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Rohstoffinvestor Jim Rogers im Interview "Am besten werden Sie Landwirt"

[11:30, 11.11.11]


Jim Rogers kritisiert den Ankauf von Staatsanleihen durch Notenbanken heftig und fürchtet eine Inflation. Für Sparer hat er ganz besondere Ratschläge dabei.


Rohstoffinvestor Jim Rogers

 Rohstoffinvestor Jim Rogers

Suite 404 eines Frankfurter Edelhotels. Die Herbstsonne scheint durchs Fenster. An einem großen Holztisch sitzt Jim Rogers. Um ihn herum stehen leere Getränkeflaschen und Kaffeebecher. Im Gespräch wischt er ermattet über seine Augen. Wie so oft ist Rogers auf Werbetour – für Rohstoffzertifikate.

Herr Rogers, nach der Finanzkrise rutscht die Welt in eine Staatsschuldenkrise. Sind Sie überrascht?

Jim Rogers: Nein, überhaupt nicht. In den USA haben wir mit Ben Bernanke den schlechtesten Notenbanker überhaupt. Wir gaben ihm die Notenpresse in die Hand, und nun druckt er Geld. Wir bezahlen bereits einen hohen Preis, und wir werden einen noch höheren zahlen müssen.

Was ist der Preis?

Jim Rogers: Inflation, scheiternde Regierungen, Staatspleiten. Wir verschieben die Probleme in die Zukunft. Die Bilanz der US-Notenbank Fed ist aufgebläht – mit Müll. Das löst nicht unsere Probleme.

Und wie steht es um Europa?

Jim Rogers: Europa ist noch etwas besser dran. Was mich überrascht: Der Ankauf von Staatsanleihen durch die Europäische Zentralbank hätte früher niemals die Zustimmung Deutschlands gefunden. Die gesamte Nation wäre in den Grundfesten erschüttert gewesen. Aber was machen Europas Regierungen heute? Sie sagen zu guten Deutschen, Finnen oder Holländern: Zahlt für die Banken. Zahlt für ein paar Leute, die am Strand liegen und Ouzo trinken.

Was raten Sie in dieser Lage den Anlegern?

Jim Rogers: Ich selbst stehe lieber auf der Seite der Gläubiger wie China anstatt auf der Seite der Schuldner wie den USA – auch wenn China sicher ebenfalls Probleme hat. Zudem halte ich gern reale Werte in der Hand: Rohstoffe. Die Ressourcen sind knapp. Der Bedarf wächst, besonders bei Agrargütern.

Aber beim Börsencrash 2008 und auch beim jüngsten Kurseinbruch rauschten die Rohstoffnotierungen im Einklang mit den Aktienkursen in den Keller.

Jim Rogers: Sicher litten auch die Grundgüterpreise zusammen mit den Aktien. Aber das waren nur fünf Monate im Krisenjahr 2008. Seit dem Frühjahr 1999 stecken Rohstoffe in einem langfristigen Bullenmarkt. Der US-Aktienindex S&P 500 erzielte seither keine Gewinne. Grundgüter notieren dagegen mit 450 Prozent im Plus, gemessen an dem von mir entwickelten RICI-Index.

Bevorzugen Sie bestimmte Rohstoffe?

Jim Rogers: Ich besitze sie alle. Sollte aber unsere Wirtschaftsordnung zusammenbrechen, ist es sicher kein Fehler, ein paar Gold- und Silbermünzen in der Tasche zu haben. Außerdem feuert das Wachstum in den Schwellenländern wie China den Bedarf nach Industriemetallen an. Der Ausbau der Produktionskapazitäten kommt da nicht mit. Minenchefs in Australien klagen etwa, dass sie nicht genug Ingenieure finden. Schließlich spiegeln die Preise von Agrarrohstoffen lange noch nicht die wachsende Differenz zwischen Angebot und Nachfrage wider. Ich habe etwa auch Farmland gekauft.

Immer mehr Stimmen sehen Investments in Agrargüter aber kritisch. Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy fordert beispielsweise ein Verbot der Spekulation mit Nahrungsmitteln.

Jim Rogers: Die Preise von Agrarrohstoffen steigen, weil dringend Investitionen in die Produktion notwendig sind. Daher ist es doch nur gut, wenn Geld in diesen Bereich fließt. Alle wollen billige Nahrung, aber wo soll die herkommen? Herr Sarkozy sollte mal einen Tag lang mit seinen eigenen Händen auf dem Feld arbeiten – zwölf Stunden am Tag in der prallen Sonne, damit wir alle billige Lebensmittel bekommen. Australische und US-Farmer sind im Schnitt 58 Jahre alt, japanische Bauern 66 Jahre. Wer soll da künftig die Felder bestellen? Am besten werden Sie selbst Landwirt.

Zur Person

Jim Rogers gründete 1970 mit George Soros den Hedge-Fonds Quantum Funds. Ende der 90er-Jahre sagte er eine Rally am Rohstoffmarkt voraus und lancierte den Rogers International Commodity Index (RICI). Der US-Amerikaner lebt heute in Singapur.




 

© 2011 boerse-online.de, © Illustration: reuters

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