Nicht nur an den Aktienmärkten dominierten zuletzt wieder klar die Minuszeichen. Auch Gold, das in der ersten Jahreshälfte noch als eine Anlage der Sicherheit und Stabilität in wirtschaftlich schwierigen Zeiten gesucht war, notiert inzwischen deutlich unter dem Jahrestief bei 1920 Dollar. Auffallend ist vor allem die deutlich gestiegene Korrelation zwischen der Kursentwicklung der Feinunze und dem Aktienmarkt. Gold bewegt sich „somit weiter im Einklang mit den riskanten Anlageklassen und zeichnet sich aktuell nicht durch seinen Status als ,sicherer' Hafen' aus“, schreibt Rohstoff-Experte Eugen Weinberg von der
Commerzbank in einer Analyse. Demnach liegt der Gleichlauf zwischen Gold, Rohstoffen und Aktien sogar nahe den historischen Höchstwerten.
Als Begründung für den deutlichen Rückgang bei Gold verweisen Experten auf den zuletzt gestärkten Dollar. Der gestiegene Greenback-Kurs macht die in Dollar abgerechneten Rohstoffe für Anleger außerhalb dieses Währungsraums teurer. Dies zeigt sich auch, wenn man den Gold-Chart in Euro betrachtet. Auch hier kam es zwar zuletzt zu deutlichen Abgaben. Allerdings liegt die Feinunzen noch nicht einmal unter dem Oktober-Tief und ist mit 1218 Euro noch weit von der 200-Tage-Linie entfernt - diese verläuft bei 1154 Euro. Zudem würden einige Akteure ihre im Gewinn liegenden Gold-Positionen auflösen, um Verluste bei Aktienengagements zu kompensieren. Darüber hinaus sind die Sorgen vor einer stärkeren Inflation zuletzt wieder deutlich zurückgekommen.
Charttechnisch wird es nun wirklich spannend. Erstmals seit Anfang 2009 notiert die Feinunze wieder unter der viel beachteten 200-Tage-Linie, an der sich vor allem langfristig ausgerichtete Investoren orientieren. Zugleich wurde zur Wochenmitte auch eine seit Mitte 2009 bestehende Aufwärtstrendlinie dynamisch nach unten gebrochen. Dies ist umso erstaunlicher, da die Trendlinie durch den langfristigen gleitenden Durchschnitt verstärkt wird und daher eigentlich eine gute Unterstützung darstellte. In den vergangenen zwei Jahren kam es mehrmals zu einem Test dieser Kreuzunterstützung, die sich als gute Einstiegsgelegenheit auf der Long-Seite erwies (gelbe Kreise im Chart).
Aktuell notiert der Goldpreis bei 1572 Dollar und damit rund 50 Dollar unter dem 200-Tage-Durchschnitt sowie der Aufwärtstrendlinie. Sollte die Feinunze auch auf Wochenschlusskursbasis deutlich unter der kritischen Schwelle bleiben, wäre dies ein weiteres bearisches Zeichen. Die nächste wichtige kurzfristige Unterstützung lässt sich aus mehreren Verlaufshochs vom Juni dieses Jahres ableiten und liegt bei 1550 Dollar. Kommt es auch hier nicht zu einer Stabilisierung, muss mit weiteren Abgaben bis an die runde Schwelle von 1500 Dollar gerechnet werden. Neben einer horizontalen Unterstützung ist dieser Bereich auch aus Fibonacci-Aspekten interessant. Hier liegt das 38,2 Prozent-Niveau der übergeordneten Aufwärtsbewegung von 1000 auf 1915 Dollar. Eine Korrektur bis auf dieses Niveau stellt eine gesunde Bereinigung dar.
Im Extremfall wäre auch noch Luft bis in den Bereich um 1420 / 1383 Dollar. Hier hätte der Goldpreis dann 50 Prozent der Aufwärtsbewegung wieder abgegeben. Erst wenn auch diese Marke gebrochen wird, ziehen für Gold wirklich düstere Zeiten auf. Noch stellt der Bruch der 200-Tage-Linie ein - wenn auch viel beachtetes und ernstes - Warnsignal dar, welches aber durchaus im Rahmen einer kurzfristigen Übertreibung des Marktes vorkommen kann. Da der Goldpreis mit Blick auf den DSS Bressert deutlich überverkauft ist, wäre eine technische Gegenreaktion nicht überraschend. Noch optimistischer geben sich die Experten von Jefferies: „Für alle, die bisher die Rally in dem Edelmetall verpasst haben, bietet sich hier eine gute Einstiegsgelegenheit an.“ Commerzbank-Experte Weinberg bemerkt zudem, dass die mittel- bis langfristig orientierten Anleger Gold nach wie vor treu bleiben und die Gold-ETFs keine Mittelabflüsse verzeichnen. "Die
niedrigen Preisniveaus dürften u.E. schon bald zu Schnäppchenkäufen genutzt werden." Die
UBS sieht im kommenden Jahr einen Durchschnittspreis von 2.050 Dollar je Feinunze. Für das laufende Jahr sei mit einem Preis von durchschnittlich 1.578 Dollar zu rechnen. Zuvor war die
UBS von einem Durchschnittspreis für Gold im Jahre 2012 von 2.075 Dollar und 1.615 Dollar im laufenden Jahr ausgegangen.
Anleger, die bei Gold noch nicht dabei sind, können mit einer ersten Position einsteigen. Stoppkurse bieten sich je nach Risikobereitschaft oder eingesetztem Hebelinstrument bei 1520, 1460 oder spätestens 1360 Dollar an. Sehr kurzfristige Gewinnmitnahmen erscheinen bei einem Retest im Bereich um 1620 Dollar sinnvoll. Wer etwas ruhiger einsteigen möchte, wartet das Kursverhalten am 1620er-Bereich auf diesem Niveau ab und stockt bei Anschlusskäufen auf.
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