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Finanzberatung Unflexibel und riskant

[12:44, 23.04.10]


Viele Finanzberater in Baden-Württemberg verkaufen Kunden die falschen Produkte. Das ergab eine Studie der dortigen Verbraucherzentrale. Zuvor hatten Vermittler Fehler von Verbraucherschützern gerügt.


Die Verbraucherzentrale hatte 121 Fälle ausgewertet, bei denen sich Kunden hilfesuchend an die Verbraucherschützer gewandt hatten. Ergebnis laut Studie: In der Mehrzahl der Fälle waren die zuvor empfohlenen oder tatsächlich verkauften Produkte nicht bedarfsgerecht. Wenn es um reine Angebote zur Geldanlage ging, zielten laut Auswertung 95 Prozent aller Offerten am Bedarf vorbei. Mögliche Produkt-Kriterien für dieses Urteil: zu unflexibel, zu riskant, zu intransparent, zu teuer. Kamen die Ratsuchenden mit bestehenden Verträgen, waren diese – nach denselben Kriterien beurteilt – zu gut der Hälfte nicht bedarfsgerecht.

Nach Angaben von Niels Nauhauser, Experte der Verbraucherzentrale, fallen insbesondere viele Versicherungspolicen durch das Raster. Zwar seien diese Kontrakte nicht prinzipiell für die Geldanlage und Altersvorsorge ungeeignet, doch wegen ihrer Unflexibilität oftmals fragwürdig. So falle mehr als die Hälfte aller gut 500 vorgelegten Verträge in diese Kategorie, da die Kosten üblicherweise zu Vertragsbeginn abgezogen werden. "Wird der Kontrakt vorzeitig gekündigt, verliert der Verbraucher dieses Geld."

Laut Nauhauser gibt die Studie zwar keine definitive Auskunft darüber, welche Gruppe von Finanzvermittlern besonders schlecht berate. „Es gibt aber gewisse Hinweise darauf, dass die Banken immer noch besser sind als die Strukturvertriebe, namentlich die Firmen  MLP,  AWD und DVAG.“ Hier liege die Zahl „haarsträubender Fälle“ höher. So seien einem Ehepaar sage und schreibe zwölf Versicherungspolicen zur Geldanlage verkauft worden, was die beiden in erhebliche finanzielle Nöte gebracht habe.

Nauhauser betont, dass die Auswertung keine Retourkutsche gegenüber den Finanzvermittlern sei. Anfang der Woche hatte der AfW- Bundesverband Finanzdienstleistung gemeinsam mit der Finanzzeitschrift „Procontra“ einen Test von Verbraucherzentralen vorgestellt. Es hatten zehn Testgespräche über kostenpflichtige Hotlines der Verbraucherschützer in Berlin und Nordrhein-Westfalen stattgefunden. Eines der Resultate: Bei mehreren Telefonaten seien die persönlichen Umstände der Ratsuchenden nicht abgefragt worden. AfW-Vorstand Norman Wirth forderte daraufhin, die Verbraucherzentralen sollten „endlich auch die Qualitätskriterien einhalten, die sie selbst anmahnen“. Zur Untersuchung aus Baden-Württemberg sagte Wirth: „Ich gehe davon aus, dass unsere Mitglieder bedarfsgerecht beraten - Schwarze Schafe gibt es überall.“

Reaktion auf den Artikel


Online-Leserbrief von Christian Maertin,
Leiter Unternehmenskommunikation  MLP

"Beim gemeinsamen Streben nach mehr Qualität in der deutschen Finanzdienstleistungsbranche ist es aus meiner Sicht wenig zielführend, sich gegenseitig des Versagens zu beschuldigen. Vielmehr wäre zu begrüßen, wenn der Verbraucherschutz nicht alle Banken und Finanzvertriebe pauschal und undifferenziert verurteilen, sondern gemeinsam mit der Branche oder zumindest einzelnen Vertretern konkret und konstruktiv daran arbeiten würde, das Ziel einer noch kundenorientierteren Beratung zu erreichen.

Abgesehen davon, dass  MLP - anders als von Herrn Nauhauser behauptet - kein Strukturvertrieb ist, haben wir uns in den vergangenen Monaten so intensiv, wie wohl kaum ein anderer Finanzdienstleister für mehr Qualität und Transparenz eingesetzt. Der unabhängige Produktauswahlprozess, eine vollständige Offenlegung der Kosten in der Geldanlage oder die Ausbildung von MLP-Beratern zum Certified Financial Planner (CFP) setzen völlig neue Maßstäbe in der Branche. Darüber hinaus unterstützen wir jegliche Initiativen der Politik, die dazu beitragen, die Qualität und Professionalität in dieser Branche zu erhöhen. Ginge es nach  MLP, wäre für den Beruf des Finanz- und Vermögensberaters ein Studium analog dem zum Steuerberater oder Rechtsanwalt notwendig. Darüber hinaus unterstützen wir die Initiative von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble, die Vermittlung von Fonds zukünftig an strenge Vorgaben zu knüpfen. Dies sind die wirklich relevanten Themen, an deren Umsetzung Finanzdienstleistungsbranche und Verbraucherschutz gemeinsam und entschlossen arbeiten sollten."





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