Personalberater auf Rückzug Schlechte Zeiten für Kopfjäger

Den Personalberatern gehen die Aufträge aus: Die Rezession frisst ihr Stammgeschäft auf. Um diese Einbrüche zu kompensieren, dringen sie nun verstärkt in das Geschäftsfeld der Strategieberatungen ein.

So hat der deutsche Marktführer Egon Zehnder eine Restrukturierungsabteilung gegründet, die Firmen aus der Krise helfen soll. Heidrick&Struggles, weltweit die Nummer zwei hinter Korn/Ferry, bietet vermehrt Organisationsberatung an.

Zudem setzen die Personalberater auf den Ausbau des Audit-Geschäfts: Mit der Analyse von Stärken und Schwächen der Manager erzielt Egon Zehnder bereits 20 Prozent des Umsatzes. Das Geschäftsfeld gilt als relativ krisensicher. Bei Fusionen oder Führungswechseln werden gerne Personalberater mit Audits beauftragt.

Für das laufende Geschäftsjahr wagen viele Headhunter keine Prognose oder rechnen sogar mit einem Minus in der Bilanz. Hubertus Graf Douglas, Deutschlandchef von Korn/Ferry, sagt: "Wir fliegen derzeit auf Sicht, eine Prognose ist seriöserweise nicht machbar." Christine Stimpel, Statthalterin von Heidrick&Struggles in Deutschland rechnet mit einem Umsatzrückgang von bis zu 30 Prozent. Um vorzubeugen, hat der börsennotierte Konzern im Januar weltweit zehn Prozent der Stellen abgebaut. Auch Zehnder rechnet mit Rückgängen, die aber laut einer Sprecherin nicht konkret abschätzbar sind. Das Unternehmen reagiert ebenfalls mit einer Reorganisation. In der Researchabteilung, die qualifizierte Kandidaten identifiziert, werde geringfügig abgebaut. Einen anderen Weg geht Klaus Hansen, Geschäftsführer bei Ray& Berndtson. So haben alle Mitarbeiter seinem Vorschlag zugestimmt, bei Bedarf in Kurzarbeit zu gehen. Rivale Russell Reynolds kürzt dagegen schon jetzt und trennt sich von zwei der achtzehn Berater.

Andere Rivalen reagieren auf die Krise mit der Schließung von Büros und mit dem Rückzug aus bestimmten Ländern. So ist Whitehead Mann in Deutschland mittlerweile nur noch mit einer Person vertreten. Auch vor Pleiten ist die Branche nicht mehr gefeit. Beispiel Smith & Jessen: Die international tätige Beratung für Finanzdienstleister litt schon seit Monaten unter Auftragsmangel und meldete Mitte März schließlich Insolvenz an. Schon einige Monate zuvor hatte die US-Beratung Whitney die Geschäftstätigkeit eingestellt. Besonders betroffen sind derzeit Personalberater, die in der Finanz- und Autoindustrie auf Kundensuche gehen. Dort bricht das Geschäft mit Suchen im mittleren Management weg. "Dieser Markt ist praktisch tot", sagt ein Headhunter. Autohersteller, die gerade Stellen abbauen, besetzen frei werdende Stellen fast immer intern. Manche Headhunter haben nach FTD-Informationen schon seit drei Monaten keinen Auftrag mehr erhalten.

Erschwert wird das Geschäft durch eine steigende Abneigung der Kandidaten gegen einen Wechsel. "Selbst bei höherem Gehalt sind die Kandidaten skeptisch", sagt ein Insider. Viele vertrauten den anfragenden Firmen nicht mehr.

Kaum von der Krise betroffen dagegen sind Personalberater, die Top-Positionen besetzen. Ein Grund: In den Chefetagen werden immer schneller Vorstände ausgetauscht. Die Wirtschaftskrise beflügelt diesen Trend: "Die Geduld der Aufsichtsräte mit ihren Managern nimmt rapide ab", sagt Headhunter Heiner Thorborg. Er rechnet dieses Jahr mit einem Rekordabschluss. Nicola Sievers von Inner Circle Consultants prognostiziert für ihre Firma ebenfalls steigende Umsätze. Wenig Grund zur Klage hat auch die viertgrößte deutsche Personalberatung Heads. Partner Christoph Netta: "Wir machen mehr Akquise, gehen von einer schwarzen Null aus."


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