Durch Beimischung von Derivaten lässt sich das Chance-Risiko-Profil eines Depots so verändern, dass Steuervorteile erhalten bleiben.

Mit Einführung der Abgeltungssteuer Anfang 2009 hat sich für viele Privatinvestoren ein Problem gelöst: Sie können ihre Investmententscheidungen nun deutlich unabhängiger von steuerlichen Überlegungen treffen, da die Haltedauer für die Besteuerung keine Rolle mehr spielt. Das gilt zumindest für Papiere, die nach dem 31. Dezember 2008 angeschafft worden sind.
Was aber, wenn inzwischen steuerfreie Aktien, Indexzertifikate oder börsennotierte Indexfonds (Exchange-Traded Funds, ETFs) im Depot liegen und sich die Marktmeinung geändert hat? Durch gezielte Beimischung von Derivaten lässt sich das Chance-Risiko-Profil eines Depots verändern, ohne dass dabei die steuerfreien Positionen veräußert werden müssen.
Besonders beliebt sind sogenannte Put-down-and-out-Optionsscheine, mit denen sich Depotpositionen wie Aktien, Indexzertifikate oder ETFs in Bonusstrukturen umwandeln lassen. Ein Beispiel: Ein Investor besitzt ETFs auf den Euro Stoxx 50. Er geht davon aus, dass die Seitwärtsbewegung am europäischen Aktienmarkt auch in den kommenden sechs bis zwölf Monaten anhalten wird. Dabei schätzt er die Chance, dass es zu einem Ausbruch nach oben kommt, größer ein als die Gefahr eines deutlichen Kursrückgangs. Unabhängig von einer steuerlichen Betrachtung würde er sein Geld heute in ein Bonuszertifikat auf den Euro Stoxx 50 investieren.
Zu einer Bonusstruktur kommt der Anleger aber auch, indem er die bestehende ETF-Position um Put-down-and-out-Optionsscheine mit einem Basispreis von 3400 Punkten und einer Knock-out-Schwelle bei 2400 Punkten ergänzt. Für sich betrachtet sind diese Produkte sehr risikoreich. Denn es gibt zwei Szenarien, in denen die exotischen Warrants wertlos verfallen: Zum einen ist dies der Fall, wenn der Basiswert am Ende der Laufzeit über dem Basispreis liegt, der Euro Stoxx 50 also am 15. April 2011 bei mehr als 3400 Zählern notiert. Zum anderen verfallen Put-down-and-outs, sobald der Knock-out-Level nur ein einziges Mal während der Laufzeit unterschritten wird. Kommt es also zu einem starken Kursrückgang beim Basiswert, ist dies für den Optionsscheininhaber ebenfalls gefährlich.
Wird die Knock-out-Schwelle nicht verletzt, besitzt der Put-down-and-out das Auszahlungsprofil eines herkömmlichen Puts: Für jeden Punkt, den der Euro Stoxx 50 unter seinem Basispreis von 3400 Zählern liegt, erhalten Anleger 1 Cent je Schein. Verharrt der Index beispielsweise auf seinem aktuellen Niveau von rund 2750 Zählern, gibt es 6,50 Euro pro Put-down-and-out. Aktuell kostet der Schein nur 1,85 Euro. Macht unterm Strich einen Gewinn von 4,65 Euro oder 251 Prozent – obwohl sich der Index nicht bewegt hat. Allerdings ist, wie bereits erläutert, das Risiko des Totalverlusts bei diesen exotischen Optionsscheinen hoch.
Anders verhält es sich, werden diese mit einem Investment in den Basiswert, im Beispiel mit einem ETF, verknüpft. Denn dann wird bei steigenden Kursen am Laufzeitende ein Verlust beim Put-down-and-out durch Gewinne des ETF auf den Euro Stoxx 50 ausgeglichen. Verluste beim Index werden ebenfalls egalisiert, allerdings nur solange die Barriere des Optionsscheins nicht verletzt wird. Im Beispiel entspricht der Kaufpreis eines Optionsscheins 185 Indexpunkten. Das Gesamtinvestment des Anlegers beläuft sich demnach auf 2912 Punkte, errechnet aus 2727 Punkten für den aktuellen Indexstand plus 185 Punkten für den Optionsschein.
Bei Fälligkeit gibt es drei Szenarien: Notiert der Euro Stoxx 50 bei mehr als 3400 Punkten, verfällt der Put-down-and-out wertlos, das Gesamtpaket hat dann einen Wert in Höhe des Indexstandes. Anleger nehmen unbegrenzt an steigenden Kursen teil. Die Rückzahlung beträgt damit mehr als 3400 Punkte.
Liegt der Euro Stoxx 50 allerdings zwischen 2400 und 3400 Punkten und hat dabei die Knock-out-Schwelle kein einziges Mal verletzt, spielt die Strategie ihre volle Stärke aus: Put-down-and-out und Index sind zusammen immer 3400 Punkte wert. Bezogen auf das Investment von 2912 Punkten bedeutet dies eine Rendite von 16,5 Prozent.
Ärgerlich wird es für Anleger nur im dritten Szenario, nämlich dann, wenn die Knock-out-Schwelle verletzt wird. In diesem Fall nehmen sie eins zu eins an den Verlusten des Index teil, und der Optionsschein verfällt wertlos. In allen Fällen besitzt der Anleger am Ende der Laufzeit weiterhin seine steuerfreie Investition im Basiswert.
Da der Spread zwischen den vom Emittenten gestellten An- und Verkaufskursen bei allen Put-down-and-out-Optionen mit rund 4,5 bis 8,5 Prozent extrem hoch ist, eignen sich die Papiere weniger für Trader, sondern nur für längerfristig orientierte Anleger.

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