Berichte über eine Grundsatzeinigung auf ein EU-Embargo gegen den Iran haben dem Ölpreis am Mittwoch kräftig eingeheizt. Die Nordseesorte Brent Crude verteuerte sich binnen Minunten um knapp zwei Dollar auf ein Tageshoch von 113,97 Dollar je Barrel (159 Liter). Die US-Sorte WTI kletterte zeitweise auf 103,74 Dollar, ein Plus von gut vier Prozent gegenüber dem Vortag. Der Iran ist nach Saudi-Arabien und Russland der drittgrößte Öl-Exporteur der Welt.
Wegen des iranischen Atomprogramms hatte US-Präsident Barack Obama bereits vor einigen Tagen ein Importverbot unterzeichnet. Die EU-Staaten seien sich grundsätzlich einig, nachzuziehen, berichtete die Nachrichtenagentur Reuters am Mittwoch unter Berufung auf Diplomaten in Brüssel.
Eine endgültige Entscheidung sei am 30. Januar zu erwarten, sagte ein EU-Kommissionssprecher der Nachrichtenagentur Bloomberg: "Wir wollen die Sanktionen gegen den Iran verschärfen - diskutiert wird über den Ölsektor und die Finanzbranche."
Die Marktreaktion macht deutlich, dass ein solches Importverbot auch für den Westen empfindliche Folgen hätte. Der Iran hat bereits gedroht, im Falle eines Embargos die Straße von Hormus zu blockieren. Diese Meerenge müssen sämtliche Öltanker aus dem Persischen Golf passieren, ihre Sperrung würde also auch Lieferungen Saudi-Arabiens und anderer Golfstaaten in den Westen einschränken. Das würde den Ölpreis weiter in die Höhe treiben und wäre Gift für die ohnehin schwächelnde Konjunktur in Europa und den USA.
Zeitplan noch offen
Obama hatte das von der republikanischen Mehrheit im Kongress durchgesetzte Embargo deshalb nur widerwillig unterzeichnet und sich Hintertürchen offengelassen. Bis das Gesetz in Kraft tritt, könnte es noch Monate dauern.
Auch in der EU wird über den Starttermin noch diskutiert. Umstritten ist Reuters zufolge außerdem, wie weit Sanktionen gegen die iranische Zentralbank reichen sollten, die für die Abwicklung der Ölgeschäfte zuständig ist. Sollten sämtliche ihrer Transaktionen mit EU-Staaten auf Eis gelegt werden, käme dies einem Handelsembargo gleich. Stattdessen könnten nur bestimmte Zahlungsvorgänge blockiert werden. Über diese Fragen wollen Energieexperten der 27 EU-Staaten laut Reuters am Donnerstag beraten.
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