Eine gewöhnliche Visitenkarte sieht
anders aus: "Hacker" prangt in großen
schwarzen Lettern auf der Rückseite
des Kärtchens. "Ich war mal ein Hacker,
das ist aber schon 20 Jahre her, und
Schaden habe ich auch keinen angerichtet",
beteuert IT-Sicherheitsexperte Gunnar Porada.
Aber so ganz hat er sein altes Leben
doch noch nicht abgestreift. Inzwischen
berät er Banken, wie sie ihr Onlinebanking
sicherer machen können – und wenn eine
Bank ihn dazu beauftragt, versucht er, sich
in ihre Systeme hineinzuhacken.
Sicherheit ist für die Banken seit eh und
je das Kernthema. Früher hatten sie mit
Ganoven zu kämpfen, die Filialen oder
Geldtransporter überfielen. Das kommt
zwar heute auch noch vor, aber längst verlagern
sich internationale Banden darauf,
die Kunden der Banken per Computerangriff
um ihr Geld zu bringen. Mit Trojaner-
Schadsoftware (siehe Lexikon) infizieren
Gauner die Rechner ahnungsloser
Onlinebanking-Kunden, greifen ihre Passwörter
und Codes ab und leiten Überweisungen
um – auf die Konten von Abzockern,
gern in Osteuropa. Selbst Antivirensoftware
bietet keinen 100-Prozent-Schutz, da sie
nicht alle Schädlinge sofort erkennt, denn
täglich tauchen neue Viren oder neue Varianten
auf. "Es ist ein stetes Wettrennen
zwischen Antivirenprogammen und Schädlingen",
mahnt Porada zur Vorsicht.
2010 sind die Schadensfälle im Onlinebanking
durch Phishing-Attacken (Passwort-
Phishing) erneut stark angestiegen.
Das Bundeskriminalamt (BKA) registrierte
rund 5300 Fälle – 82 Prozent mehr als im
Vorjahr. Die offiziell gemeldeten Schäden
betrugen gut 21 Mio. Euro. Das ist zwar
nicht die Welt angesichts von 45 Millionen
Girokonten, die inzwischen hierzulande
online geführt werden. Aber viele Kunden
schrecken solche Zahlen davon ab, Geldgeschäfte
via Internet zu zu tätigen.
Lexikon
Zeus und Troja
Trojaner
sind eine Schadsoftware, die Ganoven
unbemerkt auf die Rechner von Bankkunden
schleusen. Die Infektion erfolgt
beim einfachen Surfen. Trojaner
spionieren Passwörter aus und leiten
Überweisungen um. Einer der bekanntesten
ist der Zeus-Trojaner, benannt
nach dem griechischen Göttervater.
mTAN/eTAN
sind neue Sicherungsverfahren: Bei
der mTAN wird die TAN für die Transaktionsfreigabe
per Kurznachricht (SMS)
aufs Handy geschickt, die eTAN wird
über ein kleines, auf den Kunden registriertes
Zusatzgerät erzeugt. Bei beiden
Verfahren sind die wichtigsten Transaktionsdaten
in die TAN eincodiert und
können vom Kunden überprüft werden.