"Ölhändler preisen inzwischen eine 20-prozentige Chance eines militärischen Konflikts mit dem Iran ein", sagte Energieanalyst Gordon Kwan von Mirae Asset Management der Nachrichtenagentur Reuters. Er schätzt, dass der Ölpreis in einer solchen Situation über 200 Dollar steigen könnte. Investoren deckten sich deshalb vorsorglich ein.
"Die Spannungen mit dem Iran sind der Hauptgrund für den WTI-Preis von mehr als 100 Dollar", sagte auch Colin Whitehead, Analyst bei Fat Prophets der Nachrichtenagentur Bloomberg. Wenn die Sorge um den Nachschub allerdings nachlasse, werde der Preis wieder unter 90 Dollar sinken, sagte er.
"Geopolitische Probleme sind schwer vorherzusagen. Aber angesichts der Unsicherheit ist es sehr unwahrscheinlich, dass der Preis wieder deutlich absinkt", sagte indes der Chef-Rohstoff-Analyst der
UBS, Dominic Schnider. Für einen festen Ölpreis spricht zudem, dass spekulative Anleger an den Rohstoffmärkten sich derzeit verstärkt in Richtung steigender Preise positionieren
Das iranische Staatsfernsehen hatte am Sonntag den Abschuss eines unbemannten US-Aufklärungsflugzeugs berichtet. Teheran habe daraufhin mit einer militärischen Reaktion außerhalb des Iran gedroht, hieß es. Die Nato-Truppe Isaf reagierte auf den Bericht und teilte mit, sie habe Ende vergangener Woche über West-Afghanistan die Kontrolle über ein unbemanntes US-Aufklärungsflugzeug verloren. Es könne sich dabei um die vom Iran abgeschossene Maschine handeln.
Die Beziehungen zwischen den USA und dem Iran sind derzeit ohnehin sehr angespannt. Als sich zuletzt die Hinweise auf ein Atomwaffenprogramm der Regierung in Teheran verdichteten, flammte zudem in Israel die Debatte über einen Angriff auf die Nuklearanlagen des Iran auf. Israel liegt in Reichweite iranischer Raketen.
Iran ist der weltweit fünftgrößte Ölexporteur. Ein iranischer Regierungsvertreter sagte am Sonntag, dass jeder Versuch, die Ölexporte seines Landes zu blockieren, zu einem Ölpreisanstieg über 250 Dollar führen würde.
Empfehlen