Wenn alle Marktteilnehmer mit einem bestimmten Verlauf rechnen, kommt es oft anders. Alleine deshalb ist es alles andere als sicher, dass der Goldpreis weiter einbrechen wird. Doch wer große Positionen hat, kann das Risiko nicht ganz ignorieren. Immerhin ist die bisher bei 1180 US-Dollar aufgetretene Nachfrage nun auf einmal ausgeblieben, das ist als Warnzeichen zu verstehen. Die Kursentwicklung zwischen dem Sommer des vergangenen Jahres und heute (Punkt 2 im Chart) weckt zudem schmerzhafte Erinnerungen: Eine sehr ähnliche Entwicklung zeigte Gold zwischen Oktober 2011 und April 2013 (Punkt 1).



Eine Kurszone mit mehreren Wendepunkten im Chart, an der sich kaufwillige Anleger orientieren können (Unterstützung) folgt nun erst wieder bei rund 970/1030 US-Dollar. Mit Verkäufen in diese Zielzone muss im schlimmsten Fall in den kommenden Monaten gerechnet werden. Allerdings ist dies für Anleger aus dem Euro-Raum nicht so dramatisch. Warum, zeigt der Chart des Euro in US-Dollar. Der starke Verfall der Einheitswährung, beziehungsweise Anstieg des Dollar, kompensiert einen erheblichen Teil des Gold-Preisverfalls.





Warum ist das so? Gold wird in US-Dollar notiert und in dieser Währung finden auch die Trends des Edelmetalls statt, nur Signale aus der "Originalchart" in Dollar sind wichtig. Allerdings spekulieren Anleger, die hierzulande Gold kaufen, dadurch gleichzeitig auf einen steigenden US-Dollar. Selbst wenn der Goldpreis in Dollar also fällt, der Dollar im gleichen Umfang aber gegenüber dem Euro im Kurs steigt, wäre der Goldpreis für Anleger aus dem Euro-Währungsraum unverändert. Um das zu verdeutlichen haben wir den Goldpreis auch in Euro als Chart dargestellt - hier sieht es noch so aus, als ob Gold im Bereich um 910 Euro nachgefragt wird, doch das ist eine optische Täuschung, die sich alleine aus der Umrechnung des Charts von Dollar in Euro ergibt. Das Verkaufssignal in der meistgehandelten Währung, dem US-Dollar, ist das entscheidende.





Daher blicken wir zum Schluss nochmal auf den Tageschart des Goldpreises in Dollar, unter dem als Indikator noch der Abstand zur 21-Tage-Linie in Prozent dargestellt wird. Die Differenz zu diesem Monatsmittelpreis nach unten beträgt derzeit etwa fünf Prozentpunkte und ist damit extrem hoch. Abgesehen von den Ausreißern im Vorjahr stoppten Korrekturen des Goldpreises auf diesem Niveau. Als Zielmarken im Falle einer Erholung ist dann zunächst die 1180er-Marke anzusehen, die sicher in den Köpfen vieler Anleger noch präsent ist. Anschließend sind bei 1230/50 und 1280/1300 US-Dollar im Kursbild Zonen mit vielen Wendepunkten - und damit viel Aufmerksamkeit bei den Marktteilnehmern - erkennbar. Darüber hinaus gehende Erholungen sind erst mittelfristig wieder ein mögliches Szenario.



Der letzte Chart zeigt auch, wie weit Gold vorläufig noch fallen kann: In den Extremphasen des Jahres 2013 (und auch einiger weiterer vergangener Jahre) hat sich der Kurs um bis zu 15 Prozent von seinem Monatsmittel nach unten abgesetzt - dadurch errechnet sich momentan ein Spielraum bis unter die 1030er-Marke, die auch als Unterstützungszone im eingangs gezeigten Wochenchart erkennbar ist.



Anleger, die sich nun vor Verlusten absichern möchten, können sich beispielsweise den Turbo Classic Put der Commerzbank anschauen, der Kursverluste des Goldpreises um den Faktor 3,7 hebelt und in Gewinne verwandelt. Das Papier hat einen Basispreis bei 1450 US-Dollar, verfällt also wertlos, wenn sich der Goldpreis über dieses Niveau erholen würde. Dazu müsste Gold aber den Verkaufsdruck der vergangenen Monate und Jahre bei rund 1350 und 1435 Dollar kompensieren, was im derzeitigen Umfeld eher unwahrscheinlich ist. Damit zeigt das Derivat aus Chance-Risiko-Gesichtspunkten ein interessantes Profil, und kann kurzfristig orientierte Anleger vor einem weiteren Rückgang der Goldnotierungen schützen.

Wer mittel- bis langfristig in dem Edelmetall investiert ist, muss dagegen nichts unternehmen. Die Erfahrung der vergangenen Jahrzehnte - visualisiert im ganz langfristigen Monatschart - zeigt, dass auch bei Seitwärtsbewegungen immer wieder Schwankungen von bis zu 100 Prozent möglich sind - ab den 1980er-Jahren beispielsweise von 250 bis 500 US-Dollar. Es werden sich somit immer wieder günstige Kauf- und Verkaufsgelegenheiten finden, der aktuelle Einbruch ist aus dieser Perspektive nur ein Tropfen auf den heißen Stein.




























Andreas Büchler ist Herausgeber des "Index-Radar", der größte tägliche Börsenstatistik-Report Deutschlands. Der Experte für Handelssysteme ist zudem Vorstand der Qarat AG, einer auf Quantitative Analyse und Algorithmic Trading spezialisierten Forschungsgesellschaft.

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