Als erster Lebensversicherer senkt der Direkt-Anbieter Europa seine Ausschüttung für das kommende Jahr. Nach Angaben des Unternehmens hat das allerdings nichts mit der Finanzkrise zu tun.

Der Direktversicherer Europa will für das kommende Jahr nur noch eine Überschussbeteiligung von 5,0 Prozent bezahlen, sagte Unternehmenssprecher Daniel Pytiak gegenüber BÖRSE ONLINE. Im Vorjahr hatte der zur Continentale-Gruppe gehörende Anbieter noch 5,4 Prozent ausgewiesen. Hinzu kämen 2009 – wie 2008 auch – Schlussüberschuss-Anteile und Beteiligungen an den stillen Reserven, sagte Pytiak.
Bislang hatten zwei Versicherer ihre Ausschüttungen für 2009 genannt. Asstel, ebenfalls ein Direktversicherer, behält den Vorjahreswert von 4,6 Prozent bei. Hinzu kommen ebenfalls Schlussüberschuss-Anteile sowie Beteiligungen an den stillen Reserven, erklärte Sprecherin Martina Dier. Signal Iduna, Anbieter mit konventionellem Vertrieb, bezahlt wie im Vorjahr eine Überschussbeteiligung von 4,3 Prozent plus Schlussüberschuss-Anteile. Stille Reserven hat das Unternehmen nach eigenen Angaben derzeit nicht, deshalb können Kunden auch an nichts beteiligt werden.
Der Europa-Sprecher begründete die Absenkung mit dem niedrigeren Zinsniveau auf den weltweiten Kapitalmärkten. Die Finanzkrise habe bei der Entscheidung keine Rolle gespielt. Europa halte nur einen "niedrigen einstelligen Prozentsatz" seiner Kapitalanlagen in Aktien, "und diese Investments sind auch noch abgesichert". Pytiak betonte, Europa werde auch nach der Senkung aller Wahrscheinlichkeit nach einer der "ganz wenigen" Anbieter sein, der bei der Überschussbeteiligung eine Fünf vor der Komma habe.
Lebensversicherer schreiben bei klassischen Kapitallebens- und Rentenpolicen ihren Kunden eine jährliche Verzinsung gut. Dieser Wert bezieht sich auf den sogenannten Sparanteil der Prämien – also das, was nach Abzug der Kosten für Provision, Verwaltung und eventuellen Todesfallschutz übrig bleibt. In jedem Fall wird die Garantieverzinsung geleistet. Sie beläuft sich bei Neuverträgen auf 2,25 Prozent, bei älteren Policen auf bis zu 4,0 Prozent.
An den Kapitalerträgen beteiligt – falls vorhanden
Darüber hinaus werden Kunden an zusätzlich verdienten Kapitalerträgen beteiligt. Dies kann in verbindlicher Form erfolgen; dann spricht man von einer Überschussbeteiligung. Oder es werden Schlussüberschuss-Anteile offeriert. Diese können gekürzt werden oder ganz wegfallen, falls das Unternehmen bei Fälligkeit der Auszahlung in wirtschaftlichen Problemen steckt. Bei Renten-Policen entfallen diese Schlussüberschuss-Anteile komplett. Seit 2007 gibt es eine vierte Komponente, die Beteiligung an den stillen Reserven. Hier geht es um unrealisierte Kursgewinne in den Portfolios. Die Versicherer sind zu deren teilweiser Ausschüttung per Gesetz verpflichtet worden.
Der überwiegende Teil der deutschen Lebensversicherer nennt seine Ausschüttung für das kommende Jahr üblicherweise erst dann, wenn Marktführer
Allianz sich geäußert hat. Das ist traditionell Mitte Dezember der Fall. Für 2008 hatten die Kunden im Branchenschnitt eine Gesamtverszinsung von 4,34 Prozent gutgeschrieben bekommen. Es wird erwartet, dass dieser Wert für 2009 sinkt, weil die Kapitalanlagen vieler Firmen unter der Finanzkrise gelitten haben.
Aufsicht hat waches Auge auf die Ausschüttungen
Dem Vernehmen nach hat die Finanzaufsicht BaFin ein waches Auge auf die Ausschüttungen, damit sich kein Unternehmen im Zuge des Konkurrenzkampfes überfordert. Die Höhe der Ausschüttung gilt als wichtiges Argument im Versicherungsvertrieb. Die Behörde lässt sich zurzeit wöchentlich die Exponierung der Gesellschaften bei Aktien sowie kritischen Staats-, Bank- und Unternehmensanleihen melden. Aus dem Umfeld des Amtes ist zu hören, dass man bislang noch bei keinem Lebensversicherer in punkto Gesamtverzinsung interveniert habe. Behördensprecher Peter Abrahams wollte diese Meldungen nicht kommentieren. Nach seinen Worten ist es noch zu früh, sich zum Thema Überschussbeteiligung zu äußern. Derzeit laufe eine Umfrage unter den Anbietern, bei der unter anderem um die Ausschüttungspläne gehe. Asstel-Sprecherin Martina Dier berichtet, die Behörde habe keinen Druck ausgeübt, um eine niedrigere Verzinsung des Anbieters zu erreichen.
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