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Sebastian Bleser Rohstoffe gehorchen eigenen Volatilitäten

[10:00, 04.08.10]



Sebastian Bleser ist Zertifikateexperte bei der  Société Générale und betreut vor allem institutionelle Kunden in Deutschland und Österreich.

Für BÖRSE ONLINE schreibt Bleser regelmäßig über die aktuellen Trends auf den internationalen Wertpapier- und Derivatemärkten.



E-Mail: perspektiven@boerse-online.de


Die implizite Volatilität ist die für einen Basiswert zukünftig erwartete Schwankungsbreite. Sie wird anhand der Optionsprämien, die für diesen Basiswert gezahlt werden, hergeleitet. An Aktienmärkten ist zumeist zu beobachten, dass mit steigenden Kursen die implizite Volatilität abnimmt, während sie bei fallenden Kursen zunimmt. Bei vielen Rohstoffen ist dieses Verhältnis zwischen Kurs- und Volatilitätsbewegung nicht zu beobachten.

So legten beispielsweise im Mai 2010 sowohl der Goldpreis als auch dessen implizite Volatilität zu. Dies ist unter anderem damit zu begründen, dass viele Inves­toren dem starken Anstieg des Goldpreises nicht trauten und sich mit Put-Optionen gegen einen Einbruch ab­sicherten. Gold gehört eigentlich zu den Rohstoffen mit geringer Volatilität. Anders sieht es bei Rohöl aus. Durch die Fördermenge ist das Angebot an Rohöl begrenzt. Es kann jederzeit zu Störungen des Angebots, aber auch der Nachfrage kommen, sodass die Unsicherheit der Marktteilnehmer deutlich größer ist.

Ein weiterer Faktor, der auf Rohstoffe wirkt und bei Aktien nicht in diesem Ausmaß vorkommt, sind ­saisonale Effekte, die insbesondere durch das Wetter ­bestimmt werden. Die meisten Agrarrohstoffe sind Wettereinflüssen ausgesetzt. Die Abhängigkeit von Sonne, Wind und Regen führt so zu einer höheren Volatilität ­gegenüber anderen Rohstoffen, die dem Wetter weniger ausgesetzt sind. Die höchste Volatilität unter den Rohstoffen ist allerdings bei Industriemetallen zu beobachten. Hier gibt es gleich mehrere Risikofaktoren, die Kursschwankungen verursachen können. Wie bei Rohöl ist auch der Vorrat an Industriemetallen begrenzt. Hinzu kommt, dass Naturkatastrophen oder geopoli­tische Faktoren einen erheblichen Einfluss auf das ­Angebot haben können. Zudem ist die Nachfrage nach Industriemetallen alles andere als beständig. Das hat sich während der globalen Wirtschafts- und Finanzkrise mehr als deutlich gezeigt.

Wie können nun Anleger davon profitieren? Das einfachste und bekannteste Anlageprodukt, um sich Volati­lität zunutze zu machen, ist ein Discountzertifikat. Bei diesem Produkt wird der Basiswert gekauft und gleichzeitig eine Call-Option verkauft, wodurch eine Optionsprämie vereinnahmt wird, die einen Discount auf den ­eigentlichen Kurs der Aktie oder des Rohstoffs ermöglicht. Darüber hinaus bieten sich Hebelpapiere an, die im besonderen Maße von der Volatilität beeinflusst werden.

Mit Inline-Optionsscheinen beispielsweise bekommen Anleger einen Betrag von 10 Euro ausbezahlt, wenn weder ein oberes noch ein unteres K.o.-Level während der Laufzeit verletzt wird. Bei hoher Volatilität ist das Produkt besonders günstig zu erwerben, und die Renditen sind entsprechend hoch. Im Falle eines Volatilitätsrückgangs profitiert das Produkt ganz unmittelbar, weil dadurch auch die Wahrscheinlichkeit sinkt, dass eines der K.o.-Level verletzt wird.

 



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