Funda Tarhan leitet bei der
Royal Bank of Scotland (
RBS) den Vertrieb von Derivaten an Privatkunden in Deutschland und Österreich.
Die Zertifikatespezialistin hat ihre Karriere bei der ABN Amro begonnen. Das Derivategeschäft der ABN wurde im Herbst 2007 von
den Schotten übernommen.
„Prognosen sind schwierig, vor allem wenn sie
die Zukunft betreffen“, soll einst Mark Twain
gespottet haben. Wer am Kapitalmarkt agiert,
muss sich dennoch an ihnen beteiligen. Es ist
nicht ausgeschlossen, dass die Aufwärtsbewegung
an den Aktienmärkten noch eine Weile anhält.
Treiber sind das billige Geld der Notenbanken und der
Anlagenotstand institutioneller Investoren, die mehr
oder weniger gezwungen sind, auf den fahrenden Zug
aufzuspringen.
Gelingt es den Notenbanken und den Regierungen,
über Geldmengenausweitung, Steuersenkungen und
Ausgabenprogramme Inflation zu erzeugen, könnte es
noch einmal etwas kräftiger an den Aktienmärkten aufwärtsgehen.
Die Investoren feiern dann den Sieg über
die Deflation und die Rückkehr der Inflation. Sie vergessen
dabei, dass bei anziehender Inflation die Notenbanken
bremsen und die Zinsen steigen dürften. Bei dem
hohen Schuldenstand wächst dann die Zinslast in den
Industrieländern
rapide. Das dürfte die Wachstumskräfte
schnell wieder erlahmen lassen.
Das Wachstum in den etablierten Industrieländern
bleibt wohl längerfristig schwach und ist weiter abhängig
von staatlichen Konjunkturprogrammen und billigem
Geld. Der über Jahrzehnte aufgelaufene hohe Verschuldungsgrad
in diesen Volkswirtschaften macht es immer
schwerer, die derzeit extrem expansive Geldpolitik ohne
Wachstumseinbrüche zurückzufahren. Dies ist nötig,
um mittel- bis langfristig einen Inflationsschub und eine
erneute Blasenbildung an den Finanzmärkten zu vermeiden.
Bei solchen Bremsmanövern sind gleichzeitig Kurseinbrüche
an den Börsen unvermeidlich.
Die Krise hat die Schwächen in den Volkswirtschaften
der etablierten Industriestaaten gnadenlos aufgedeckt.
Zugleich ist jedoch sichtbar geworden, dass mit
den Schwellenländern die weltwirtschaftlichen Konjunkturlokomotiven
der Zukunft bereits unter Dampf stehen.
Diese Staaten haben sich von der krisenbedingten Malaise
der Industrieländer ein Stück abkoppeln können.
China, Indien und andere vorwiegend asiatische Länder
bekommen neue Trümpfe für den wirtschaftlichen Erfolg
in ihre Hände: Die technologische Lücke zu den etablierten
Industrienationen schließt sich mehr und mehr.
Zugleich können die Schwellenländer mit ihrer Wettbewerbsfähigkeit,
ihren zumeist gesunden Staatsfinanzen
und ihren positiven Leistungsbilanzen punkten.
Künftig wird der Binnenmarkt mit seiner vergleichsweise
jungen und konsumorientierten Bevölkerung eine
immer größere Rolle für die wirtschaftliche Entwicklung
dieser Staaten spielen. Die Schwellenländer werden auch
2010 höhere Wachstumsraten aufweisen können als die
Industrieländer. Zudem haben sie trotz der derzeitigen
Krise weiter investiert – noch ein Zeichen dafür, dass in
Zukunft die wirtschaftlichen Gewichte neu verteilt werden.
Das spricht dafür, dass Wertpapiere aus Schwellenländern
in den Depots an Gewicht gewinnen.

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