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Zertifikate EU-Phantasie flammt wieder auf

[14:11, 09.04.09]


Barack Obamas Vorstoss beim G20-Gipfel, die Türkei in die EU aufzunehmen, war Wasser auf die Mühlen der Politiker des Landes. Schon lange strebt die Regierung in Istanbul die Mitgliedschaft an.



Für die USA ist die Türkei ein strategisch wichtiger Verbündeter im Nahen Osten. Zudem soll die Einbindung eines islamischen Staates in die Europäische Union eine Vorbildfunktion für die gesamte arabische Welt haben.

Vor allem Deutschland und Frankreich sind jedoch gegen eine Mitgliedschaft. Sie streben eine privilegierte Partnerschaft an. Ob sie sich auf Dauer aber dem Druck der USA und der Türken beugen können, ist fraglich. Ökonomisch ist die Türkei auf bestem Wege nach Europa. Von 2002 bis 2007 glänzte der Staat am Bosporus mit einem Wachstum des BIP von durchschnittlich fast sieben Prozent. Die Finanzkrise blieb jedoch nicht ohne Folgen. 2008 betrug das Wachstum zwar noch 1,5 Prozent, doch 2009 gehen Experten von einem Rückgang zwischen 1,5 und zwei Prozent aus. Eine tragende Säule des Erfolgs der vergangenen Jahre war der Export. Das wird dem Land jetzt zum Verhängnis. Denn gerade in den Branchen, die in der jüngeren Historie brummten wie Textil, Auto, Maschinen, Schiffsbau, Eisen und Stahl, sind besonders kräftig vom konjunkturellen Abschwung betroffen. Für 2009 wird ein Rückgang des Exports von 100 Milliarden US-Dollar prognostiziert. Positiv ist jedoch, dass die Einfuhren bedingt durch den gesunkenen Ölpreis noch rascher zurückgehen. Dadurch verringert sich das Außenhandelsdefizit.

Da die Regierung in Istanbul im Herbst 2008 davon ausging, dass das Land vom Abschwung kaum betroffen sein würde, wurden zunächst keine Konjunkturpakete aufgelegt. Erst im Februar 2009 wurde ein Paket mehrerer kleiner Maßnahmen verabschiedet, die aber wohl erst 2010 wirken werden. Es besteht vor allem aus Steuererleichterungen und Mittelstandsförderung. Das große Plus der Türkei ist, dass die Banken, bedingt durch eine Finanzkrise 2001 im eigenen Land weitreichend reguliert sind. Dadurch griff die globale Bankenkrise nicht auf die Türkei über. Weitgehend stabil zeigt sich bisher auch der Tourismus, da das Land am Bosporus davon profitiert, dass Reisende von teureren Zielen an die preiswerte Küste am türkischen Mittelmeer umbuchen. Der IT-Bereich und der Gesundheitssektor erfuhren positive Impulse durch die Vergabe von UTMS-Lizenzen im Herbst und die Einigung zwischen privaten Gesundheitsdienstleistern und der staatlichen Sozialversicherung bezüglich der Kostenübernahme für die Behandlung von Kassenpatienten in Privatkliniken.

Discountzertifikat gewährt hohen Risikopuffer

Verglichen mit anderen Baisseperioden schlug sich der türkische Aktienindex Turkey Titans 20 bisher gut. Seit April 2008 verlor er mit minus 31 Prozent nicht mehr als der DAX. In Lira gerechnet war es mit minus 35 Prozent etwas mehr, trotzdem hielt sich die früher chronische Schwachwährung Lira relativ gut. Der Index enthält die 20 größten Unternehmen des Landes. Er ist breit diversifiziert. Das größte Unternehmen Turkye Garantie Banki hat nur elf Prozent Gewicht. Banken dominieren mit einem Anteil von 51 Prozent die Benchmark vor Telecom (15), (Konsum (11), Industrie (10) und Energie (6). Das KGV für 2008 beträgt günstige 6,4.

Dennoch bestehen hohe Risiken. Zum einen sind die Unternehmen stark verschuldet. Auch der Staat hat strenge Auflagen vom internationalen Währungsfonds und kann nur in begrenztem Maß mit Konjunkturprogrammen gegensteuern. Zudem gelten die Aktien in Istanbul als notorisch sehr schwankungsanfällig.

Der Obama-Vorstoß könnte dem Markt allerdings jetzt einen Push geben. Mit einem Discountzertifikaten der  Royal Bank of Scotland ( RBS) auf den Turkey-Titans-20-Index können Anleger davon profitieren. Das bis zum Juni 2010 laufende Papier (WKN: AA1RYL) hat einen Discount von 48,50 Prozent zum Index und notiert bei 7,21 Euro. Der Cap liegt bei 180 Indexpunkten, also 39 Prozent unter dem Indexstand von 294 Zählern. Braucht das Barometer bis zur Fälligkeit diesen Puffer nicht aus, beträgt die maximale jährliche Rendite 15,85 Prozent. Erst wenn die Benchmark um mehr als 48,5 Prozent fällt, erleiden Zertifikate-Inhaber Verluste. Die guten Konditionen sind deswegen darstellbar, da die Volatilität hoch ist und auch weil die Dividendenrendite von fünf Prozent für die Struktur verwendet wird. Der Spread beträgt 2,80 Prozent. Anleger müssen Währungsrisiken mit in die Rechnung einbeziehen. Seit einem Jahr ist die türkische Lira aber weitgehend stabil zum Euro – trotz der weltweiten Verwerfungen. Das Zertifikat eignet sich trotz des hohen Discounts nur für risikobereite Anleger, die von der neu aufgeflammten EU-Phantasie profitieren wollen.


 

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