Herr Rogers, nach der Finanzkrise rutscht die Welt in
eine Staatsschuldenkrise. Sind Sie überrascht?
Jim Rogers: Nein, überhaupt nicht. In den USA haben wir mit
Ben Bernanke den schlechtesten Notenbanker überhaupt.
Wir gaben ihm die Notenpresse in die Hand,
und nun druckt er Geld. Wir bezahlen bereits einen
hohen Preis, und wir werden einen noch höheren
zahlen müssen.
Was ist der Preis?
Jim Rogers: Inflation, scheiternde Regierungen, Staatspleiten.
Wir verschieben die Probleme in die Zukunft. Die
Bilanz der US-Notenbank Fed ist aufgebläht – mit
Müll. Das löst nicht unsere Probleme.
Und wie steht es um Europa?
Jim Rogers: Europa ist noch etwas besser dran. Was mich überrascht:
Der Ankauf von Staatsanleihen durch die
Europäische Zentralbank hätte früher niemals die
Zustimmung Deutschlands gefunden. Die gesamte
Nation wäre in den Grundfesten erschüttert gewesen.
Aber was machen Europas Regierungen heute?
Sie sagen zu guten Deutschen, Finnen oder Holländern: Zahlt für die Banken. Zahlt für ein paar
Leute, die am Strand liegen und Ouzo trinken.
Was raten Sie in dieser Lage den Anlegern?
Jim Rogers: Ich selbst stehe lieber auf der Seite der Gläubiger
wie China anstatt auf der Seite der Schuldner wie
den USA – auch wenn China sicher ebenfalls Probleme
hat. Zudem halte ich gern reale Werte in der
Hand: Rohstoffe. Die Ressourcen sind knapp. Der
Bedarf wächst, besonders bei Agrargütern.
Aber beim Börsencrash 2008 und auch beim jüngsten
Kurseinbruch rauschten die Rohstoffnotierungen im
Einklang mit den Aktienkursen in den Keller.
Jim Rogers: Sicher litten auch die Grundgüterpreise zusammen
mit den Aktien. Aber das waren nur fünf
Monate im Krisenjahr 2008. Seit dem Frühjahr
1999 stecken Rohstoffe in einem langfristigen
Bullenmarkt. Der US-Aktienindex S&P 500 erzielte
seither keine Gewinne. Grundgüter notieren dagegen
mit 450 Prozent im Plus, gemessen an dem
von mir entwickelten RICI-Index.
Bevorzugen Sie bestimmte Rohstoffe?
Jim Rogers: Ich besitze sie alle. Sollte aber unsere Wirtschaftsordnung
zusammenbrechen, ist es sicher kein
Fehler, ein paar Gold- und Silbermünzen in der
Tasche zu haben. Außerdem feuert das Wachstum
in den Schwellenländern wie China den Bedarf
nach Industriemetallen an. Der Ausbau der
Produktionskapazitäten
kommt da nicht mit. Minenchefs in Australien klagen etwa, dass sie
nicht genug Ingenieure finden. Schließlich spiegeln
die Preise von Agrarrohstoffen lange noch
nicht die wachsende Differenz zwischen Angebot
und Nachfrage wider. Ich habe etwa auch Farmland
gekauft.
Immer mehr Stimmen sehen Investments in Agrargüter
aber kritisch. Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy
fordert beispielsweise ein Verbot der Spekulation mit
Nahrungsmitteln.
Jim Rogers: Die Preise von Agrarrohstoffen steigen, weil dringend
Investitionen in die Produktion notwendig
sind. Daher ist es doch nur gut, wenn Geld in diesen
Bereich fließt. Alle wollen billige Nahrung, aber wo
soll die herkommen? Herr Sarkozy sollte mal einen
Tag lang mit seinen eigenen Händen auf dem Feld
arbeiten – zwölf Stunden am Tag in der prallen
Sonne, damit wir alle billige Lebensmittel bekommen.
Australische und US-Farmer sind im Schnitt
58 Jahre alt, japanische Bauern 66 Jahre. Wer soll
da künftig die Felder bestellen? Am besten werden
Sie selbst Landwirt.
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