Christian Grabbe ist als Derivatespezialist bei der Münchner
Wertpapierhandelsbank Baader verantwortlich für alle Derivategeschäfte.
In BÖRSE ONLINE schreibt der von den Emittenten unabhängige
Experte über die Trends und Entwicklungen am deutschen
Zertifikatemarkt.
Das Auf und Ab an den weltweiten Aktienbörsen verlangt starke Nerven. Die in der Kursrally von März bis Mai 2009 geweckte Fantasie erfuhr im Juni einen deutlichen Dämpfer.
Zu verschieden sind die vielen Meldungen aus der Wirtschaft, als dass sie ein klares Zukunftsbild erlaubten. Und doch scheint der Juni eine gewisse Bodenbildung gebracht zu haben. Dass die Aktienkurse dennoch korrigierten, lag wohl an einer eher unrealistischen Erwartung der zukünftigen Entwicklung. Denn selbst nach einer Bodenbildung wird es Jahre dauern, bis die Weltwirtschaft wieder mit Bruttoinlandsprodukten wie 2007 glänzen kann. Bis dahin ist von einem intensiven Verdrängungswettbewerb auszugehen, in dem manches Unternehmen auf der Strecke bleiben wird. Insbesondere junge Firmen mit einem hohen Anteil an Fremdkapital gehören zur bedrohten Spezies. Aber auch den Platzhirschen droht Ungemach, sollten sie ihre betriebswirtschaftlichen Aufgaben nicht beherzt angehen. Einmal mehr machen dies die US-Firmen vor, die in der Bereinigung ihrer Bilanzen und Kapazitäten deutlich aktiver sind als mancher Wettbewerber hierzulande.
Da mit Aktien in den kommenden Monaten nur wenig Geld zu verdienen ist, setzen Anleger wieder vermehrt auf Zertifikate. Insbesondere die Renditeoptimierer wie Discount und Bonus sind gefragt. Das Verhalten ist richtig und entspricht im Wesentlichen unserer Empfehlung. Dabei halten wir vor allem an den Bonuszertifikaten fest. Anleger sollten aber sehr konservativ bei der Auswahl der Barrieren vorgehen. Diese gehören auf das Niveau der vergangenen Tiefstkurse, um ausreichend Puffer für temporäre Schwächen der Aktienmärkte zu haben. Wichtig sind in diesem Zusammenhang auch die Laufzeiten der gewählten Zertifikate. Das Risiko nimmt überproportional zu, je weiter das Datum der Endfälligkeit gesetzt wird. Realistisch sind Vorhersagen schon über einen Zeitraum von sechs bis zwölf Monaten nur schwer zu treffen. Geht es darüber hinaus, begibt man sich auf unkalkulierbares Terrain!
Auffällig sind die aktuell hohen Umsätze bei Zertifikaten auf Rohstoffe. Diese haben zum Teil deutlich mehr im Kurs eingebüßt als die Aktienmärkte. Folglich wittern Investoren auch das größte Potenzial bei einer Erholung. Und ein steigender Ölpreis scheint für viele sicherer in der Vorhersage als ein steigender Dax. Anleger sollten dabei aber berücksichtigen, dass Rohstoffe in Dollar notieren. Folglich kann ein schwächelnder Dollar mögliche Gewinne belasten. Insgesamt ist in den vergangenen Wochen zu beobachten, dass mit der Hoffnung auf ein Ende der Krise der Greenback zur Schwäche neigt, dagegen negative Konjunkturdaten ihn eher beflügeln. Sogenannte Quanto-Zertifikate bieten Abhilfe. Die hierbei erzielten Kursgewinne des Basiswerts werden eins zu eins in Euro umgerechnet. Dadurch können Anleger sich auf das Rohstoffengagement konzentrieren und die Währungseinflüsse ignorieren.

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