Die Palette passiv gemanagter Produkte wird erweitert: Beim Klassiker Indexzertifikat gab es in diesem Jahr gleich drei neue Varianten - doch die haben auch ihre Tücken.
Eigentlich wenig erstaunlich, dass passives Anlegen bei Investoren immer beliebter wird. Zum einen sprechen die geringen Kosten für Indexprodukte. Vor allem aber lässt die häufig schlechtere Performance aktiv gemanagter Fonds die Anleger aufhorchen. Mehr bezahlen und dann auch noch weniger Rendite – da ziehen viele Investoren Indexzertifikate und Exchange-Traded Funds (ETFs) den aktiv gemanagten Fonds oder einer eigenen Aktienauswahl vor.
Nachdem Indexzertifikate und ETFs die Palette passiv gemanagter Produkte über Jahre dominierten, gab es 2011 gleich drei interessante Produktweiterentwicklungen. Diese bieten Investoren teils zusätzliche Chancen, bergen allerdings auch Risiken. Anleger sollten diese bei einem Investment beachten.
Uncapped Discounter und Kuponzertifikate

Discount
Die Konstruktion der beiden neuen Strukturen ist einfach. Uncapped Discountzertifikate haben ein fixes Laufzeitende, an dem Anleger exakt den Stand des Basiswerts, bereinigt um
das Bezugsverhältnis, zurückbezahlt bekommen.
Der Gewinn liegt im Einkauf: Die Uncapped Discounter notieren deutlich unter dem rechnerischen Wert des Basiswerts. Ein Beispiel: Das DAX Uncapped Discounter mit Laufzeit bis 31. Mai 2016 kostet bei einem DAX-Stand von rund 5728 Punkten nur 50,63 Euro. Das entspricht einem Abschlag von knapp zwölf Prozent.
Der Discount ist ein Ausgleich für das vom Anleger eingegangene Emittentenrisiko. Denn wie bei allen Zertifikaten, handelt es sich auch bei Uncapped Discountzertifikaten um
Schuldverschreibungen des Emittenten. Geht dieser pleite, werden Anleger wie andere Schuldner des Emittenten auch behandelt. Im schlimmsten Fall droht ein Totalverlust.
Klassische Open-End-Indexzertifikate bergen dieses Risiko auch – dennoch können sie unter Umständen interessanter sein. Denn verschlechtert sich die Bonität des Emittenten, dann
nimmt beim Uncapped Discounter der Abschlag zu. So geschehen bei dem oben vorgestellten Papier der
Royal Bank of Scotland. Anfang Juni betrug der Discount noch etwas mehr als vier
Prozent. Aktuell sind es acht Prozentpunkte mehr! Investoren haben seit Juni also eine deutliche Underperformance gegenüber einem klassischen Open-End-Indexzertifikat erzielt.
Im Discount liegt aber auch eine Chance. Beruhigt sich die derzeit angespannte Lage und verbessert sich die Bonität der
RBS, wird auch der Abschlag geringer. Open-End-Indexzertifikate werden hingegen von Bonitätsveränderungen nicht beeinflusst, obwohl auch sie ein Totalverlustrisiko haben. Allerdings besitzen die Open-End-Papiere kurze Kündigungsfristen. Ihr Kurs liegt daher in der Regel in der Nähe des fairen Wertes.
Kuponzertifikate sind vom System her den Uncapped Discountern ähnlich. Der Ausgleich für das Bonitätsrisiko wird jedoch über einen Kupon weitergegeben. Anleger erhalten
beim DAX Kuponzertifikat der
Royal Bank of Scotland beispielsweise eine Ausschüttung von einem Prozent pro Jahr. Verschlechtert sich die Bonität des Emittenten, so sinkt der Kurs des
Kuponzertifikats überproportional. Das Emittentenrisiko wird dann durch den Kupon und durch den Kursabschlag vergütet.
Uncapped Discounter und Kuponzertifikate sind mittlerweile nicht nur auf den DAX verfügbar, sondern auch auf Gold, Silber, Rohöl (Brent) sowie auf die Aktie von Berkshire Hathaway.
Die grundlegende Systematik ist bei allen Papieren die gleiche. Bei den Rohstoffen beeinflusst zudem die Preisstruktur an den Terminbörsen die Höhe des Discounts beziehungsweise
des Kupons.
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