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Goldpreis-Entwicklung: Was führende Experten für 2017 erwarten, Teil II

Goldpreis-Entwicklung: Was führende Experten für 2017 erwarten, Teil II
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18.01.2017 02:30:00

Wie geht es mit dem Goldpreis weiter? Im zweiten Teil der großen BO-Experten-Umfrage sagen Robert Halver (Baader Bank), Thorsten Polleit (Polleit & Riechert) und Eugen Weinberg (Commerzbank), warum der Goldpreis zuletzt so stark gesunken ist, wie weit er noch fallen kann - und wo der Preis für die Feinunze Gold Ende 2017 stehen könnte. Von Thomas Schmidtutz



Eugen Weinberg, Rohstoff-Analyst Commerzbank: "Gold ist das bessere Geld"





Wo steht der Goldpreis Ende 2017?



Ich denke nicht viel darüber nach, wo genau der Goldpreis zu einem bestimmten künftigen Zeitpunkt stehen wird. Ich meine, dass lässt sich nicht verlässlich vorhersagen. Meine Überlegung ist vielmehr die, dass das ungedeckte Papiergeld entwertet wird, nicht aber das Gold. Es ist das bessere Geld.

Der Goldpreis ist zuletzt arg unter Druck gekommen. Wie erklären Sie sich die jüngste Talfahrt?



Man kann wahrlich von einem "perfekten Sturm" auf dem Goldmarkt sprechen. Steigende Anleiherenditen machen Gold als zinslose Anlage weniger attraktiv, steigende Aktienmärkte sprechen für einen größeren Risikoappetit und eine geringere Nachfrage nach dem sicheren Hafen Gold. Hinzu kommen die Ereignisse in Indien, wo die Bargeldreform unter anderem eine deutlich geringere Goldnachfrage mit sich brachte. Auch sollte man die zuvor optimistische Haltung der Anleger an den Terminmärkten nicht vergessen, die sich nun aus ihren Positionen verabschieden und die Goldkontrakte verkaufen.

Wie tief kann der Preis für die Feinunze noch fallen?



Das hängt von vielen externen Faktoren ab, denn Gold agiert seit Jahren nicht mehr als Rohstoff, der vom physischen Angebot und der Nachfrage abhängt, sondern als Anlagemetall und alternative Währung. Als solches bewegt sich Gold wie ein Derivat auf Realzins, Aktienmärkte und Risikoaversion. Ich kann mir gut vorstellen, dass Gold in den kommenden Wochen eine Bodenbildung um 1100 USD je Feinunze vollziehen wird, denn die meisten Risiken für den Goldpreis scheinen bereits vom Markt erwartet und entsprechend in den Kursen eskomptiert.

Wir rechnen damit, dass das nächste Jahr sehr volatil auf den Finanzmärkten verlaufen sollte."
Eugen Weinberg, Rohstoff-Analyst der Commerzbank, stellt sich auf ein turbulentes Börsenjahr 2017 ein.


Weltweit gibt es aber mehrere Krisenherde. Viele Beobachter rechnen etwa mit einer Wiederkehr der Euro-Krise, nach dem Referendum in Italien wächst erneut die Skepsis über den Fortbestand der EU. Gold ist ein klassischer Zufluchtshafen in Krisenzeiten. Sollte der Goldpreis in einem solchen Umfeld nicht zulegen?



Zunächst einmal gilt es festzustellen, dass der Goldpreis nur auf die Krisen reagiert, die als solche vom Aktien- und Bondmarkt "anerkannt" werden, d.h. eine stärkere Bewegung auslösen. Wir rechnen aber in der Tat damit, dass das nächste Jahr angesichts erkennbarer Risiken sehr volatil auf den Finanzmärkten verlaufen sollte. Und es dürften noch weitere "Krisen" folgen, ob politischer oder wirtschaftlicher Natur oder hinsichtlich der Folgen der weiterhin ultra-lockeren Geldpolitik vieler Zentralbanken. Das ist auch ein Grund für einen höheren Goldpreis, mit dem wir im nächsten Jahr rechnen.

In den USA verdichten sich die Hinweise auf weitere Zinserhöhungen 2017. Wie könnte sich eine solche geldpolitische Normalisierung auf den Goldpreis auswirken?



Einiges davon ist in den aktuellen Goldpreisen bereits "eingepreist". Der Einfluss der Geldpolitik der US-Fed wird davon abhängen, wie schnell die Zinsen letztendlich erhöht werden und wie sich das auf die Finanzmärkte auswirkt. Bleiben die Zinserhöhungen hinter den Markt- und Inflationserwartungen zurück, dürfte der Goldpreis ungeachtet der Zinserhöhungen steigen, denn für den ist vor allem der reale Zins ausschlaggebend.

Welche Anlageklasse sollten Goldanleger bevorzugen: Goldminenaktien, Fonds, ETFs, Derivate oder physisches Gold?



Das hängt von persönlichen Vorlieben, Erwartungen und dem Zeithorizont ab. Man sollte allerdings berücksichtigen, dass sich die Goldminenaktien in den Krisenzeiten für die Aktienmärkte in erster Linie im Unisono mit dem Aktienmarkt bewegen und sich daher als Vermögensschutz wenig eignen. Physisches Gold oder ETFs kann man als Ergänzung in einem diversifizierten Portfolio fast jedem Anleger empfehlen.

Wie hoch sollte der Anteil von Gold im Depot sein?



Auch das hängt vom Anleger ab, seiner Risikoempfindlichkeit und dem individuellem Zeithorizont der Anlage. Die grundsätzliche Regel heißt, fünf bis zehn Prozent des liquiden Portfolios sollte in Gold angelegt sein. Ich denke, diese Messlatte ist richtig gewählt. Denn Gold hat im Portfolio vor allem eine Versicherungsfunktion gegen Risiken, denen ein Anleger ausgesetzt ist. Damit wird man zwar nicht reich, es schützt jedoch das Portfolio vor allzu vielen Schwankungen und ist im Fall der Fälle der "Fels in der Brandung".

Wo steht der Goldpreis Ende 2017?



Wir rechnen damit, dass der Goldpreis wegen der vielen Risiken, einer steigenden ETF-Nachfrage, niedriger oder negativer Realzinsen und einem erhöhten Anlegerinteresse in den kommenden 12 Monaten um ca. 15 Prozent auf 1300 USD je Unze steigen wird.

Auf Seite 2: Dr. Thorsten Polleit, Polleit & Riechert, Investment Management



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Bildquelle: Shannon Stapleton/Reuters, Polleit & Riechert , Finanzen Verlag

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