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Value-Zertifikate Auf der Suche nach verborgenen Werten

[15:39, 10.03.10]


Zertifikate, die auf Value-Aktien setzen, können langfristig überzeugen. Bei der Auswahl werden Kriterien wie Kurs-Buchwert- und Kurs-Cashflow-Verhältnis sowie Dividendenrendite berücksichtigt.


 

Ein schlauer Investor kauft eine Firma an der Börse weit unter ihrem wahren Unternehmenswert. Diesen Grundsatz formulierte Benjamin Graham 1949 in seinem Standardwerk "The Intelligent Investor", das zur Bibel der Substanzanleger wurde. Laut Graham sollten Anleger nur mit großem Sicherheitspuffer in Aktien investieren. Daraus entstand die Grundidee des Value-Investing, als dessen Erfinder der US-Wirtschaftswissenschaftler gilt. Viele seiner Schüler wenden Grahams Prinzipien seit Jahrzehnten erfolgreich an. Dazu zählen Investorenlegenden wie Warren Buffett, Bill Miller, Jean-Marie Eveillard oder Mario Gabelli.

Inzwischen gibt es am Zertifikatemarkt eine Reihe von Produkten, die sich an den Regeln von Graham orientieren - mit Erfolg. Das Value-Select-Zertifikat der DZ Bank beispielsweise lässt den Dax seit Auflage im Herbst 1999 um Längen hinter sich. Während der deutsche Leitindex seitdem gerade mal um ein Prozent zulegen konnte, stieg der Kurs des Value-Papiers um 95 Prozent. Das entspricht einer Jahresrendite von 6,78 Prozent.

Das Prinzip, nach dem die Aktien ausgewählt werden, ist einfach. Halbjährlich werden aus dem Dax die zwölf Aktien ausgewählt, die nach den Kriterien Kurs-Buchwert- und Kurs-Cashflow-Verhältnis sowie Dividendenrendite am attraktivsten sind. Diese drei Faktoren gewichtet die DZ Bank dabei je nach der momentanen Marktlage unterschiedlich mit einem Anteil zwischen fünf und 90 Prozent je Kennziffer. Die Aktien werden nach jedem Austausch gleichgewichtet. Derzeit sind im Korb etwa die  Deutsche Lufthansa,  BMW,  Salzgitter, Eon,  Münchener Rück und die  Deutsche Telekom vertreten. Interessant ist, dass die Strategie nur in den Jahren 2007 und 2008 dem Dax unterlegen war.

Einen breiteren Ansatz als die DZ Bank wählt die BayernLB bei ihrem Value-Nachhaltigkeits-Zertifikat Europa. Hier fließen Substanz- und Nachhaltigkeitskriterien in die Auswahl mit ein. Die Münchner Ratingagentur Oekom Research bewertet dabei alle Aktien aus dem europäischen Anlageuniversum sowohl nach ökologischen als auch nach sozialen Kriterien und erstellt eine Rangliste. Von den Konzernen, die im Ranking von Oekom am besten abschneiden, wählt der Investmentberater Bayerninvest die werthaltigsten aus. Neben Kennziffern wie Kurs-Gewinn-, Kurs-Buchwert- und Kurs-Cashflow-Verhältnis oder Dividendenrendite nutzen sie dafür weitere Faktoren, zum Beispiel Stimmungsindikatoren, Insiderkäufe und den Valueflow. Letzterer zeigt an, was die Topsubstanzanleger kaufen. Von den Titeln, die das Verfahren überstehen, kommen aber nur die in den Korb, die mindestens zehn Prozent unter ihrem inneren Wert notieren.

"Dieser Ausleseprozess verhindert, dass gehypte Aktien aufgenommen werden", sagt Markus Hamella von Bayerninvest. Gerade bei nachhaltigen Aktien gibt es oft extreme Hausse-Phasen, in denen auch Topunternehmen nach oben getrieben werden und dann stark überbewertet sind.

Die größten Positionen im Value-Nachhaltigkeits-Zertifikat sind derzeit  Henkel, Geberit, Severn Trent und Vestas Wind. Das Konzept funktioniert. Seit Auflage Anfang Mai 2007 hat das Papier den Vergleichsindex Euro Stoxx Sustainability Top 40 klar übertroffen. Seit Anfang 2009 steht ein Plus von 32,7 Prozent zu Buche. Positiv: Die Dividenden werden wieder voll investiert. Dafür zahlen Anleger eine jährliche Gebühr von 1,5 Prozent.

Wem Nachhaltigkeit wichtig ist, der entscheidet sich für dieses Papier. Wer nach reinen Value-Prinzipien anlegen will, ist bei dem DZ-Bank-Papier besser aufgehoben. Auch wenn es zwei Schwächen hat: Zum einen läuft es nur noch bis 2014, ist also für langfristig orientierte Anleger - und das sind Value-Investoren in der Regel - nicht gerade attraktiv. Zum anderen behält die DZ Bank die Hälfte der Dividenden von rund 3,75 Prozent ein.

Etwas für Genießer ist das Value-Brauerei-Zertifikat der BayernLB. In den entwickelten Ländern geht der Bierverbrauch zwar zurück. In Schwellenländern wie Russland und China aber ist Bier zu einem neuen Modegetränk geworden.


 

© 2010 ftd, © Illustration: dpa, boerse-online.de

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