Von den meisten Experten kommt Entwarnung.
Das Inflationsrisiko ist derzeit gering.
Entsprechend erfreuen sich Staatsanleihen
unter den Investoren großer Beliebtheit. Ein
sicheres Zeichen dafür sind die Renditen der
zehnjährigen Bundesanleihen. Sie sackten in den vergangenen
Wochen auf Rekordtiefs, dementsprechend
kletterten die Kurse auf neue Hochs. Und das in einem
Umfeld,
das von hoher Unsicherheit über die weitere
Entwicklung in der Euro-Zone gekennzeichnet ist. Selbst
Staatspleiten scheinen nicht mehr ausgeschlossen zu
sein, wie das Beispiel Griechenland zeigt.
Das Bild wird umso verworrener, wenn man den
Blick weitet und den Goldpreis berücksichtigt. Auch dieser
konnte in den vergangenen Wochen kräftig zulegen
und deutlich die Marke von 1200 Dollar durchbrechen.
Dabei gilt Gold ganz allgemein gesagt als Fluchtburg, als
Krisenwährung, als Rettungsanker für stark inflationäre
Zeiten, wenn nahezu alle anderen Anlagen an Wert verlieren.
Dass Staatsanleihen und Gold nun gleichzeitig in
der Gunst der Anleger stehen, könnte man auf den ersten
Blick also als Widerspruch bezeichnen.
Doch die Flucht in Staatsanleihen und Gold ist eigentlich
eine typische Reaktion der Menschen. Sie ist
Ausdruck der Sehnsucht nach Sicherheit. Und trotz Griechenland-
Krise glaubt die Mehrzahl der Anleger immer
noch an die Zahlungsversprechungen der meisten Länder.
Vor allem wohl auch deshalb, weil die Aussichten am
Aktienmarkt alles andere als klar sind. Zwar sind die
meisten Aktienmärkte derzeit nicht besonders hoch bewertet,
doch niemand weiß, was die Zukunft bringt. Die
Staaten müssen ihre Schuldenberge reduzieren, also
sparen.
Das gilt für nahezu alle Länder der westlichen
Welt. Und in Asien fürchtet man eine Überhitzung der
Konjunktur, deshalb drücken Anleger auf die Bremse.
Beide Entwicklungen könnten kurzfristig zu deflationären
Erscheinungen führen, mit entsprechend negativen
Auswirkungen auf die Unternehmensgewinne und
damit auf die Aktienmärkte.
Doch mittel- bis langfristig drohen inflationäre Tendenzen.
Viele Goldkäufer hegen starke Zweifel an der
Fähigkeit
der Staaten, die Schulden durch vernünftiges
Haushalten und/oder ein hohes Wirtschaftswachstum
abtragen zu können. Ganz im Gegenteil, sie rechnen
mit einer ausdrücklich erwünschten Inflation, die durch
eine Ausweitung der Geldmenge durch die Notenbanken
verursacht wird. Die Inflation könnte helfen, die
staatlichen und privaten Schuldenberge schwinden zu
lassen. Sollte es zu diesem Szenario kommen, ist mit
einer Fluchtbewegung
aus den heute so beliebten Staatsanleihen
zu rechnen. Deshalb gibt es Experten, die in
den stark gestiegenen Kursen der Staatsanleihen eine
Blasenbildung sehen. Sie warnen davor, dass der längerfristig
zu befürchtende Inflationsanstieg für eine kräftige
Korrektur bei Anleihen und einen weiteren Anstieg
des Goldpreises sorgt.
Was meinen Sie? Diskutieren Sie mit! Schreiben Sie uns zu diesem Beitrag Ihren Kommentar. Wir freuen uns über einen lebhaften Austausch.
Die neue Ausgabe von BÖRSE ONLINE erscheint am 17. Juni. Sollten wir Ihr Interesse geweckt haben, dann schließen Sie doch gleich ein Probeabo ab. Informieren Sie sich in unserem
Abo-Shop.
Empfehlen