Altersvorsorge

Altersvorsorge Mitgenommene Armut

[14:23, 03.09.10]


Die Deutschen fühlen sich zu arm für die private Vorsorge. Ein Drittel sorgt nicht fürs Alter vor. Der Grund ist schlicht Geldmangel.


Diesen Schluss legt eine aktuelle Studie nahe, die das Institut für Management- und Wirtschaftsforschung (IMWF) im Auftrag der Hannoverschen Leben erstellt hat.

Das Institut befragte Anfang Juli via Internet 1002 repräsentativ ausgewählte Personen im Alter zwischen 18 und 60 Jahren. Davon gaben mehr als ein Drittel (35 Prozent) an, keine private Vorsorge fürs Alter getroffen zu haben.

Die Ergebnisse zeigen, dass die Vorsorgebereitschaft mit dem Vermögen wächst. Bei einem Haushaltsnettoeinkommen von unter 1000 Euro sorgen nur 28 Prozent der Befragten vor. Zwischen 2000 und 3000 Euro sind es dann schon gut drei Viertel. Von denen, die keine Altersabsicherung betreiben, gaben denn auch 71 Prozent das fehlende Geld als Grund an.

Die Zahlen zeigen große Unterschiede zwischen Frauen und Männern und den verschiedenen Altersgruppen. Über 71 Prozent der befragten Männer gaben an, privat fürs Alter vorgesorgt zu haben, jedoch nur gut 58 Prozent der Frauen. Besonders sparfreudig sind laut der Studie die Menschen in Bayern (69 Prozent) und Brandenburg (77 Prozent). Vorsorgemuffel sind dagegen die Berliner (43 Prozent).

Für die jüngste Altergruppe, die 18- bis 24-Jährigen, ist Vorsorge meist noch Zukunftsmusik, nur rund 42 Prozent von ihnen sorgen vor. Doch schon in der Gruppe der 25- bis 34-jährigen springt der Anteil der Verantwortungsbewussten auf 70 Prozent und bleibt auch bei den Älteren nahezu auf diesem Niveau.

Zu schlecht informiert (19 Prozent) oder schlecht beraten (acht Prozent) fühlen sich eher wenige. Allerdings gaben die Jüngeren häufiger an, dass sie noch nicht gut genug informiert seien. In der Altersgruppe zwischen 55 und 60 sind es dann fast nur die Finanzen, die den Ausschlag geben (86 Prozent).

Viele Menschen sehen sich trotz staatlicher Förderung nicht in der Lage, etwas auf die Seite zu legen – obwohl sie sich der Notwendigkeit offenbar bewusst sind. Denn insgesamt sprachen nur gut fünf Prozent davon, keine Altersvorsorge zu benötigen. Grund dafür könnte die Unsicherheit der Menschen über ihren Vorsorgebedarf sein. „Die meisten Deutschen kennen ihre Vorsorgelücke nicht“, sagt Christian Bielefeld, Vertriebsvorstand der Hannoverschen Leben. „Fehlendes Geld und unzureichende Information greifen hier ineinander.“ Das müsse durch bessere Information geändert werden. Vorsorge sei auch mit kleinen Beträgen schon möglich, so Bielefeld.

Früh mit der Vorsorge beginnen – das ist das Ideal. Die Studie legt jedoch nahe, dass die Berater junge Leute nicht erreichen. Für Ältere könnte es dann schon zu spät sein. Das Problem ist nicht neu: Erst kürzlich hatte die Bundesregierung verlauten lassen, im nächsten Jahr eine Kommission gegen Altersarmut einberufen zu wollen.


 

© 2010 ftd, © Illustration: Image Source

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