Die Riester-Rente macht mal wieder Schlagzeilen. Zwischen 2005 und 2007 sollen rund 500 Mio. Euro an Zulagen ausgezahlt worden sein, ohne dass die Sparer darauf einen Anspruch hatten. Die Komplexität der Förderung scheint Verbraucher, Berater und sogar die Zulagenstelle zu überfordern. Die Anbieter müssen nun die Verträge aller betroffenen Kunden korrigieren. Ein Verwaltungsalbtraum für die Anbieter, ein Renditedesaster für die betroffenen Sparer, die im guten Glauben, endlich mal einen Haken hinter die private Altersvorsorge gemacht zu haben, nun die Ausbuchung von Teilen ihres Altersvorsorgekapitals hinnehmen müssen. Für Betroffene stellt sich die Frage, ob die Anbieter sich an dieser Misere durch falsche Beratung mitschuldig gemacht haben. Da Finanzberater in der Regel Abschluss- und Bestandsprovisionen für den Verkauf eines Riester-Vertrags erhalten, müssen sie auch nach Vertragsabschluss Beratungspflichten erfüllen. Ersatzforderungen sind denkbar, hängen aber vom Einzelfall ab. Bis alle Konten korrigiert und alle Sparer informiert sind, dürften noch einige Wochen vergehen. Das Zulagenchaos ist aber nicht das erste Problem im Markt der Riester-Rente. Verbraucherschützer haben darauf seit Langem hingewiesen. Hier ist ein Überblick über die Probleme:
Erstens: Altersvorsorgeprodukte werden vorbei am Bedarf der Verbraucher verkauft, das wissen wir aus unseren täglichen Beratungen, in denen Verbraucher uns Angebote zur Bewertung vorlegen. Zweitens: Skandalöse Vertriebsmethoden beherrschen teilweise die Finanzbetriebe, es kam dabei zu gezielten Umdeckungen von bestehenden Verträgen in provisionsträchtigere Produkte. Drittens: Die Kosten überschreiten in vielen Fällen die Zulagen, dazu genügt ein Blick in die Jahresabrechnung des Versicherers. Viertens: Stornokosten der Anbieter behindern den Vertragswechsel und den Wettbewerb. Wer zu einem besseren Anbieter wechseln will, wird nur mit Stornokosten aus seinem Altvertrag entlassen. Fünftens: Die unscheinbarste aller Kostenfallen ist die Lebenserwartung. Denn zwischen 20 und 30 Prozent des Kapitals werden bei Riester-Sparplänen zur Finanzierung einer Rente ab dem 85. Lebensjahr verwendet. Die Wette auf ein langes Leben läuft also immer mit. Sterben die Versicherten früher als kalkuliert, entstehen sogenannte Sterblichkeitsgewinne. Die Versicherer verdienen kräftig an diesen Überschüssen, denn sie dürfen diese zu einem großen Teil als Gewinn einstecken. Sechstens: Ein Gutachten zur Riester-Rente kam zu dem Ergebnis, dass die Situation von Sparern, die einen guten Riester-Vertrag suchen, einem Glücksspiel gleicht, selbst wenn sie sich um alle relevanten Informationen bemühten.
Angesichts all dieser Probleme fragen sich viele Sparer, ob sie sich überhaupt auf die Riester-Rente einlassen sollen. Die Alternative ist für alle, die sich gern mit ihren Finanzen beschäftigen, verlockend: keine Zulagen- und Steuerbürokratie, keine gezinkte Wette auf ein langes Leben, die freie Wahl passender Produkte und die jederzeitige Flexibilität über die Anlagesumme. Allenfalls Geringverdiener, die hohe Zulagen erhalten, sollten trotz der Probleme eine passende Riester-Rente mitnehmen. Für alle anderen gilt: Altersvorsorge funktioniert auch ohne Riester. Wichtig dabei: Diversifikation über verschiedene Anlageklassen und günstige Produkte.
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