Alles schaut gebannt auf Griechenland. Noch hängt der Patient am Tropf, weitere Infusionen werden benötigt. Doch es gibt wohl kein Zurück auf diesem einmal eingeschlagenen Weg. Zu groß ist die Gefahr eines Flächenbrands für andere EU-Mitglieder. Während viele deutsche Banken und Versicherungen noch erhebliche Bestände an griechischen Bonds halten, haben dagegen beispielsweise die Franzosen die Zeit genutzt und erhebliche Positionen abgebaut. Doch auch die anderen Marktakteure halten sich mit Engagements zurück.
Die Emittenten dagegen bemühen sich mit einer Flut von Emissionen, das Anlegerinteresse zu wecken. Da es sich kaum um neue Produktideen handelt, ist der Nutzen jedoch gering. Doch es gibt sie noch, die Innovationen unter den Produkten. Dabei sticht insbesondere eine heraus. Erfunden haben sie die Schotten, nicht die Schweizer. Dass das eher als knauserig verschriene Volk von den Britischen Inseln dem Anleger auch noch mehr Geld als bisher für ein Produkt geben will, verblüfft umso mehr. Zumindest waren die Schotten bisher nicht dafür bekannt, Geld zu verschenken. Doch von vorn: Es handelt sich um Indexzertifikate. Diese entwickeln sich, wie nicht anders zu erwarten, entsprechend dem unterliegenden Index eins zu eins. Das ist auch transparent, kann man somit beispielsweise am Kurs eines DAX-Zertifikats ebenfalls sofort den Stand des deutschen Leitindex ablesen. Nun wissen Anleger aber spätestens seit dem Sündenfall
Lehman, dass Zertifikate ein Emittentenrisiko beinhalten. Nun haben die Schotten, also die
Royal Bank of Scotland (
RBS), Indexzertifikate emittiert, die dieses zum Ausdruck bringen. Dabei gibt es zwei Produkttypen: Zum einen sind hier die mit dem eher unglücklichen Namen benannten Uncapped-Discountzertifikate zu nennen. Tatsächlich handelt es sich um Indexzertifikate mit einer festen Laufzeit von fünf Jahren. Bei Fälligkeit zahlen die Titel den Wert des Index aus, werden aber heute mit einem Rabatt, also einem Discount gehandelt. Dieser Rabatt wird über die Laufzeit geringer, was zu einer Zusatzrendite für den Anleger führt. Nachteil ist hier die Laufzeitbegrenzung. Darum scheint die zweite Produktinnovation der Schotten noch attraktiver. Sogenannte Kuponzertifikate bilden die Wertentwicklung eines Index nach, ergänzt um einen jährlichen Kupon, der an den Anleger ausgeschüttet wird.
Für das Beispiel DAX heißt das, dass neben der Partizipation am deutschen Leitindex mithilfe eines Kupons von einem Prozent jährlich eine attraktive Überrendite erzielt wird. Damit verschenken die Schotten kein Geld, sondern reichen ihre Refinanzierungskosten, das sogenannte Funding, an den Investor als Vorteil weiter. Das ist attraktiv und könnte Schule machen. Jedoch haben nicht alle Emittenten diese Möglichkeit. Zum einen sind, wie erwähnt, die Bonitäten verschieden. Zum anderen aber bieten nur wenige Häuser die internen Strukturen, um Finanzierungskosten in Produkte einzurechnen. Und es ergibt sich eine weitere Schwierigkeit: Die Refinanzierung einer Bank ist an bestimmte, fest definierte Laufzeiten gekoppelt. Zertifikate aber können täglich gehandelt werden. Darum muss die
RBS bei der Höhe des Kupons eine Art Mischfinanzierung annehmen. Und darum darf ein Kupon in Höhe von einem Prozent auf den DAX durchaus als attraktiv bewertet werden. Anfänglich sind die Produkte auch auf Gold und Silber aufgelegt, andere Basiswerte sollen folgen.
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