Bonuszertifikate zählen mit zu den Lieblingen der Zertifikateanleger. Aus gutem Grund: Nach oben bestehen bei der klassischen Variante keine Gewinnbegrenzungen, im Seitwärtsmarkt kassieren Investoren den Bonus, und im schlimmsten Fall erfolgt die Rückzahlung zum Kurs des Basiswerts.
Der Schreck kommt für viele jedoch, wenn die Barriere unterschritten wird und die Bonuschance dahin ist. Denn der Kurs des Bonuspapiers notiert nicht wie vom Anleger erwartet in Höhe des Basiswerts, sondern darunter. Der Grund dafür ist, dass die Aktionäre für die verbleibende Restlaufzeit gegebenenfalls noch eine Dividende erhalten. Die Inhaber der Bonuszertifikate gehen dagegen leer aus.
Die Dividende ist der wichtigste Grund für den Abschlag, den Bonusse mit verletzter Barriere gegenüber dem Basiswert aufweisen. Ein zweiter liegt in der Emittentenbonität. Die Zertifikate-Investoren sind im Gegensatz zu den Aktienanlegern noch dem Emittentenrisiko ausgesetzt. Denn bei Bonuspapieren handelt es sich um Schuldverschreibungen des Emittenten.
Dividendenerwartung und Bonität sind von Emittent zu Emittent unterschiedlich. Daher notieren Bonuspapiere mit verletzter Barriere auch zu unterschiedlichen Konditionen.
Ein Beispiel: Die
Royal Bank of Scotland stellt für ein am 15. Oktober 2010 fälliges Bonuspapier mit verletzter Barriere auf die Allianz-Aktie einen Geldkurs von 71,19 und einen Briefkurs von 71,44 Euro.
UBS gibt hingegen für ein Papier mit Laufzeit 22. Dezember 2010 und ebenfalls verletzter Barriere einen Kurs von 74,06 zu 74,14 Euro aus. Die Allianz-Aktie notiert bei 77,03 Euro. Es wird erwartet, dass nach der Hauptversammlung am 5. Mai 2010 eine Dividende von 3,50 Euro gezahlt wird.
Investoren, die das von
UBS emittierte Papier noch besitzen, sollten sich von diesem trennen. Es hat keinen Sinn, bis zum Ende der Laufzeit zu warten. Anders die Situation bei dem Papier der
Royal Bank of Scotland. Hier kann es – zumindest für Anleger, die mit steigenden Kursen bei der Allianz-Aktie rechnen – von Vorteil sein, noch investiert zu bleiben.
Da tendenziell die meisten Investoren ihre Bonuspapiere nach einem Barrierenereignis losschlagen möchten, ist die Versuchung seitens der Emittenten groß, die Geldkurse möglichst niedrig zu halten. Einige Emittenten stellen zudem nur Geldkurse, sodass kein Arbitrageprozess einsetzen kann.
Es gibt aber durchaus auch Chancen bei Bonuspapieren mit verletzter Barriere, wie am Beispiel des Allianz-Papiers zu sehen ist. Einige Emittenten stellen nämlich nicht nur Geld-, sondern auch noch Briefkurse für die Zertifikate. Für Investoren, die von der Solidität des Emittenten überzeugt sind, von einem steigenden Kurs beim Basiswert ausgehen und nur geringe Transaktionskosten haben, kann es somit sinnvoll sein, ein Bonuspapier mit verletzter Barriere zu kaufen und bis zur Fälligkeit zu halten.
Empfehlen