Edelmetalle wie Silber und Platin gelten als industrienah - und verteuern sich seit Jahresbeginn rasant. Das ist auf den ersten Blick kurios, denn auch die Krisenanlage Gold steht hoch im Kurs.
Gold, Silber, Platin und Palladium verteuern sich seit Jahresanfang rasant - und nahezu im Gleichschritt, wie ihre fast parallelen Preiskurven zeigen. Und das, obwohl Gold als Krisenanlage gilt, während die anderen Edelmetalle industrienah sind und für gewöhnlich von einer guten Wirtschaftslage profitieren - insofern müssten sich ihre Preise eigentlich gegenläufig entwickeln.
Platin
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Um die uniforme Rally einzuordnen, lohnt ein Blick auf den Ausgangspunkt: "Es gibt sicher fundamentale Gründe, aber entscheidend ist, wo die Preise herkommen", sagt Rohstoffanalyst Thorsten Proettel von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). Zum Jahresende waren die Preise drastisch eingebrochen. Die industrienahen Metalle litten unter der Sorge vor einem Abschwung. "Die Angst vor einer Rezession ging um, viele haben sich aus dem Markt verabschiedet", sagt Proettel.
Doch auch Gold war unter Druck geraten. "Gold hat sich im vergangenen Jahr gut entwickelt", sagt Proettel, "das war bei vielen anderen Anlagen nicht der Fall. Deshalb wurde Gold zum Jahresende vielfach verkauft, um anderweitige Verluste auszugleichen." Zum Jahresende gebe es immer Bilanzkosmetik, sagt der Analyst, "aber dass das auch die Edelmetalle betrifft, war 2011 etwas Besonderes."
Trotz des schlechten Abschlusses war das vergangene aber kein Verlustjahr für Gold, im Gegenteil: Der Preis erhöhte sich auf Jahressicht um zehn Prozent. "Im Januar beginnt das Spiel wieder von vorn", sagt Proettel, "Investoren kaufen teils das zurück, was sie vorher abgestoßen hatten."
Im Januar verhalf das dem Goldpreis am Spotmarkt zu einem Anstieg um zwölf Prozent. Die Feinunze wird derzeit bei 1738 Dollar gehandelt.
Silber und Platin profitieren von Konjunkturerholung
Analysten der
Commerzbank sehen das fundamental positive Umfeld unverändert. Das Angebot steige kaum, die Zentralbanken kauften mehr, als sie verkaufen, und das Niedrigzinsumfeld halte die Opportunitätskosten gering. Was die Analysten meinen: Solange wegen der Niedrigzinsen anderswo kaum Geld zu verdienen ist, fällt es nicht ins Gewicht, dass Gold keine Zinsen abwirft.
Wie Gold ist auch Silber bei Anlegern als Inflationsschutz beliebt. Andererseits wird es aber auch in der Industrie benötigt. Daher profitiert Silber wie Platin und Palladium von positiven Konjunkturdaten und -prognosen. "Die wirtschaftliche Situation ist besser als erwartet", sagt Torsten Dennin, Rohstoffexperte der VCH Vermögensverwaltung. "Das stützt sowohl die Aktienmärkte und Industriemetalle als auch die industrienahen Edelmetalle." Platin und Palladium werden vor allem in der Autoindustrie in Katalysatoren eingesetzt, Silber findet in Hightech-Geräten und der Branche der erneuerbaren Energien Verwendung.
Silber hat sich am Spotmarkt seit Jahresanfang um 26 Prozent auf zuletzt etwa 34 Dollar pro Feinunze verteuert. Platin ist im gleichen Zeitraum um 19 Prozent auf 1627 Dollar gestiegen, Palladium hat 12,2 Prozent zugelegt und kostet jetzt rund 708 Dollar pro Feinunze.
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