Mit einer feierlichen Zeremonie gaben am 8. November im Seebad Lubmin Bundeskanzlerin Angela Merkel und der russische Präsident Dmitri Medwedew den ersten Strang der Ostseepipeline Nord Stream frei. Die neue Pipeline soll die Europäische Union mit Erdgas aus Russland beliefern.
Politik und Verbraucherschützer erhoffen sich eine stabile Versorgung und erschwingliche Preise. "In jedem Fall verringert sich das Risiko von Angebotsunterbrechungen infolge von Streitigkeiten zwischen Russland und den Transitländern Weißrussland und Ukraine", sagt Carsten Fritsch. Nach Meinung des Commerzbank-Rohstoffanalysten muss sich dennoch erst zeigen, ob Nord Stream die Verbraucher entlastet. Laut Daten des Statistischen Bundesamts hat sich Gas in Deutschland seit 2005 um rund ein Fünftel verteuert.

Für Anleger war bei Erdgas derweil nichts zu holen. Tracker-Zertifikate auf den wertvollen Rohstoff standen vielmehr gehörig unter Druck. Die Diskrepanz zwischen Verbraucherpreisen und Börsenkursen hat einen Grund: In der Regel basieren hierzulande notierte Derivate auf dem in den USA gehandelten Terminkontrakt Henry Hub. Dieser hat mit der immer wieder kritisierten Preisgestaltung deutscher Versorger wenig zu tun. Vielmehr spiegelt der Future die Angebots- und Nachfragesituation in den Vereinigten Staaten wieder.
Und hier kam es in der jüngsten Vergangenheit zu einer regelrechten Gasschwemme, die auf die zunehmende Erschließung unkonventioneller Quellen zurückzuführen ist. Dazu zählt insbesondere "Tight Gas", ein in kompakten Gesteinen eingelagertes Erdgas. Mittlerweile stammen 15 Prozent der weltweiten Produktion aus unkonventionellen Quellen, wobei das Gros in den USA gefördert wird. Vor diesem Hintergrund geht die US Energy Information Administration (EIA) davon aus, dass Amerika 2011 den seit fast 40 Jahre bestehenden Produktionsrekord übertreffen wird.
Und doch könnte die Talfahrt von Henry Hub nach Meinung der Commerzbank-Analysten ein Ende finden. Die Frankfurter sehen den Preis Ende 2012 bei 5 Dollar für den nächstfälligen Kontrakt. Gegenüber der aktuellen Notierung wäre dies ein Plus von 50 Prozent. "Die Erfolge bei der Gewinnung unkonventionellen Gases dürften nachlassen", begründet Carsten Fritsch das erwartete Szenario. Zudem würden die USA bei der Stromerzeugung immer stärker auf Gaskraftwerke setzen.
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