Nauhauser

Niels Nauhauser Top-Fonds oder Flop-Fonds?

[10:45, 22.02.12]




Niels Nauhauser ist Referent für Altersvorsorge, Banken und Kredite bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg in Stuttgart.

In BÖRSE ONLINE setzt sich der Finanzexperte und Verbraucherschützer kritisch mit neuen Trends und Produkten am Kapitalmarkt auseinander.
E-Mail: perspektiven@boerse-online.de


Kennen Sie noch den Löwen-Aktienfonds von DWS? Er führte die Liste der Kategorie „beste Aktienfonds Welt“ der Januar-Ausgabe von „Finanztest“ im Jahr 2004 an. Dieser Liste nach war er der beste von 167 Fonds. Sagt Ihnen der Univalue-Fonds: Global noch etwas? Er führte die Rennliste im Januar 2007 an. Sowohl in der Fachpresse als auch in Anlegerzeitschriften werden häufig Fonds empfohlen, die in Ratings besonders herausragen. Auch die freundlichen Berater in den Banken empfehlen natürlich nur die besten Fonds. So heißt es bei der Targobank „Wir bieten Ihnen einen unabhängigen Fondsauswahlprozess“ und „Anlagevorschläge basierend auf Analysen von Feri Institutional Advisors GmbH“. Aber was ist eigentlich aus den einstigen Top-Fonds geworden?

Nehmen wir eine Stichprobe: Die jeweilige Januar-Ausgabe von „Finanztest“ seit 2004 kürt insgesamt neun Fonds zum besten in der Kategorie „Aktienfonds Welt“. Wie schneiden diese im Vergleich zum Index MSCI World ab? Ergebnis: Sieben der neun Fonds konnten mit der Indexentwicklung nicht mithalten. Nur zwei konnten ihn schlagen – und das übrigens nicht einmal besonders eindrucksvoll. Einzelfälle? Kann man mit Ratings wirklich keine Fonds finden, die den Index über längere Zeit schlagen? Diese Frage hat schon viele Wissenschaftler auf der Welt beschäftigt. Und deren Ergebnisse sind eindeutig. Es funktioniert nicht. Jeder kann das nachlesen. Suchen Sie doch mal „mutual funds performance“ in der SSRN eLibrary auf Papers.ssrn.com. Dort finden Sie dann übrigens auch einen Aufsatz über das Rating von „Finanztest“ von Sebastian Müller und Martin Weber. Auch mit gut bewerteten Fonds wird man den Index auf Dauer höchstwahrscheinlich nicht schlagen können. Eines muss man den Ratings aber zugestehen: Zumindest auf Sicht von Monaten und wenigen Jahren schnitten Top-Fonds besser ab als Flop-Fonds, wenngleich beide meistens unter dem jeweiligen Index lagen.

Übrigens heißt der jüngste in unserer Stichprobe SKAG Global Growth, ein Fonds mit einer beeindruckenden Wertentwicklung in den vergangenen drei Jahren: rund 40 Prozentpunkte plus gegenüber dem Index. Diese Zahl lügt doch nicht, mag mancher einwenden. Richtig. Wir entscheiden aber zukunftsgerichtet und vertrauen besser den vielen Zeitreihen, die Wissenschaftler untersucht haben. In einer dieser Untersuchungen wurde einem besonderen Phänomen der bezeichnende Name „Kiss of Death“ gegeben. Man konnte beobachten, dass von Morningstar mit fünf Sternen ausgezeichnete Fonds nach der Auszeichnung oft hohe Mittelzuflüsse verbuchten. In den darauffolgenden drei Jahren sank die Performance dieser Fonds, und ihr Risiko nahm zu. Angesichts dieser Erkenntnisse muss man sich doch die Frage stellen, warum Ratings trotzdem so verbreitet sind. Nun, Anbieter von Ratings verkaufen ihre Bewertungen gegen Honorar, wohl wissend, wie gut oder schlecht ihre Ratings zur Prognose taugen. Finanzberater können Top-Fonds besser verkaufen als Flop-Fonds, sind also dankbare Kunden von Ratings. Und die Medien wiederum sind ständig auf neue Geschichten angewiesen. Da liefern Ratings mit zuverlässiger Regelmäßigkeit neuen Stoff. Das Geschäft mit den Ratings mag lukrativ sein. Aber es funktioniert nicht mehr, sobald die Kunden wissen, dass man ihnen ein X für ein U vormacht.

 

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© 2012 boerse-online.de, © Illustration: Maks Richter

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