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Shortzertifikate Wenn die Rohstoffpreise purzeln

[16:36, 20.05.08]


Die Weltkonjunktur kommt ins Stottern, weil die Auswirkungen der Finanzkrise sich zunehmend in der Realwirtschaft bemerkbar machen. Die Rekordpreise bei praktisch allen Rohstoffen, vor allem im Energiebereich, wirken wie eine angezogene Handbremse beim Autofahren: Es bremst gewaltig.


Die von der  Société Générale kürzlich aufgelegten Shortzertifikate auf Rohstoffe sind alle währungsgesichert und vollziehen die Bewegung des jeweiligen Basisinstruments im Verhältnis 1:1 nach. Sie haben jedoch feststehende Basispreise, die zu Emissionsbeginn doppelt so hoch waren wie der jeweilige Kurs. Die Papiere beziehen sich bei den Edelmetallen auf die jeweiligen Spotpreise und sonst auf bereits feststehende Futureskontrakte. Es gibt also keine verzerrenden Rollverluste oder –gewinne.

Zu Emissionskonditionen haben diese Zertifikate folglich keine Hebelwirkung. Wenn sich jedoch der Basispreis erheblich verändert, kann sich auch der Hebel verändern. Beispiel: Futurespreis = 100 USD, Basispreis 200 USD, die Differenz zwischen Future- und Basispreis ist der Zertifikatepreis in Euro also 100 Euro. Wenn der Futurespreis um 50 Prozent auf 50 USD fällt, steigt der Zertifikatepreis um 50 Prozent auf 150 Euro. Wenn ein Anleger erst bei diesem Kurs einsteigt und der Futurespreis zieht wider Erwarten auf die Ausgangsbasis 100 USD an, fällt der Zertifikatepreis wieder auf 100 Euro. Der Anstieg um 100 Prozent hat bei dem Shortzertifikat nur zu einem Verlust von 33 Prozent geführt.

Gegen den Totalverlust, wenn ein Futures sich gegenüber der Ausgangsbasis verdoppeln würde, gibt es einen Knock-out. Dieser liegt etwa fünf Prozent unter dem Basispreis und würde bei Erreichen zu einem vorzeitigen Ende führen. Anleger erhalten dann den Restwert ausgezahlt.

Bemerkenswert ist, dass inzwischen bei vielen Rohstoffen eine Backwardationsituation herrscht. Das heißt, dass die in der Zukunft liegenden Futures zu niedrigeren Preisen gehandelt werden, als Spotpreise oder nahe liegende Kontrakte. Die Märkte rechnen also heute mit Sicht auf zwölf bis 18 Monaten eher mit fallenden Preisen. Das birgt für die emittierten Shortzertifikate jedoch einen entsprechenden Risikofaktor. Wenn die Spotpreise nur auf dem heutigen Niveau verharren würden, käme es zu entsprechend steigenden Preisen bei den Futures – und zu fallenden bei den Shortzertifikaten.

Insgesamt sind diese Shortzertifikate jedoch eher konservativ. Es fallen keine Gebühren oder Währungsabsicherungskosten an. Allerdings verbleiben beim Emittenten auch die Zinsgewinne aus den eingesetzten Investments. Die Spreads sind unterschiedlich und können bis zu knapp zwei Prozent betragen. Inzwischen gibt es diese Produkte auf folgende Rohstoffe: Aluminium, Blei, Brent oil, Gold, Kaffee, Kakao, Kupfer, Mais, Nickel, Palladium, Platin, Silber, Sojabohnen, Weizen, WTI-Oil, Zink, Zinn und Zucker.

Sie finden diese Produkte auf unserer Website über den Derivate-Analyser bei Typ unter Reverse Indexzertifikate.


 

© 2008 boerse-online.de, © Illustration: dpa

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