Christian Grabbe ist als Derivatespezialist bei der Münchner
Wertpapierhandelsbank Baader verantwortlich für alle Derivategeschäfte.
In BÖRSE ONLINE schreibt der von den Emittenten
unabhängige Experte über Trends und Entwicklungen am deutschen
Zertifikatemarkt.
Die Zurückhaltung in der Anlageberatung in Bezug auf
den Einsatz von Zertifikaten war in den vergangenen zwei
Jahren
auffällig. Fast alle Emittenten berichteten von
einem dramatischen Einbruch im Direktvertrieb. Umsätze wurden
überwiegend bei den in der Finanzindustrie als Selbstentscheider
beschriebenen Anlegern erzielt. Diese agieren im
Sekundärmarkt,
also an den Börsen. Und die konnten sich über
mangelnde Umsätze in der ersten Jahreshälfte nicht beklagen.
Allerdings bewegten sich die Investoren überwiegend in
Hebelprodukten.
Das war nicht zuletzt der hohen Volatilität
geschuldet,
in der sich manch einer vom Spekulanten zum
Day-
Trader entwickelte. Die enorme Volatilität kam aber auch
konservativeren Anlegern zugute, da beispielsweise Discounts
durch einen höheren Rabatt profitieren und Bonuszertifikate
stattlichere Bonusrenditen offerieren. Die Party scheint nunmehr
ihrem Ende entgegenzugehen. Bei sinkender Volatilität
bewegen sich die Day-Trader zunehmend zurückhaltend. Und
auch die Renditen bei Discount, Bonus und Co. reduzieren sich
spürbar. Wer hier aber mit einer Abstinenz der Anleger gerechnet
hat, sieht sich getäuscht. Das Interesse an Anlageprodukten
nimmt trotz abnehmender Renditen zu. Offensichtlich überwiegt
die allgemeine Beruhigung an den Aktienmärkten und
weckt wieder Hoffnung auf Kurssteigerungen. In einem solchen
Umfeld haben sich Anleger stets am Wohlsten gefühlt.
Nicht überraschend ist es, dass die Emittenten nunmehr auch
über gesteigertes Interesse im Primärmarkt berichten. Aber
nicht nur das. Auch hat sich das Interesse an den Produkttypen
verändert. Galt bis Juli bei den Emittenten noch ein Kundeninteresse
von bis zu 90 Prozent (!) an Garantieprodukten, kann aktuell
über einen veränderten Risiko-Appetit der Anleger berichtet
werden. Der Anteil der Garantieprodukte reduzierte sich auf
durchschnittlich 80 Prozent, entsprechend nahm der Anteil an
Produkten ohne Rückzahlungsgarantie zu. Gleichzeitig steigen
beispielsweise bei den Discounts die Caps, werden also langsam
näher an die aktuellen Preise des Basiswerts herangeführt.
Die Veränderung geht vorsichtig vonstatten, favorisiert bleiben
defensive Strukturen. Die entsprechen auch unseren Favoriten
und Empfehlungen: Deep Bonus – gern auch mit Cap –,
konservative Discounts und Express mit tiefen Barrieren und
hoher Wahrscheinlichkeit vorzeitiger Rückzahlung. Als Basiswerte
sind natürlich die Indizes am ehesten geeignet, da sie sich
per Definition auf mehrere Einzelwerte beziehen. Allerdings ist
deren Volatilität sehr reduziert und entspricht unserer Meinung
nach nicht mehr den tatsächlichen Risiken, die sich noch immer
im Markt befinden. Besser sieht es da bei den Einzelwerten aus.
Die Favoriten bleiben dabei Gesellschaften, die in ihrem jeweiligen
Kerngeschäft zu den Weltmarktführern gehören. Ein Augenmerk
sollte auch auf die Ausrichtung der Geschäftstätigkeit in
die aufstrebenden Volkswirtschaften gelegt werden. Wer sich
hier gut positioniert hat, braucht die Zukunft nicht zu fürchten.
Wir bewerten einen Double Dip in den USA aktuell als unwahrscheinlich,
eine Verlangsamung der wirtschaftlichen Entwicklung
des einstigen Zugpferds der Weltkonjunktur ist aber unübersehbar.
Die Steigerungsraten und die Zukunft liegen in den
neuen Märkten. Dafür sind die deutschen Unternehmen größtenteils
sehr gut aufgestellt. Mit den richtigen Zertifikaten kann
das bei der Geldanlage in attraktive Renditen umgesetzt werden.

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