Fondspolicen werden durch die Abgeltungssteuer attraktiver, weil sie von der neuen Abgabe eigentlich gar nicht betroffen sind. Allerdings müssen Anleger die Angebote immer genau prüfen.

Sie werben reißerisch mit „Rendite ohne Abgeltungssteuer“ wie die HypoVereinsbank und ihre Partnerin Victoria Lebensversicherung. Oder sie erklären: „So retten Sie Ihre Rendite vor dem Fiskus“ wie die Versicherungsgesellschaft Delta Lloyd. Klar: Solche Werbesprüche sind Balsam auf die Seelen ab-geltungssteuergeplagter Anleger. „Gerade fondsgebundene Policen werden derzeit verstärkt mit dem Argument Abgeltungssteuer verkauft“, bestätigt Axel Kleinlein vom Verbraucherzentrale Bundesverband. Bizarrerweise liegt die gestiegene Attraktivität speziell von Fonds im Versicherungsmantel gerade darin begründet, dass die Erträge aus langlaufenden Policen grundsätzlich nicht unter die Abgeltungssteuer fallen. Genau das beschert ihnen unter Steuergesichtspunkten einen erheblichen Vorteil.
Das wird deutlich am Vergleich von Fondspolicen mit der Direktanlage in Fonds: Nach Musterrechnung von Delta Lloyd erwirtschaften Fondspolicen eine höhere Nachsteuerrendite als ein Fondssparplan. Der Grund: Bei gleicher Einzahlung und gleicher unterstellter Rendite der Fonds, in die investiert wurde, erreicht der herkömmliche Fondssparplan in Zeiten der Abgeltungssteuer ein geringeres Endkapital als die Fondspolice.
Das klingt überraschend. Denn bislang galt es als Gewissheit, dass eine Fondspolice gerade wegen des Versicherungsmantels und der gleich zu Beginn der Versicherungszeit abgezogenen Vertriebskosten zumeist deutlich teurer sei als ein direktes Fondsinvestment – und folglich ein geringeres Endkapital erwirtschaftet. Grund für den nun prognostizierten Renditevorteil: Investiert ein Anleger direkt in Fonds, muss er die vom Fonds erzielten Dividenden wegen der Abgeltungssteuer jährlich versteuern, bei der fondsgebundenen Versicherung dagegen nicht. Die Versicherung kann mit dem ungeschmälerten Kapital weiterarbeiten, der Anleger profitiert vom Zinseszinseffekt. Und es gibt noch einen Vorteil: Die Fonds im Versicherungsmantel können steuerunschädlich umgeschichtet werden; Veräußerungsgewinne bleiben steuerfrei.
Bei der Fondspolice fällt erst am Ende der Laufzeit eine Steuer an: Die Abgabe wird fällig auf die Differenz von Ablaufleistung und tatsächlicher Beitragssumme. Bei einer Laufzeit von mehr als zwölf Jahren und einer Auszahlung nach dem 60. Lebensjahr unterliegt bei einer fondsgebundenen Versicherung, die nach 2005 abgeschlossen wurde, sogar nur die Hälfte der Erträge dem persönlichen Steuersatz. Der beträgt derzeit maximal 42 Prozent, hinzu kommen noch Solidaritätszuschlag und etwaige Kirchensteuer. Somit fällt die Zahlung an den Fiskus stets niedriger aus als bei einem Fondssparplan. Denn hier greift für alle ab 2009 getätigten Sparraten beim späteren Verkauf mit Gewinn die Abgeltungssteuer von 25 Prozent plus Soli und Kirchensteuer. Das ist mehr als die Hälfte des persönlichen Steuersatzes.
Das Rentenwahlrecht ist ebenfalls interessant: Denn dann wird das angesparte Kapital komplett – ohne jeglichen Steuerabzug – in eine Rentenleistung umgewandelt. Die ausgezahlte Rente selbst wird nach dem günstigen Ertragsanteil versteuert: Im Alter von 65 Jahren bedeutet das, dass nur 18 Prozent der monatlichen Rentenzahlung überhaupt zu versteuern sind – zum persönlichen Steuersatz.
Doch Verbraucherschützer warnen davor, jetzt ausschließlich auf die Steuervorteile zu schielen. Tatsächlich heißt das nicht, dass bei den Fondspolicen unter dem Strich mehr für den Anleger übrig bleibt. „Viele Leute stürmen jetzt los, um Steuern zu sparen, und merken dabei gar nicht, dass sie in Produkte mit hohen Kosten hineinrennen. Der Steuerspartrieb sollte nicht den Blick auf die Gebühren versperren“, rät Arno Gottschalk, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Bremen.
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