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Vermögensverwalter Handarbeit fürs Geld

[17:33, 29.07.09]


Christian Fischl weiß, was Anleger derzeit wünschen: „Ihr Vermögen erhalten.“ Es herrsche Unsicherheit, und Renditechancen seien längst nicht mehr das dominierende Thema, meint der Vermögensverwalter von der Münchner Investment Partners Group. Viele Anleger trauen dem Aufwärtstrend an der Börse noch nicht. Auch wenn der DAX in der vergangenen Woche die wichtige Marke von 5000 Punkten souverän genommen hat, ist weiterhin Vorsicht angesagt. So lautet der Tenor einer Umfrage, die BÖRSE ONLINE mit Unterstützung der V-Bank unter mehr als 40 freien Vermögensverwaltern durchgeführt hat. Zusammen verwalten sie ein Kapital von insgesamt 20 Milliarden Euro für ihre Kunden.


Dem Geschäft der Geldprofis schadet die verbreitete Skepsis freilich kaum. Die Vermögensverwalter profitieren vom erhöhten Misstrauen der Kunden gegenüber großen Banken. Und die Zahl der Anbieter wächst. So haben Kunden eine breite Auswahl, vom Einzelkämpfer bis hin zur alteingesessenen Privatbank. Mitten in der Krise verkünden zahlreiche kleine oder mittelgroße Vermögensverwalter gute Geschäftsergebnisse. Großen Geldhäusern laufen hingegen die Kunden davon. Mehr als die Hälfte der von BÖRSE ONLINE Befragten geben an, sowohl 2008 als auch in diesem Jahr neue Kunden gewonnen zu haben.

Anleihen von Unternehmen mit guter Bonität gefragt

Die Rezepte, mit denen die Krisengewinner ihrer Kundschaft die Sorgen um ihr Vermögen nehmen wollen, sind sich alles andere als ähnlich. Fast die Hälfte der Teilnehmer hält Anleihen von Unternehmen mit guter Bonität. Solche Investments versprechen einen hohen Grad an Sicherheit, bieten aber immer noch Renditen von mehr als drei Prozent. Anleger profitieren davon, dass Banken bei der Kreditvergabe an große Unternehmen sehr zurückhaltend sind. So liegt es für die Firmen nahe, sich Kapital bei liquiden Privatleuten zu holen – und das zu attraktiven Zinsen. Bei anderen Teilnehmern der Umfrage stehen ETFs auf Renten und Aktien auf der Einkaufsliste. Die Indexfonds rangieren knapp vor Festgeld, das sich trotz fallender Zinsen noch immer großer Beliebtheit erfreut. Dazu dürften vor allem die Einlagengarantie des Bundes sowie die niedrige Inflationsrate beitragen. Die sorgt dafür, dass Sparer immerhin noch Renditen von bis zu 2,5 Prozent einfahren können.

Gold als Beimischung derzeit nicht gefragt

Nur knapp jeder fünfte befragte Vermögensverwalter setzt auf Gold als Beimischung. „Inflation wird frühestens im kommenden Jahr ein Thema werden, derzeit haben wir eher deflationäre Tendenzen“, sagt Caroline Dannbacher von der Vermögensverwaltung Dr. Seibold am Tegernsee. Dannbacher gehört zu der kleinen Gruppe der Verwalter (13 Prozent), die diesen Sommer gute Chancen für steigende Aktienkurse sehen. Der aktuelle DAX-Stand scheint ihr recht zu geben. Allerdings erwartet auch sie keinen langfristigen Aufwärtstrend bis zum Ende des Jahres.

Vermögensverwaltung im „Do-it-yourself-Verfahren“

Stefanie Kühn ist – von Berufs wegen – überzeugt, dass Vermögensverwaltung auch im „Do-it-yourself-Verfahren“ funktioniert. Als Finanzplanerin zeigt sie ihren Kunden, wie das geht. „Wer sich als konservativer Anleger bezeichnet, ist in den vergangenen beiden Jahren mit Festgeld besser gefahren als mit einer konservativen Vermögensverwaltung, die zusätzliche Kosten verursacht hat.“ Kühn räumt aber ein, dass jeder, der nicht nur auf Festgeldanlagen setzt und sein Geld selber betreut, dafür Zeit braucht, sich regelmäßig mit den Märkten beschäftigen muss. Bei versierten Anlegern hat Kühn immer wieder festgestellt: „Viele haben ihre Finanzen auch nach Erfahrungen mit Vermögensverwaltern bald wieder selbst in die Hand genommen, und das mit gutem Erfolg.“ Gerade in Zeiten wie diesen, wo die Meinungen der Profis so weit auseinanderfallen wie derzeit, lohnt sich ein Selbstversuch.


 

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