Der ungelöste Konflikt mit dem Iran um sein Atomprogramm verunsichert Investoren am Ölmarkt. Der Preis klettert in Euro und britischem Pfund gerechnet auf ein Rekordhoch. Ein Ende der Rally ist nicht in Sicht.
Der Preis für Rohöl ist in Euro gerechnet auf den höchsten Stand seit Einführung der Gemeinschaftswährung im Jahr 1999 gestiegen. Am Donnerstagmittag kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent 93,64 Euro. Schon am Mittwoch hatte die Notierung in Pfund Sterling ein Allzeithoch gesetzt. In Dollar gerechnet, erklomm
Brent eine Neunmonatshoch von 124 Dollar je Barrel.
Als Grund führen Analysten vor allem den schwelenden Konflikt mit dem Iran an. Auch die Nachrichten aus dem Irak, wo bei Anschlägen mindestens 60 Menschen starben, beunruhigten die Investoren. Gute Konjunkturdaten aus der Euro-Zone und den USA ließen gleichzeitig wieder Hoffnung auf eine anziehende Konjunktur aufkeimen. Langfristig sorgt auch die starke Nachfrage aus den Schwellenländern für Preisdruck nach oben.
Für den Rekord in Euro ist aber auch die Schwäche der Gemeinschaftswährung gegenüber dem Greenback verantwortlich. Als 2008 der Ölpreis in Dollar sein Rekordhoch markierte, war die EU durch einen sehr festen Euro vor zu starkem Anstieg geschützt. Das sei vorbei, sagte etwa Rohstoffanalyst Harry Tchilinguirian von
BNP Paribas.
Angesichts der hohen Preise nehmen die Sorgen zu, dass darunter die ohnehin schon fragile Konjunkturerholung leiden könnte. "Das wird die Firmenmargen belasten, und die Unternehmen werden nicht in der Lage sein, das an die Konsumenten weiterzugeben", sagte Analyst David Morrison von GFT Markets der Nachrichtenagentur Reuters.
Mittelfristig geben Analysten trotz des nun erreichten Niveaus keine Entwarnung. Die Analysten von
JP Morgan erhöhten kürzlich ihren Zielpreis für Öl der US-Sorte WTI auf 120 Dollar. Derzeit kostet ein Faß
WTI noch 106 Dollar. Auch
Goldman Sachs geht von weiter steigenden Tarifen aus.
Als Hauptgrund gilt derzeit vor allem der ungelöste Konflikt mit dem Iran um sein Atomprogramm. EU und USA werfen dem Land vor, heimlich am Bau von Atomwaffen zu arbeiten und wollen den Staat mit Sanktionen zum Einlenken bringen. Ab dem Sommer gilt beispielsweise ein Importverbot für iranisches Öl. Der Iran bestreitet die Vorwürfe und hat seinerseits gedroht, die Straße von Hormus zu blockieren, einen der weltweit wichtigsten Handelswege. Das Land ist der zweitgrößte Öl-Produzent in der Opec. "Jede neue Nachricht zum Iran ist dazu geeignet, die Risikoprämie für Öl weiter nach oben zu treiben," sagte Natalie Robertson, Rohstoff-Strategin bei der ANZ Bank.
Der größte Ölförderer der Welt, Saudi-Arabien, versucht Sorgen über ein zu geringes Angebot zu zerstreuen. Der stellvertretende Ölminister Prinz Abdulaziz bin Salman sagte: "Der Markt ist sehr gut versorgt und es gibt kein Grund zur Besorgnis. Wir haben unseren Freunden klar gemacht, wie viel Reservekapazität derzeit noch da ist und wie viel es in Zukunft sein wird."
Die Industrienationen bereiten sich bereits auf das ausbleibende Öl aus dem Iran vor. Indien hat in Saudi-Arabien um mehr Öl nachgefragt, um damit den ausbleibenden Fluss aus dem Iran auszugleichen.
Japan wird Medienberichten zufolge die Öleinfuhren aus dem Iran um mehr als 20 Prozent reduzieren und damit doppelt so stark wie bislang erwartet. Mit dem Schritt wolle das Land Strafmaßnahmen umgehen, berichtete die Wirtschaftszeitung "Nikkei" am Donnerstag ohne Quellen. Japan wolle sich mit den USA noch vor dem Monatsende auf den Schritt verständigen. Als Gegenleistung für die Reduzierung der Erdöleinfuhren sollen die japanischen Finanzinstitute, die Geschäfte mit dem Iran abwickeln, nicht unter die US-Sanktionen gegen die Islamische Republik fallen.
Solange der Ölpreis weiter steigt, dürfte der Iran die weniger abgesetzten Mengen durch den höheren Preis kompensieren, weswegen ein baldiges Einlenken des Iran unwahrscheinlich sei, schrieben die Analysten der
Commerzbank.
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