Wie erklären Sie sich den Boom bei so genannten Ökofonds in den
vergangenen Jahren?
Die Themen Klimawandel, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit
sind in aller Munde. Die Erderwärmung nimmt
rapide zu, ebenso der energiebedingte Ausstoß von CO2.
Gleichzeitig sorgen explodierende Bevölkerungszahlen und
zunehmender Wohlstand in Ländern wie China oder Indien
dafür, dass wir immer mehr Ressourcen benötigen. Das diese
Entwicklung nicht immer so weiter gehen kann ist mittlerweile
in den Köpfen der Menschen angekommen. Daher achten
sie auch bei Anlageprodukten verstärkt darauf, ob diese hohe
Renditen um jeden Preis anstreben oder aber auch ökologische
und ethische Kriterien in ihren Anlageentscheidungen
berücksichtigen.
Heißt das Gutes Gewissen aber schlechtere Performance’?
Nein, ganz im Gegenteil. Der Dow Jones Sustainability World
Index etwa konnte in den vergangenen vier Jahren über fünfzig
Prozent zulegen. Zum Vergleich der Dow Jones Industrial
Index verbuchte im gleichen Zeitraum lediglich ein Plus von
rund 13 Prozent. Der Sustainability Index sucht Unternehmen
nicht nur nach wirtschaftlichen, sondern auch nach
sozialen und ökologischen Kriterien aus. Diese Firmen arbeiten
häufig in Zukunftsmärkten mit sehr hohen Wachstumsraten
oder gehören in ihrer Branche zu den Spitzenreitern. Der
Großteil von ihnen profitiert vom Nachhaltigkeitstrend und
ist besonders innovativ. Das macht sie sehr erfolgreich und
für Investoren interessant. Alles Voraussetzungen für ein
Investment mit überdurchschnittlicher Performance. Die
Formel lautet also vielmehr Gutes Gewissen und beste Performance’
Regelmäßig übertrifft ihr Fonds seinen Vergleichsindex den MSCI
World deutlich. Wie lautet ihr Geheimrezept?
Gerade in 2007 haben wir davon profitiert, dass wir uns
rechtzeitig sehr defensiv aufgestellt haben. So haben wir im
Mai des vergangenen Jahres unsere Cashquote deutlich auf 20
Prozent erhöht. Ab September 2007 haben wir diese dann
sukzessive abgebaut und unseren Fokus auf Large Caps gerichtet.
Ein Zeitpunkt, zu dem die Märkte schon sehr stark
unter Druck waren und wir zu vergleichsweise günstigen
Kursen einsteigen konnten. Generell gilt, dass wir Trends nur
bis zu einem gewissen Punkt mitgehen. Wenn wir den Eindruck
gewinnen, dass ein Thema überbewertet wird, fahren
wir unser Engagement sukzessive zurück. Wie zuletzt bei
Solarwerten geschehen.
Heißt das für Sie, dass sie keine Solarunternehmen mehr im Portfolio
halten?
Nein, wir sind nicht gänzlich aus dem Bereich ausgestiegen.
Aber wir halten aktuell nur rund zwei Prozent unseres Portfolios
in Solaraktien. In den vergangenen Jahren war die Solarenergie
das Topthema. Denken Sie nur an Titel wie
Solarworld.
Wertverdoppelungen binnen weniger Monate waren
hier keine Seltenheit. Bei diesem Boom waren wir dabei. Momentan
sehen wir jedoch nur bei ein bis zwei Titeln sehr gute
Wachstumschancen. Der Markt steht unserer Ansicht nach
vor einer Konsolidierungsphase.
Welche Bereiche gehören denn aktuell zu ihren Favoriten?
Windenergie und Wasserwirtschaft sehen wir ganz klar vorne.
Die Windenergie wird sich in den kommenden zwei bis
vier Jahren zunehmend als Energieträger durchsetzen. Zudem
rechnen wir damit, dass dieser Bereich im Vergleich zur Solarbranche
früher ohne Subventionen auskommen und somit
gegenüber herkömmlichen Energieerzeugern wie Öl oder
Kohle wettbewerbsfähig wird. Und auch für die Wasserwirtschaft
stehen die Zeichen auf Wachstum. Die Vereinten Nationen
haben sich zum Ziel gesetzt die Zahl der Menschen ohne
Zugang zu sauberem Wasser oder sanitären Anlagen bis 2015
zu halbieren. Dies bedeutet, dass jährlich über 80 Millionen
Menschen Zugang zu sauberem Trinkwasser erhalten. Damit
kommt der umweltgerechten Gewinnung, Verteilung und
Entsorgung von Wasser eine zentrale Bedeutung zu. Aktuelle
Prognosen für den Bereich des dezentralen Wassermanagements
gehen von einer Steigerung um 700 Prozent des
Marktvolumens bis 2020 aus.
Wie entscheiden Sie, ob eine Aktie in Ihr Portfolio kommt oder
nicht?
Wir haben klare Ausschlusskriterien. So investieren wir nicht
in Unternehmen aus den Bereichen Rüstung, Tabak, Pornographie,
Alkohol und Glücksspiel. Tabu sind auch Unternehmen,
die gegen Menschen- oder Arbeitsrechte verstoßen
oder Kinderarbeit einsetzen. Dagegen kommen Unternehmen,
die umweltfreundliche Produkte oder Technologien
entwickeln ins Portfolio. Gute Chancen haben auch Unternehmen,
die einen Beitrag zu einer sauberen und gesunden
Umwelt leisten.
Beschränken Sie sich denn bei Ihrer Auswahl auf bestimmte Regionen?
Generell steht uns das weltweite Investmentuniversum zur
Verfügung. Aktuell sind wir mit rund 60 Prozent in Europa,
30 Prozent in den USA und 10 Prozent in Japan engagiert.
Aber auch Schwellenländer werden für uns immer interessanter.
So haben wir kürzlich den brasilianischen Titel CEWIG in
unser Portfolio genommen. Das Energieunternehmen ist
Branchenprimus und führend im Bereich Wasserkraftwerke.
In diesem Jahr hat sich unser Anlageuniversum nochmals
vergrößert, da wir eine zweite Rating-Agentur an Bord geholt
haben, die für uns das Vor-Screening durchführt.
Zum Schluss ein Blick in die Zukunft. Wo stehen wir mit den Themen
Nachhaltigkeit und Ökologie in 15 oder 20 Jahren?
Aufgrund der globalen Herausforderungen vor denen die
Weltbevölkerung steht, werden uns diese Themen die kommenden
Jahrzehnte sehr stark beschäftigen. Benzinfahrzeuge
mit acht oder neun Litern Spritverbrauch werden wohl eher
nur noch im Museum zu besichtigen sein. Die ersten Schritte
in diese Richtung sind ja bereits getan. Und dieser Prozess
wird sich zukünftig eher noch beschleunigen.
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