Die Unruhen in Nordafrika treiben Anleger in Gold und Silber. Allerdings steigen die Förderkosten. Außerdem haben Rohstoff-Investments ein paar Eigenarten, die man besser kennen sollte.

Wenn Reden Silber und Schweigen
Gold ist, dann hat Reden zuletzt stark
an Wert gewonnen. Nach Berechnung
der Investmentgesellschaft Société
Générale hat die Gold-Silber-Ratio
den niedrigsten Stand seit Februar
1998 erreicht. Die Kennzahl gibt an,
mit wie vielen Unzen Silber man eine
Unze Gold erwerben kann.
Derzeit beträgt diese Relation 42.
Noch vor einem halben Jahr lag sie bei
68, der Durchschnitt beträgt 55. Diese
Entwicklung ist aber weniger auf eine
Schwäche des Goldpreises zurückzuführen,
als vielmehr auf die Stärke von
Silber. „Der Silberpreis hatte Nachholbedarf“,
sagt Joachim Berlenbach
von der Earth Resource Investment
Group. Erst vor ein paar Tagen erreichte
Silber bei 35,30 Dollar je Unze
den höchsten Stand seit 1980. Damit
ist Silber in diesem Jahr um mehr als
15 Prozent in die Höhe geschossen.
Edelmetalle blieben als sicherer
Hafen gefragt, sagte ein Händler.
Gründe dafür gibt es reichlich. „Die
politischen Spannungen im Nahen
Osten und Afrika haben dazu geführt,
dass Investoren Silber in einem
Tempo kaufen, mit dem das Angebot
nicht mehr Schritt halten kann“, sagt
Ole Hansen, Rohstoffexperte der Saxo
Bank. Die Verkäuferseite sei gar
gezwungen, das Angebot zu rationieren.
Dazu kommt: Überall in der Welt
nimmt die Inflation zu. Anleger flüchten
deshalb zunehmend in reale Werte,
in Silber, aber auch in Gold, dessen
Preis Anfang März dieses Jahres bei
1422 Dollar je Feinunze notierte.
Fundamentale Gründe für den Anstieg
Für die gestiegenen Edelmetallnotierungen
sind diese Gründe eher
kurzfristiger Natur. Daneben gibt es
aber auch fundamentale Argumente,
die für weitere Preisanstiege sprechen.
Robert Vitye, Geschäftsführer
von Solit Kapital, zum Beispiel verweist
auf die weltweit wachsende
Edelmetallnachfrage.
So schiebe der steigende Wohlstand
in den Schwellenländern die
Nachfrage nach Gold an. Zugleich
profitiert Silber, das vor allem in der
Industrie Verwendung findet, von
dem derzeit schnellen Wachstum der
Weltwirtschaft.
Dem stehe, sagt Vitye, eine Angebotsverknappung
gegenüber. „Der
Zeitpunkt der maximalen Förderung
bei Gold und Silber dürfte kurz nach
der Jahrtausendwende erreicht worden
sein“, sagt er. „In den 90er-Jahren
wurden noch acht bis neun neue Goldlagerstätten
im Schnitt pro Jahr entdeckt,
nach der Jahrtausendwende
waren es aber weniger als drei“, sagt
der Rohstoffexperte Vitye.
Auch Berlenbach sieht den aktuell
hohen Goldpreis gut begründet. „Wer
sich heute Sorgen über eine Spekulationsblase
bei Gold macht, der dürfte
den Goldpreischart aus den 70er- und
80er-Jahren im Kopf haben. Damals
folgte auf den Preisanstieg ein Absturz
um 70 Prozent.“
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