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Neue Dienstleistungen Strategieschwenk der Unfallversicherer

[12:10, 03.01.12]

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Normalerweise zahlen Anbieter erst bei Invalidität, doch einige erweitern nun ihr Leistungsspektrum. Reha-Management direkt nach einem Unfall soll die Ausgaben senken und die Policen attraktiver machen.


Fahrradunfall

 Fahrradunfall

Immer mehr Unfallversicherer wollen nicht mehr nur passiver Zahler sein, sondern verunglückte Kunden bei der Organisation der medizinischen Behandlungen unterstützen. Bei neu abgeschlossenen Policen bieten einige Gesellschaften deshalb jetzt auch Reha-Management-Dienstleistungen an. Davon können auch die Kunden profitieren.

Bisher war Reha-Management vor allem eine Domäne der Kfz-Haftpflichtversicherer. Durch Kooperation mit speziellen Dienstleistern wie der Swiss-Re-Tochter ReIntra versuchen sie, der steigenden Ausgaben für Personenschäden Herr zu werden. Die Mitarbeiter der Dienste stehen oft schon zwei Tage nach dem Verkehrsunfall am Krankenbett des Verunglückten, erstellen eine Prognose über den Heilungsprozess und einen Plan für die Rehabilitation, damit er schnell wieder fit wird. Langfristiges Ziel ist es, die Unfallopfer wieder in Lohn und Brot zu bringen, damit der Versicherer Verdienstausfallzahlungen verringern kann.

Jetzt haben auch einige Unfallversicherer das Reha-Management für sich entdeckt. So hat die Signal Iduna ihr Spektrum an solchen Dienstleistungen stark erweitert. Das Neue: Verunglückte können die Leistungen auch dann in Anspruch nehmen, wenn noch gar nicht feststeht, ob sie einen bleibenden gesundheitlichen Schaden haben werden.

Ein Paradigmenwechsel findet statt

"Das ist ein kleiner Paradigmenwechsel", sagt Jochen Tenbieg, Abteilungsdirektor Unfall und Produktmanagement bei der Signal Iduna. Bei der Unfallversicherung alter Prägung habe sich der Anbieter passiv verhalten. Das heißt, der Versicherer trat erst dann in Aktion, wenn sich beim Kunden nach einem Ski- oder Verkehrsunfall eine bleibende Invalidität abzeichnete. "Jetzt geht es darum, den Kunden aktiv zu unterstützen", sagt Tenbieg.

Die Signal Iduna setzt mit ihren neuen Policen darauf, die Unfallfolgen so schnell und so weitgehend wie möglich zu lindern. Die Idee: Die gute Behandlung mindert den Grad der Invalidität oder verhindert sogar bleibende Schäden. Davon profitiert der Patient - und der Versicherer.

Weil kurz nach einem Unfall oft nicht klar ist, wie schwer die Verletzung ist, bietet die Signal Iduna das Reha-Management auch in Fällen an, die nicht zwangsläufig auf eine Invalidität hinauslaufen. Dazu gehört ein Bänderriss im Fuß. Neben einer Reihe von weiteren Verletzungen wie Oberschenkelhalsbruch, schweren Verbrennungen oder Schädel-Hirn-Schäden können Kunden das Reha-Management auch bei einem Krankenhausaufenthalt von mehr als zehn Tagen oder einer voraussichtlichen Invalidität von mindestens 20 Prozent in Anspruch nehmen.

Das leistet die Versicherung

Auf Wunsch des Kunden oder seiner Angehörigen schaltet der Versicherer dann das Ludwigshafener Unternehmen MD Medicus ein, bei dem mehr als 50 Ärzte tätig sind. Die Mediziner sollen den Patienten durch die verschiedenen Einrichtungen des Gesundheitswesens lotsen. Sie geben eine Zweitmeinung ab und helfen bei der Organisation der Behandlung und der Rehabilitation.

Daneben arbeitet die Signal Iduna mit den Kliniken der Berufsgenossenschaften zusammen. "Wir haben einen bestimmten Servicelevel vereinbart", sagt Tenbieg. Dazu gehöre, dass die Kliniken verunglückten Kunden innerhalb von fünf Tagen einen Termin für eine ambulante Untersuchung geben.

Auch Maßnahmen, die über die Wiederherstellung der Gesundheit hinausgehen, gehören zum Leistungsspektrum, etwa die Beratung für einen behindertengerechten Umbau der Wohnung oder die Kostenübernahme für berufliche Rehabilitation.

Andere Unfallversicherer setzen ebenfalls auf solche Dienstleistungen. Bei der neuen Risiko-Unfallversicherung der  Axa ist Reha-Management automatisch Bestandteil der Deckung. Die Rheinland-Versicherungen haben ein solches Angebot als optionalen Baustein im Programm.


 

© 2012 ftd.de, © Illustration: Pressebild

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