Die Volatilität ist eine der wichtigsten Kennzahlen in der Finanzwelt. Sie beschreibt das Ausmaß der Schwankungen von Wertpapierkursen. Doch es gibt verschiedene Arten von Schwankungen. Es muss zwischen der historischen und der impliziten Volatilität unterschieden werden. Die historische Volatilität beschreibt die über einen bestimmten Zeitraum in der Vergangenheit aufgetretene prozentuale Schwankung eines Wertpapiers oder Index. Diese Ziffer gibt keinerlei Auskunft darüber, in welche Richtung sich die Kurse in der Zukunft bewegen werden. Die implizite Volatilität hingegen ist die von den Marktteilnehmern für einen bestimmten Zeitraum in der Zukunft erwartete Schwankung. Diese Kennzahl kann anhand des Preises von gehandelten Optionen oder Optionsscheinen abgeleitet werden und hat selbst wiederum einen maßgeblichen Einfluss auf die Höhe des Optionspreises.
So misst der VDAX-New, ein von der
Deutschen Börse berechneter Volatilitätsindex, die implizite Volatilität von „am Geld“ befindlichen DAX-Optionen mit einer Laufzeit von vier Wochen. Optionen sind dann „am Geld“, wenn der Kurs des Basiswerts mit dem Basispreis ganz oder nahezu übereinstimmt. In Zeiten stark fallender Kurse, wo die Gefahr eines Crashs droht, steigt die implizite Volatilität meist sprunghaft an. Während der Lehman-Krise im Herbst 2008 erreichte der VDAX-New Werte um 80 Prozent. Während der Griechenland-Krise im Mai 2010 stieg das Volatilitätsbarometer immerhin auf Werte über 40 Prozent. Die implizite Volatilität ist immer auch Barometer der Nervosität, also ein Gradmesser für das Maß der Unsicherheit an den Märkten.
Doch nach Volatilitätsanstiegen folgt immer auch eine Phase zurückgehender Volatilität. Wenn die Märkte sich beruhigen, flacht der Nervositätsindex ab. Die implizite Volatilität kehrt tendenziell immer wieder zu einem langjährigen Mittelwert zurück. Für den DAX liegt dieser Normalwert etwa zwischen 15 und 20 Prozent. Dieses häufig zu beobachtende Phänomen wird als „Mean-Reversion“ oder auf Deutsch „Rückkehr zum Mittelwert“ bezeichnet. Die Beobachtung dieses Verlaufs ist gerade deshalb wichtig, weil die Anlage in entsprechende Produkte dann am interessantesten ist, wenn die implizite Volatilität hoch ist oder zumindest oberhalb ihres langjährigen Mittels notiert.
Denn die Höhe der impliziten Volatilität hat einen bedeutenden Einfluss auf den Preis vieler Zertifikatetypen. Zum Beispiel bieten Discount-, Bonus-, Express- oder Korridorzertifikate vor allem dann die attraktivsten Konditionen, wenn die Volatilität hoch ist. Denn sie werden vom Emittenten mithilfe von Optionen konstruiert, welche je nach ihrer eingepreisten Volatilität einen sehr unterschiedlichen Wert annehmen können.
Aber auch bei den Hebelprodukten gibt es mittlerweile viele Konstruktionen, mit denen sich mit Volatilitätsentwicklungen Geld verdienen lässt. So profitieren zum Beispiel Inline-Optionsscheine besonders stark von fallenden Volatilitäten, während am Markt ebenfalls angebotene Korridor-Hit-Optionsscheine genau entgegengesetzt funktionieren und im Falle steigender Volatilitäten besonders überproportional zulegen.

Sebastian Bleser ist Zertifikateexperte bei der
Société Générale und betreut vor allem institutionelle Kunden in Deutschland und Österreich.
Für BÖRSE ONLINE schreibt Bleser regelmäßig über die aktuellen Trends auf den internationalen Wertpapier- und Derivatemärkten.
E-Mail: perspektiven@boerse-online.de
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