fiel am Dienstag sogar um 2,6 Prozent auf 2713 Zähler, dem niedrigsten Stand seit Juli 2013. Für die Wall Street signalisierten die US-Futures zur Eröffnung ebenfalls fallende Kurse.

Einen aktuellen Auslöser - wie 2008 die Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers - gebe es aber nicht, sagte ein Händler. Dennoch fühlen sich viele Börsianer an die damalige Krise erinnert. Schließlich hatte der Dax seinerzeit ebenfalls binnen zehn Monaten von Ende September 2008 bis Anfang Juli 2009 knapp 30 Prozent verloren.

FINANZTITEL WIEDER IM AUGE DES STURMS



Als ein Grund für die Krisenstimmung gilt der Preisverfall beim Öl. Zwar haben sich die Preise zuletzt auf etwas höherem Niveau stabilisiert, doch liegen Nordseeöl der Sorte Brent und US-Leichtöl mit 32,50 und 29,35 Dollar je Fass (159 Liter) weiter in der Nähe ihrer im Januar erreichten Zwölf-Jahres-Tiefstände.

Zum einen signalisiert der niedrige Ölpreis nicht nur ein hohes Überangebot, sondern auch eine sinkende Nachfrage - ein schlechtes Omen für die Weltwirtschaft. Zum anderen hat der Rückgang der Preise um rund 70 Prozent seit dem Sommer 2014 das Potenzial, die ganze Energiebranche mit ins Tief zu reißen. Denn viele Förderunternehmen sind auf höhere Preise angewiesen, um rentabel zu arbeiten. Kreditausfälle und Probleme bei der Bedienung von Anleihen drohen.

Daher sind seit Wochen die Bankenwerte auf Talfahrt . "Bedenklich stimmen vor allem die hohen Volumina an faulen Krediten, die in den Bilanzen einiger Banken zu schlummern scheinen, ohne dass sie genau zu beziffern wären", warnten die Analysten der Metzler Bank.

Im Dax zählten am Dienstag erneut die Titel der Deutschen Bank mit einem Abschlag von 4,7 Prozent auf 13,17 Euro. Seit Jahresbeginn haben die Titel von Deutschlands größtem Geldhaus über 40 Prozent verloren - trotz Beruhigungsversuchen der Bank. Noch am Montagabend hatte die Deutsche Bank bekräftigt, dass das Finanzinstitut genug Geld habe, um neuartige Anleihen (Contingent Convertible Bonds, "CoCos") zu bedienen, die erst 2014 im Volumen von rund fünf Milliarden Euro ausgegeben wurden .

Die Titel der Commerzbank verloren am Dienstag über fünf Prozent. Schlusslicht im EuroStoxx50 waren nach einem Gewinnrückgang die Aktien von Unicredit mit einem Minus von bis zu 7,5 Prozent.

An den Devisenmärkten preisten viele Anleger ein baldige weitere Zinserhöhung durch die US-Notenbank Fed aus. Dies drückte den Dollar: Ein Dollar kostete zeitweise nur noch 114,25 Yen, so wenig wie zuletzt im November 2014. Zugleich zog der Euro um fast einen US-Cent auf ein Vier-Monats-Hoch von 1,1299 Dollar an.

Reuters

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Bildquelle: Julian Mezger für Finanzen Verlag

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