Böse Zungen nennen Wohlhabende die Gewinner der Abgeltungssteuer. Eine Studie zeigt jedoch, dass nur jeder Achte von ihnen sich auf die neue Steuer eingestellt hat. Der Beratungsbedarf ist enorm.
Nur zwölf Prozent der gut verdienenden und vermögenden Bundesbürger haben ihr Kapitalvermögen bereits mit Blick auf die 2009 startende Abgeltungssteuer steuersparend umgeschichtet. Jeder Zweite hat sich dazu aber bereits beraten lassen, vor allem von seiner Bank oder von unabhängigen Finanz- und Vermögensberatern oder Versicherungsvermittlern. Dies zeigt die aktuelle Studie „Abgeltungssteuer: Steuersparstrategien von Vermögenden“ des Marktforschungs- und Beratungsinstituts psychonomics AG. Für die Studie wurden rund 600 vermögenden deutsche Privatkunden zur ihrem Anlageverhalten befragt.
Gerade Besserverdienende mit einem hohen persönlichen Steuersatz können vom 25-prozentigen Abgeltungssatz profitieren, wenn sie zum Beispiel stark auf Zinsanlagen setzen. Wer letztlich zu den Gewinnern der Pauschalbesteuerung von Erträgen aus Zinsen und Kursgewinnen zählt, entscheidet sich aber an der konkreten individuellen Anlagestruktur und Depotzusammensetzung.
Nur jeder Dritte wurde angesprochen
Laut psychonomics-Studie wollen sich 86 Prozent der Vermögenden noch weiter über die persönlichen Auswirkungen der neuen Steuer beraten lassen. Immerhin jeder dritte Vermögende plant, bis zum Jahresende weitere Geldanlagen zu tätigen, bei etlichen handelt es sich dabei um „neues Geld“, das nicht aus bereits bestehenden Geldanlagen stammt. Erstaunlicherweise wurden bislang erst 35 Prozent der für Finanzdienstleister attraktiven Zielgruppe „Vermögende“ von der Finanzwirtschaft aktiv auf die Abgeltungssteuer angesprochen.
Anlagefavoriten der Top-Kunden für Neuabschlüsse noch in diesem Jahr sind derzeit vor allem Aktienfonds, Einzelaktion sowie Fest- und Tagesgeld. Einer der großen Verlierer der Abgeltungssteuer auf Produktseite sind laut Studie die Fondssparpläne: Gut jeder zweite Vermögende unterhält derzeit Fondssparpläne, aber ein Drittel der Besitzer wollen diese bis zum Jahresende auflösen und das frei gewordene Kapital anderweitig anlegen. Da die Abgeltungssteuer auf Kursgewinne für Neuanlagen ab 2009 greift, ist dieses Verhalten allerdings nicht nachzuvollziehen.
Das Ausland bleibt attraktiv
Mehr als die Hälfte der Befragten hält mit Blick auf die Abgeltungssteuer auch die Geldanlage im Ausland für grundsätzlich sinnvoll. Ob die Abgeltungssteuer, wie von Vater Staat beabsichtigt, tatsächlich die Kapitalflucht ins Ausland zu stoppen vermag, „erscheint daher mehr denn je ungewiss“, schreibt psychonomics.
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