Eine deutliche Zäsur hat der Markt für Zertifikate
erlebt. Viele Anleger mussten nicht nur feststellen,
dass ein Teilschutz mit Barrieren nicht mit
einer Garantie zu verwechseln ist. Etliche
Berater
und Investoren mussten nicht nur
begreifen,
dass ein Zertifikat eine Schuldverschreibung
und kein Sondervermögen ist. Auch der eisige Wind, der
der Branche aus den Medien entgegenblies, zeigte eine
bis dahin nicht bekannte Schärfe.
In der Folge fiel das in Zertifikate angelegte Vermögen
um geschätzte 40 Prozent, Anlageberater empfahlen
nur noch Festgeld, und für Finanzvertriebe sind die innovativen
Produkte vergleichbar mit der sprichwörtlichen
heißen Kartoffel. Die in die Kritik geratenen Emittenten
bemühten sich nicht ganz ohne Selbstzweck um die von
Anlegern und Anlegerschützern geforderte Transparenz,
der Zertifikateverband lieferte das zugehörige Rating, und
die Produktentwickler in den Banken besannen sich auf
die neue Einfachheit. Korrelation, Alpha und Multi-Asset
waren out, Index – am besten mit Dividende – war in!
Zwischenzeitlich hat sich die Lage wieder deutlich
beruhigt.
Die Emittenten sind zum Alltag zurückgekehrt,
die Anleger haben den Vorteil von Zertifikaten auch aufgrund
mangelnder Alternativen (wer braucht schon ein
Festgeld zu 1,0 Prozent?) wieder erkannt, das in Zertifikaten
angelegte Vermögen hat spürbar angezogen. Die
Favoriten heißen wieder Index-, Bonus- und Discountzertifikat.
Und die starken Schwankungen der Börsenkurse
selbst innerhalb eines einzelnen Tages lassen für die
Spekulanten
unter den Anlegern genügend Spielraum
für kurzfristige Geschäfte mit Hebelprodukten. Und doch
fällt eine Gattung vermehrt auf: die der Expresszertifikate.
Expresszertifikate wurden in der Vergangenheit insbesondere
von Finanzvertrieben eingesetzt. Nunmehr
finden sie auch bei den sogenannten Selbstentscheidern
regen Zuspruch. Die Emittenten zeigen sich wie
gewohnt
kreations- und emissionsfreudig und wissen
fast täglich mit neuen Expresskonstruktionen zu gefallen.
Doch Vorsicht: Die Vielfalt der Ausstattung ist bei
keinem
Produkt so ausgeprägt wie bei diesem!
Der erste Blick sollte stets auf die Wahrscheinlichkeit
der Rückzahlung gerichtet sein. Diese hängt sehr stark
an produktspezifischen Schwellen. Die Aussicht auf
mögliche Renditen steht erst an zweiter Stelle. Auch für
Kupon- oder Bonuszahlungen gelten Kursschwellen, die
deren Wahrscheinlichkeit begründen. Auch hier gilt: weniger
ist mehr. Die Kursschwellen sollten dabei sowohl für
die Rückzahlung als auch für die Rendite nur zu festen
Beobachtungstagen gelten. Eine Gültigkeit der Schwelle
über längere Perioden bedeutet eine deutliche Zunahme
des Risikos. Die Möglichkeit, ausgefallene
Kuponzahlungen
mittels Memory-Effekt nachzuholen,
stellt dagegen eine wünschenswerte Erhöhung der Chancen
dar. Expresszertifikate passen in ihrer Struktur sehr
gut in das aktuelle Marktumfeld und empfehlen sich für
Anleger
mit vorsichtig positiver Markterwartung.
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