Sebastian Bleser ist Zertifikateexperte bei der
Société Générale und betreut vor allem institutionelle Kunden in Deutschland und Österreich.
Für BÖRSE ONLINE schreibt Bleser regelmäßig über die aktuellen Trends auf den internationalen Wertpapier- und Derivatemärkten.
E-Mail: perspektiven@boerse-online.de
Von steigenden Notierungen bei Rohstoffen
können Anleger heute leicht profitieren.
Jeder Investor kann mit Indexzertifikaten auf
fast jeden gewünschten Rohstoff setzen.
Allerdings
drohen oft Rollverluste. Deshalb
sollten Rohstoffanleger den dahinterstehenden Mechanismus
verstehen.
Mit Ausnahme von Edelmetallen werden die meisten
Rohstoffe nicht physisch, sondern vor allem in Form von
Future-Kontrakten gehandelt. Diese Futures beinhalten
die Pflicht, eine bestimmte Menge eines Rohstoffs zu
einem vorab fixierten Termin und einem festgelegten
Preis kaufen beziehungsweise liefern zu müssen. Wer
den Rohstoff nicht tatsächlich geliefert bekommen
möchte, muss den Future vor Laufzeitende verkaufen
und in einen Future mit einer längeren Laufzeit wechseln.
Dieser Vorgang wird „rollen“ genannt.
Durch das Rollen entstehen besondere Chancen und
Gefahren. So existiert nicht nur ein Preis für einen Rohstoff,
sondern viele Preise, da an den Terminbörsen viele
verschiedene Future-Kontrakte gleichzeitig gehandelt
werden. Die einzelnen Kontrakte weichen vor allem bei
ihrer Fälligkeit voneinander ab. Für jede Laufzeit und
den entsprechenden Future ergibt sich ein individueller
Preis durch Angebot und Nachfrage.
Unbefristeten oder Open-End-Zertifikaten liegt in der
Regel die gleiche Mechanik zugrunde: Sie rollen stets auf
den jeweils nächstfälligen Kontrakt, indem sie einen Future
kurz vor Fälligkeit verkaufen und mit dem Erlös den
Kontrakt des Folgemonats kaufen. Der Grund: Dieser ist
am umsatzstärksten und weist damit die höchste Liquidität
auf. Der Preis des nächsten Kontrakts kann vom Preis
des aktuellen mitunter stark abweichen. Der Anleger
sieht sich dann mit zwei möglichen Szenarien konfrontiert:
Der zukünftige Kontrakt kann billiger sein als der
aktuelle, dann spricht man von „Backwardation“, oder
teurer sein, in der Fachsprache „Contango“ genannt. In
einer Contango-Situation können Rollverluste entstehen.
Eine Möglichkeit, diese Verluste zu minimieren, sind
sogenannte rolloptimierte Indizes und entsprechende
Zertifikate darauf. Diese Produkte beinhalten in der
Regel bestimmte Strategien, die eine dynamische Optimierung
des Rohstoffinvestments zum Ziel haben.
Dabei wird nicht immer automatisch in den jeweils
nächstfälligen Terminkontrakt gerollt, sondern es werden
auch Kontrakte mit einer längeren Laufzeit ausgewählt,
oder der Handel bei Volumenspitzen und damit
überproportionalen
Kurseinflüssen wird vermieden.
Denkbar ist auch eine marktneutrale Long/Short-
Strategie zur Vermeidung von Rollverlusten, bei der in
der Regel Contango verkauft und Backwardation gekauft
wird. Viele dieser Strategien weisen in Rückrechnungen
sehr überzeugende Ergebnisse vor und könnten auch
zukünftig
in der Lage sein, Rohstoffinvestments dauerhaft
zu optimieren.

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