Eine Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) bemängelte die Transparenz von Riesterprodukten. Boerse-Online hat mit Peter Schwark, Geschäftsführer des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft, gesprochen.

BO: Seit Erscheinen einer Studie zur Transparenz von Riesterverträgen diskutieren Produktanbieter verstärkt Anforderungen an ein Produktinformationsblatt. Wie positionieren sich die Versicherer in dieser Hinsicht?
Peter Schwark: Die Versicherungswirtschaft begrüßt die Vorschläge für verbesserte Produktinformationsblätter für Riester- und Basisrentenverträge. Dem Verbraucher wird damit ein anbieterübergreifender Produktvergleich erleichtert. Im Sinne des Kunden muss aber sichergestellt werden, dass die geforderte Vergleichbarkeit und Transparenz für alle Riester- und Basisrenten-Produkte gleichermaßen gilt. Denn unterschiedliche Anforderungen an die Produkte helfen dem Kunden nicht bei seiner Entscheidung.
BO: Das klingt, als sei mit vielen Seiten Papier zu rechnen.
Schwark: Gerade das soll vermieden werden. Die in dem Blatt aufzunehmenden Informationen sollten für den durchschnittlichen Verbraucher verständlich sein. Das Produktinformationsblatt darf daher nicht überfrachtet werden.
BO: Was sollte es mindestens enthalten?
Schwark: Aus unserer Sicht sollte sich ein Produktinformationsblatt nicht nur auf Aspekte wie Kosten und Risiken konzentrieren, sondern auch die positiven Aspekte wie Leistungen und Garantien nennen. Ich sehe es daher positiv, dass auch die ZEW-Studie dies vorschlägt.
BO: Werden die einzelnen Riesterprodukte auf diese Weise wirklich vergleichbar?
Schwark: Die Kostenstrukturen der einzelnen Altersvorsorge-Produkte differieren sehr stark. Sie können direkt, indirekt oder optional eingerechnet werden. Es ist daher praktisch nicht möglich, eine produktneutrale Kostenquote zu entwickeln. Erst in der Kombination mit der Leistungsangabe kann eine echte Vergleichbarkeit erreicht werden.

Peter Schwark, GDV
BO: Was heißt das genau?
Schwark: Ich gebe Ihnen ein Beispiel: Ein Sparplan ohne explizite Kosten muss langfristig nicht besser sein als ein Produkt, bei dem Kosten explizit ausgewiesen werden. Wenn die Sparplanverzinsung im aktuellen Marktumfeld bei 1,85 Prozent liegt und die expliziten Kosten bei null, so käme man bei diesem Produkt auf eine Wertentwicklung nach allen Kosten von 1,85 Prozent. Ein anderes Produkt mit einer Nettoverzinsung von 4,2 Prozent und einer Gesamtkostenquote von 0,8 Prozent läge im Vergleich bei einer langfristigen Wertentwicklung nach allen Kosten in Höhe von 3,4 Prozent. Eine reine Kostenangabe könnte demnach beim Vergleich unterschiedlicher Produkttypen das schlechtere Produkt günstiger aussehen lassen.
BO: Dennoch hält sich das Gerücht, Riesterverträge seien vergleichsweise teuer, recht hartnäckig.
Schwark: Bei Riester geht es um Altersvorsorge, die in der Regel nicht über zehn, sondern über 20 bis 30 Jahre aufgebaut wird. Gerade in der langen Frist sind klassische Versicherungen im Vergleich zu anderen langfristig abgeschlossenen Produkten deutlich günstiger. Das hat auch das ZEW bestätigt.
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