80 Prozent aller heiratswilligen Amerikanerinnen wünschen sich einen Ring aus Platin. Mit diesem Umfrageergebnis wirbt der Branchenverband Platinum Guild International USA auf seiner Website für das weiße Gold. Für Investoren dagegen ist Platin derzeit nicht sonderlich begehrenswert: Seit Jahresbeginn ist sein Preis um rund 23 Prozent gefallen. Am Donnerstag erreichte er mit 1349 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm) ein Zweijahrestief. Obwohl seltener, ist Platin damit rund 200 Dollar billiger als Gold. Noch im Juli war es umgekehrt.
Der Grund für den Kurssturz: Die Nachfrage nach Platin wird nicht von verliebten jungen Männern bestimmt, sondern von der Industrie. Rund 40 Prozent des weltweiten Verbrauchs entfällt auf die Herstellung von Katalysatoren für Autos und Lkw. Weitere 24 Prozent werden von anderen Industriebranchen verwendet, beispielsweise für die Herstellung von Flachbildschirmen und Glasfasern. Zu Schmuck werden 30 Prozent verarbeitet.
Im Falle einer Rezession könnten die US-Bräute den Einbruch von Auto-Absatz und Industrieproduktion nicht ausgleichen. Die Abkühlung der Konjunktur hat dem Platin-Preis deshalb schwer zugesetzt. Als Ende September kurz nacheinander eine Herabstufung Italiens, schwache Konjunkturdaten aus China und ein pessimistischer Ausblick der US-Notenbank Fed die Märkte erschütterten, ging es auch mit dem Edelmetall bergab. Binnen fünf Tagen brach der Kurs um gut neun Prozent ein.
Zwar fiel der Goldpreis damals ebenso stark - er fing sich aber wieder und hält sich über der Marke von 1500 Dollar je Feinunze. Denn anders als Platin ist Gold für die Industrie kaum von Bedeutung. Wegen seines Rufs als sicherer Hafen profitiert das gelbe Edelmetall oft sogar von Rezessionsängsten.
Dagegen legen sich nur wenige Investoren Platin-Barren oder -Fondsanteile ins Depot: Sie machen lediglich sechs Prozent der weltweiten Nachfrage aus. Bei Gold liegt dieser Anteil laut Zahlen des Minenlobbyverbands World Gold Council bei 45 Prozent.
Die Kursentwicklung gibt den Gold-Investoren recht: Trotz des Kursrutschs im zurückliegenden Quartal notiert das Edelmetall auf Jahressicht neun Prozent im Plus.
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