Der ehemalige Regierungsberater Bert Rürup hat sich gegen eine Ampel-Kennzeichnung von Finanzprodukten ausgesprochen. „Ich halte die Ampel-Systematik für völlig untauglich“, sagte Rürup im einem Interview, das in der morgigen Ausgabe von BÖRSE ONLINE erscheint.
Altersvorsorge müsse auf individuelle Bedürfnisse zugeschnitten werden, sagte Rürup weiter. „Was für einen verheirateten Facharbeiter ohne Kinder die richtige Lösung ist, kann für die allein erziehende Verkäuferin die falsche sein“, erklärte der ehemalige Professor, der seit April als Chefökonom für den Finanzvertrieb
AWD arbeitet.
Die SPD, deren Mitglied Rürup ist, will eine solche Ampel-Kennzeichnung einführen. Barbara Hendricks, Schatten-Verbraucherschutzministerin im Team des Kanzlerkandidaten Walter Steinmeier, hatte diese Forderung am Dienstag bekräftigt. „Wir wollen, dass für jedes Finanzprodukt anhand der Farben rot, gelb und grün auf den ersten Blick deutlich wird, welche Risiken bestehen“, sagte Hendricks.
Die Verbraucherzentrale Hamburg hat bereits solch einen Ampel-Check herausgegeben, musste allerdings jüngst den Vertrieb der Broschüre stoppen. Der Versicherer Debeka hatte eine einstweilige Verfügung erwirkt, weil fast alle Versicherungen als ungeeignet für die Altersvorsorge bezeichnet wurden. Am kommenden Donnerstag findet dazu eine mündliche Verhandlung vor dem Landgericht Berlin statt. Ein Urteil zu diesem Termin gilt als unwahrscheinlich.
Zur Rürup-Rente heißt es in der Broschüre, sie sei allenfalls bei Einmalzahlungen zu Rentenbeginn für die Vorsorge geeignet. Bert Rürup - er hatte die Regierungskommission geleitet, die die Einführung dieser staatlich geförderten Altersvorsorge empfahl - verteidigte in dem Interview die nach ihm benannte Rente. „Für nicht wenige ist die Rürup-Rente die einzige Möglichkeit, mit staatlicher Unterstützung Altersvorsorge zu betreiben.“ Insbesondere Selbstständige und Besserverdienende könnten davon profitieren.
Rürup kritisiert die nach ihm benannte Rente
Allerdings gebe es auch Schwächen dieser staatlich geförderten privaten Altersvorsorge. So forderte Rürup eine gesetzliche Regel, wonach „in allen Fällen die eingezahlten Beiträge zum Auszahlungszeitpunkt garantiert“ sein sollten. Bei der Riester-Rente gilt bereits diese sogenannte Kapitalgarantie.
Gleich ist bei beiden Rentenarten, dass die Einzahlungen aus dem Bruttoeinkommen erfolgen und die Auszahlungen im Alter versteuert werden. Mit Blick auf die Rürup-Rente liegt hier ein weiterer Kritikpunkt Rürups: Nach seiner Ansicht wird von Finanzberatern auf die spätere Besteuerung zu wenig hingewiesen. „Da der Steuerspartrieb der Deutschen ausgeprägter als ihr Sexualtrieb ist, wird nicht selten die Steuerfreiheit der Einzahlungen stärker betont als die Besteuerung der Renten.“
Rürup arbeitet seit April für den
AWD. Zuvor war er als Volkswirtschaftsprofessor an der Uni Darmstadt emeritiert. Er beriet jahrzehntelang die Bundesregierung und war unter anderem Vorsitzender des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung; dessen Mitglieder sind auch als die fünf Wirtschaftsweisen bekannt.
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