Die Firma Goldflexx lässt Anleger von vielen Goldbarren träumen. Doch das Geschäftsmodell wirft Fragen auf.
Eine "nie da gewesene Inflationsspirale" drohe, warnt Goldflexx in einer Anzeige im Dezember 2011. "Die ideale Absicherung für die kommende Krisenzeit" präsentiert die Gesellschaft gleich mit: Wer einmalig 2500 Euro oder mehr in ihre Partizipationsrechte investiere, könne "auf Dauer jeden Monat einen Goldbarren aus reinem 999,9
Feingold" oder Geld erhalten. Bleibe der Crash aus, "profitieren Sie einfach anhand der in Aussicht gestellten Toprenditen". Für die kommenden zwei Jahre prognostiziert Goldflexx mehr als 20 Prozent pro Jahr.
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Womit die Toprenditen erwirtschaftet werden sollen, steht im Verkaufsprospekt. Den hält die Emittentin nach eigenen Angaben in ihrem Büro im Opernturm, einem der modernsten Wolkenkratzer in Frankfurt, bereit. Bei einem Besuch vor Ort bedauert die Empfangsdame, der Prospekt sei gerade nicht zu haben. Offiziell sitzt Goldflexx nicht in Frankfurt, sondern auf der Karibikinsel Curaçao. Den Prospekt stellt schließlich ein Goldflexx-Interessent dem FTD-Schwestermagazin BÖRSEonLINE zur Verfügung.
Das Geschäftsmodell ist simpel. Goldflexx erlaubt anderen Anbietern, gegen Geld Software und Daten für Onlinelotterien, Sportwetten, Kasinos und Ähnliches zu nutzen. Ein Vertrag mit Tipp Services Plus aus Curaçao liegt bereits vor. An den Nettolizenzerlösen werden die Anleger beteiligt. Die Lizenzen hat Goldflexx vom Alleingesellschafter und Direktor Karsten Primke. Ihm stehen dafür insgesamt 25 Mio. Euro zu - die Hälfte des Bruttoemissionserlöses. Außerdem sind für ihn 198.000 Euro Jahresgehalt vorgesehen.
Ob der Preis für die Softwarelizenzen und Datensätze angemessen ist, lässt sich schwer beurteilen. Lizenzgeber Primke bietet wenig Gewährleistung für seine Produkte. Es existiert kein Bewertungsgutachten dafür. Goldflexx ist nicht verpflichtet, den Abschluss von einem Wirtschaftsprüfer bestätigen zu lassen. Nicht bekannt ist zudem, ob es über den Unterlizenzvertrag hinaus Verbindungen zu Tipp Services gibt. Zu den vielen Fragen, die das Modell aufwirft, äußerte sich Goldflexx bislang nicht. Nicht einmal Jahresabschlüsse liegen bislang vor, weil die Gesellschaft erst im Oktober 2010 gegründet wurde. Ein Aufsichtsgremium hat sie nicht. Auch der Kunde Tipp Services Plus ist erst seit Dezember 2010 ins Handelsregister eingetragen.
Immerhin hat Primke selbst schon mal Erfahrungen mit einem ähnlichen Modell gemacht. Er war Aktionär von Casmaker, später Betonusa, aus Hannover und trat als Vertreter von Digital Media auf, das seinen Sitz an der gleichen Adresse wie heute Goldflexx hatte. Per Zeitungsanzeige warb Casmaker 2005 für stille Beteiligungen an Digital Media.
Wer mindestens 2500 Euro investierte, sollte ebenfalls dauerhaft Zahlungen erhalten. Auch damals wurden die Anleger an Lizenzeinnahmen für Onlineglücksspielangebote beteiligt. Die Renditeaussichten malte Casmaker extrem rosig: Für einmalig 2500 Euro sollten Anleger schon im ersten Geschäftsjahr bis zu 391 Euro erhalten - jeden Monat.
Dem Modell war auf Dauer kein Erfolg beschieden. Schließlich wurden aus den Anlegern Aktionäre von Betonusa. Das Insolvenzverfahren wurde im Juni 2009 eröffnet. Stellt sich die Frage, was Primke ändern will, um die Fehler von damals zu vermeiden. Darauf gibt er bislang keine Antwort.
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