Sie stecken in jedem Smartphone, Solarmodul, Flachbildschirm und Elektromotor: seltene Erden. Die Vorkommen sind da, aber die Kapazitäten der Förderung sind begrenzt. Mutige Anleger spekulieren mit Aktien auf den heißesten Trend am Rohstoffmarkt.

Seltene Erden ist der Oberbegriff für eine Gruppe von 17 Metallen mit Namen wie Scandium, Yttrium oder Lanthan. „Im Rohstoffsektor ist das der Megatrend schlechthin, kaum etwas wird derzeit heißer diskutiert“, sagt Dirk Müller. Einst machte sich der Börsenmakler auf dem Frankfurter Parkett als Mister DAX einen Namen, heute gibt es den Börsenbrief „Cashkurs Trends“ heraus. Aktien aus diesem Sektor – darunter vor allem hochriskante Nebenwerte – haben in den vergangenen Monaten eine wahre Rally hingelegt.
So selten, wie der Name vermuten lässt, sind die Metalle gar nicht. Auf 99 Millionen Tonnen schätzt die Behörde US Geological Survey die Reserven weltweit, ein Drittel davon entfällt auf China. „Die Nachfrage beträgt derzeit rund 130.000 Tonnen im Jahr“, sagt Eugen Weinberg, Rohstoffexperte der
Commerzbank. So schnell werden die im Boden liegenden Spezialmetalle also noch nicht ausgehen.
Das Problem bei diesen Rohstoffen ist weniger ihr Vorkommen als vielmehr der Abbau. Einige Marktkenner meinen, bereits 2013 könnte die Nachfrage die Produktion übersteigen. Denn China beherrscht 97 Prozent des Marktes und diktiert die Regeln. Zwar gibt es auch anderswo Minen, doch die sind oft stillgelegt oder noch nicht erschlossen. Bis zum Produktionsstart können mehr als zehn Jahre vergehen.
Dazu kommt, dass die geringe Konzentration der Spezialmetalle in den Vorkommen die Produktion erschwert – das ist im Übrigen der eigentliche Grund für die Bezeichnung „selten“. Weinberg ergänzt, dass sich die Chinesen außerdem einen Know-how-Vorsprung erarbeitet haben: „Durch die Dominanz Chinas in den vergangenen zehn Jahren auf diesem Gebiet sind sie bei den Abbaumethoden heute führend“, sagt er.
Wirklich rar sind die Anlagemöglichkeiten. Zwar bietet die
Royal Bank of Scotland Zertifikate an, doch die decken nur wenige Spezialmetalle ab. Mutigen Anlegern bleiben derzeit also nur Aktien. Börsenprofi Müller gefallen vor allem die Titel von China Rare Earth, Lynas, Neo Materials und Molycorp. Denn diese Unternehmen produzieren bereits oder stehen zumindest kurz davor.
China Rare Earth etwa weist anders als viele Wettbewerber schon Erträge aus. „Außerdem ist das Unternehmen bereits etabliert und besitzt eine gute Marktstellung“, sagt Müller. Er verweist auf die hohen Barreserven und die Kooperation mit der Siemens-Tochter Osram: Gemeinsam entwickeln sie Leuchtkörper. Nach einem Verlust im Jahr 2008 blieb 2009 ein Gewinn von 85 Mio. Hongkong-Dollar (8,5 Mio. Euro). Für das kommende Jahr rechnet Fan Guohe, Analyst bei Phillip Securities Research, mit einem Nettoergebnis von 252 Mio. Hongkong-Dollar.
Lynas ist für Müller „einer der interessantesten Werte in diesem Bereich“. Die Australier sitzen auf einem der größten Vorkommen außerhalb Chinas und wollen die Produktion bald anfahren. Lynas gilt als Übernahmekandidat, seit eine chinesische Firma den Einstieg versuchte – und am Veto der australischen Regierung scheiterte. Allerdings sollten Anleger bedenken, dass das Unternehmen bis mindestens 2012 Verluste schreiben wird. Die Aktie wird in Deutschland eifrig gehandelt, ist mit einem Kurs von 66 Cent jedoch ein Penny-Stock – also nur für ausgebuffte Zocker geeignet. Bei Neo Materials sieht Müller Licht und Schatten: „Sie generieren bereits Umsätze, sind hochprofitabel, aber auch schon hoch bewertet.“
Die Fantasie vieler Anleger regte kürzlich der Börsengang von Molycorp an. Die Amerikaner reaktivieren gerade die Mine Mountain Pass in der Mojave-Wüste. Die US-Regierung will den Abbau von seltenen Erden subventionieren, um die Abhängigkeit von China zu mindern. Vor 2012 wird Molycorp allerdings wohl kein Gramm Metall aus der Erde holen. Außerdem hat das Unternehmen seit seiner Gründung 2008 noch nie einen Gewinn erzielt. „Ein Vorkommen zu besitzen ist nicht genug“, sagt John Stephenson, Vermögensverwalter bei First Asset Investment in Toronto. „Es muss auch innerhalb des Zeit- und Kostenrahmens geliefert werden.“ Diesen Beweis ist Molycorp seinen Anlegern bislang schuldig geblieben. „Das ist ein hochriskantes Geschäft“, sagt Josef Schuster, Gründer der Vermögensverwaltung Ipox Capital in Chicago. „Die Wahrscheinlichkeit für einen Hauptgewinn ist vermutlich so groß wie bei einer Lotterie.“

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