Verbraucherschützer prangern überteuerte Riester-Verträge an. In vielen Fällen seien die Vertragskosten höher als die staatlichen Zulagen. Die Politik müsse darauf reagieren und Kostenobergrenzen festlegen.

Wenn Vater Staat vergebens zahlt: Bei vielen Riester-Verträgen bleibt vom erhofften Zuschuss nicht mehr viel übrig.
Staatliche Zulagen, Steuerervergünstigungen und Kapitalerhaltsgarantien sollen die private Vorsorge mit Riester besonders für Geringverdiener interessant machen. Wie der Arbeitnehmer seine Sparraten und staatliche Zulagen anlegt, kann er selbst entscheiden. Banken und freie Vermittler bieten unter anderem Banksparpläne, Versicherungsverträge und Fondssparpläne.
Die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg kritisiert jetzt die Produkte der Banken und Versicherungen. Viele der angebotenen Produkte seien überteuert. Die Verbraucherschützer berichten, dass in der Beratungspraxis häufig Verträge auftauchen, bei denen die Kosten der Verträge die staatlichen Zulagen auffressen. „Die Zulagen kommen in der Masse nicht der Altersvorsorge zugute“, sagt Niels Nauhauser, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg.
Die Kosten eines Vertrags können über die gesamte Laufzeit dreimal so hoch sein wie die staatliche Förderung. Das macht sich besonders beim Anbieterwechsel unangenehm bemerkbar. Bei vielen Verträgen riskieren Riester-Sparer, die ihren Anbieter wechseln, den Großteil der eingezahlten Beträge zu verlieren. Ein besonders heftiges Beispiel aus der Beratung der Verbraucherzentralen: Ein Riester-Sparer hatte nach drei Jahren seinen Riesteranbieter gewechselt. Bis zum Wechsel hatte er 1235 Euro an Sparbeiträgen und Zulagen angesammelt. Nach der Kündigung überwies ihm sein Riesteranbieter gerade einmal 150 Euro – der Rest des Geldes war für Provisionszahlungen an den Vertrieb und für andere Kosten draufgegangen.
Die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg fordert deshalb, dass die Politik gegen teure Riesterverträge bei der staatlichen Altersvorsorge vorgeht. Die Forderungen der Verbraucherschützer werden den Banken und Finanzvermittlern wenig gefallen. So wollen die Verbraucherschützer, dass für den Verkauf von Produkten im Bereich Altersvorsorge keine Provisionen mehr fließen dürfen und dass auch staatliche Anbieter günstige alternative Riesterprodukte anbieten. Ein Beispiel hierfür könnten Bundesschatzbriefe oder die neue Tagesanleihe des Bundes sein, die mit Tagesgeldkonten konkurriert. Außerdem sollen künftig Obergrenzen für die Kostenbelastung beim Produktwechsel gelten – 25 Prozent lautet hier der Vorschlag.
Die Riester-Zuschüsse könnten auch automatisch kommen
Ein weiteres Riester-Ärgernis aus Sicht der Verbraucherschützer: Viele Riester-Sparer beantragen ihre staatlichen Zulagen für den Riester-Vertrag nicht. Im Herbst 2007 hatte jeder vierte Riester-Sparer die Zulagen für 2006 noch nicht beantragt. „Die Frage ist, warum die Zulage überhaupt beantragt werden muss“, sagt Finanzexperte Nauhauser. Genauso gut könnten die staatlichen Zuschüsse automatisch gutgeschrieben werden. „Die Abgeltungssteuer wird künftig schließlich auch ohne Zutun der Sparer bei der Bank eingezogen“, so Naushauser.
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