Zertifikate galten nach dem Sündenfall
Lehman
als aussterbende Spezies. Viele Medien und
Journalisten hofften, in den bei Anlegern bis
dahin so beliebten Derivaten den Buhmann für
die Finanzkrise gefunden zu haben. Und viele
dieser Mahner zeigen sich bis heute unbelehrbar, wettern
noch immer bei jeder Gelegenheit gegen Bonus, Discount
und Co. Doch Totgesagte leben länger. Die Anleger
haben sich längst der Möglichkeiten der Produkte
bedient.
Die Umsätze bei Zertifikaten sind wieder auf
hohem Niveau, die Summe der Anlegergelder bewegt
sich wieder rasant auf Rekordstände zu.
Auffällig dabei ist, dass der Primärmarkt, der Emissionsmarkt,
dieser Entwicklung komplett nachläuft. Die
Zuwächse sind im Sekundärmarkt, im Handel bereits
emittierter Produkte, zu finden. Vieles spricht für eine
Investorengruppe, die sich als Selbstentscheider versteht
und nicht die Unterstützung von Beratern oder Vertrieblern
beansprucht. Diese Investoren nehmen ihr Glück
selbst in die Hand – und haben an der positiven Entwicklung
der Kapitalmärkte in den ersten vier Monaten des
neuen Jahres teilgenommen. Gerade in unsicheren Zeiten
sind Garantieprodukte und Zertifikate mit Risikopuffer
beliebt und sinnvoll. Es lässt sich vorzüglich mittels
Derivaten auf fallende Kurse spekulieren und absichern.
Die gestiegene Volatilität kommt den Anlegern dabei
recht, erhöht sie doch bei vielen Produkten die Renditen.
Im Vordergrund des Interesses stehen Produkte auf
Aktienindizes, der DAX führt dabei das Feld an. Das ist
in Zeiten hoher Marktschwankungen nicht verwunderlich.
Die Konzentration auf Einzelwerte nimmt erfahrungsgemäß
erst dann wieder zu, wenn sich der Gesamtmarkt
beruhigt hat und selektiv Einzelwerten
Nachholpotenzial zugetraut wird. Übrigens: Indizes
können
eine sehr schnelle und einfache Form der Verlagerung
von Kapital in andere Währungen darstellen!
Anleger sollten dabei aber auf die Dividendenzahlungen
achten. Immerhin befinden wir uns mitten in der
Saison der Hauptversammlungen. Nicht alle Indizes
reinvestieren die Dividende wie der DAX als Performanceindex.
Bei vielen Kursindizes entfällt die Aktionärsvergütung
und führt bei den Zertifikaten zwangsläufig
zu einem anteiligen Kapitalverlust. Die oftmals
nur mit Anglizismen versehenen Unterscheidungen
geben die notwendige Hilfestellung: „Total Return“ steht
für die Berücksichtigung aller Erträge, „Excessive
Return“
dagegen unterschlägt die Dividende.
Bei Renditeoptimierern auf Einzelwerte spielt das
keine Rolle. Die Dividenden wurden in der Konstruktion
umgewandelt und sorgen für die gewünschten Auszahlungsprofile.
Entgehen tut die Dividende somit keinem.
Aber beachten sollte man sie trotzdem. Immerhin
kommt eine Aktie ex Dividende um den Betrag der Ausschüttung
näher an eventuelle Barrieren heran. Dieses
Risiko sollte schon bei der Auswahl von Barrieren berücksichtigt
werden!
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