Nicolai Tietze ist im Zertifikateteam von
Deutsche Bank X-Markets für Hebelpapiere und Indexzertifikate zuständig.
Für BÖRSE ONLINE schreibt der ehemalige Aktienhändler regelmäßig über die neuesten Entwicklungen auf dem Markt der strukturierten Produkte.
Alles ist digital: Telefon, Fernsehen und Kameras, nur das Stromnetz nicht. Nach den Verfechtern des Smart Grid soll sich dies nun ändern. Nach ihren Vorstellungen soll in den kommenden Jahren ein dezentrales Stromnetz aufgebaut werden, das neben der Elektrizitätsverteilung auch digitale Kommunikation in beide Richtungen erlaubt. Mithin könnten künftig nicht nur Strom, sondern auch diverse digitale Informationen über die Produktion und den Verbrauch von Elektrizität aus der Steckdose an der Wand kommen.
Für dieses Projekt gibt es schon heute einen akuten Bedarf. In vielen Ländern rund um den Globus besteht ein Investitionsstau, der die Stabilität der Elektrizitätsnetze gefährden könnte. Aufgrund des maroden Stromnetzes kam es beispielsweise am 14. August 2003 in den USA und Kanada zu einem großflächigen Stromausfall. Doch auch anderswo gibt es große Defizite. Am 4. November 2006 waren unter anderem Teile Deutschlands, Frankreichs und Belgiens für rund zwei Stunden ohne Strom, vor Kurzem erwischte es große Teile Brasiliens.
Gerade erneuerbare Energien benötigen intelligente Stromnetze. Darüber hinaus nimmt die Zahl von Großkraftwerken zugunsten kleinerer Einheiten ab, wozu beispielsweise Windkraft- oder Solaranlagen oder kleine Kraft-Wärme-Kopplungssysteme zählen. Im Vergleich zu Kohle- und Atomkraftwerken werden hier jedoch schwankende Leistungen ins Netz eingespeist. Da Elektrizität im gleichen Moment produziert und transportiert werden muss, in dem der Strom verbraucht wird, stellt die Verbreitung der erneuerbaren Energien eine beträchtliche Herausforderung dar. Um dennoch die Stabilität der Netze zu gewährleisten, wäre ein beständiger Informationsaustausch zwischen Produzenten und Verbrauchern sinnvoll. So könnten bestimmte Geräte - wie Waschmaschinen - gezielt angeschaltet werden, wenn beispielsweise mit Windkraft besonders viel Strom erzeugt wird. Überdies geht erhebliche Energie aufgrund von elektrischen Widerständen auf dem Weg vom Kraftwerk zum Verbraucher verloren, was laut Experten durch intelligente Netze verringert werden könnte.
Daher fördert auch die öffentliche Hand die Schaffung von Smart Grid. So hat US-Präsident Barack Obama aus dem 36,7 Milliarden Dollar schweren Recovery Act allein 4,5 Milliarden Dollar an staatlichen Mitteln für den Aufbau intelligenter Stromnetze zugesagt. Auch die Bundesregierung investiert in ein Pilotprojekt unter dem Namen E-Energy viel Geld. Zusammen mit Geldern aus der Industrie fließen nach Angaben des Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie somit etwa 140 Millionen Euro in die Erforschung der Technik. Allein
Siemens will sich bis 2014 Aufträge über sechs Millarden Euro in diesem Sektor sichern. Nicht nur die Politik und die Unternehmen haben Smart Grid für sich entdeckt, sondern auch die Zertifikate-Emittenten machen den zukunftsträchtigen Markt investierbar.

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