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Bonuszertifikate Repairfunktion fürs Depot

[15:54, 06.09.10]


Viele Anleger sitzen noch immer auf Verlusten, die ihnen Bonuszertifikate in der Finanzkrise eingebrockt haben. Ein Papier der  Credit Suisse verspricht Heilung.


Das L’Oréal-Elvital-Solar-Shampoo hat sie, der Clarins-Lippenbalsam auch und der Selbstbräuner von Wacker sowieso: die Repairfunktion. Sie glättet das Haar, schenkt volle Lippen und schützt die Haut. Fortan auch das Depot. Die Schweizer Großbank  Credit Suisse schließt eine Marktlücke – im wahrsten Sinne des Wortes: Ihr neuestes Zertifikat CS Top Bonus Chance 60 100 mit Repair-Funktion soll die Lücke stopfen, die die Finanzkrise im Depot vieler Anleger hinterlassen hat.

Rissige Lippen und sprödes Haar sind eine Wissenschaft für sich, mit gefloppten Bonuszertifikaten verhält es sich nicht anders. Jetzt wollen die Credit-Suisse-Forscher die Formel gefunden haben, auf die Hunderttausende von Privatanlegern seit zwei Jahren warten: Wenn sie ihre Bonuszertifikate mit gerissener Schwelle gegen das neue Produkt tauschen, soll ihr Schmerz in fünf Jahren vergessen sein.

Vor dem Ausbruch der Finanzkrise waren Bonuszertifikate der Renner. Mit diesen Papieren nehmen Anleger eins zu eins an steigenden Aktienkursen teil. Sie verzichten auf Dividendenzahlungen, dürfen sich aber selbst dann noch über einen üppigen Bonus freuen, wenn die Börse leicht an Wert verliert. Bricht der Aktienmarkt allerdings ein, sitzen die Sparer auf hohen Verlusten – und streichen anders als Aktionäre keine Dividenden ein, die das Kursminus dämpfen könnten.

So kommt es, dass viele Bonuszertifikate, die sich Anleger vor der Pleite der US-Bank  Lehman Brothers für 100 Euro gekauft haben, trotz der Kurserholung immer noch nur 60 Euro wert sind. Weil die Barriere gerissen wurde, ist der Anspruch auf Bonuszahlungen verfallen.

Ohne Verlust werden sie ihren Ausflug in die schillernde Welt der Derivate nur abschließen, wenn die Aktienkurse bis zum Laufzeitende ihrer Papiere weiter kräftig zulegen – was etwa so realistisch erscheint wie die Hoffnung, das spröde Haar werde nach der nächsten Dusche ganz ohne Zutun wieder geschmeidig glänzen.

Darum kommt das Laboratoire  Credit Suisse jetzt mit seiner Innovation auf den Markt: Das Wundermittel CS Top Bonus Chance kostet 60 Euro und wird in fünf Jahren zu 100 Euro zurückgezahlt – vorausgesetzt, der Euro Stoxx 50 Index notiert am Laufzeitende nicht mehr als 11,5 Prozent unter seinem Stand, den er bei Auflage des Zertifikats Anfang Oktober 2010 erreicht. Wer seine alten Papiere gegen die neuen tauscht, kittet also den Riss im Portfolio. „Unser Produkt bietet den Anlegern die Chance, ihre Verluste bei Bonusstrukturen mit gerissener Barriere auszugleichen“, sagt Bodo Gauer, Direktor für strukturierte Produkte bei der  Credit Suisse.

Gauer spricht korrekt von einer Chance, denn eine Garantie auf den Verlustausgleich kann er natürlich nicht geben. Das hat sie leider an sich, die Repairfunktion: Sie glättet das Haar, schenkt volle Lippen und schützt die Haut. Und trotzdem kann es sein, dass am nächsten Morgen das Haar wieder spröde, die Lippen rissig und die Haut ganz trocken ist.


 

© 2010 ftd, © Illustration: reuters

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