Von Christian Scheid
Aufgrund des hohen Interesses widmen sich immer mehr Emittenten dem Thema Nachhaltigkeit und bringen entsprechende Zertifikate auf den Markt. Eine Überrendite sollten Anleger aber nicht erwarten.
Nachhaltiges Investieren gewinnt hierzulande zunehmend an Bedeutung. Einer der besten Indikatoren für diesen Trend ist die "Invest", Deutschlands größte Messe für private und institutionelle Anleger. Bei der im April in Stuttgart stattfindenden Veranstaltung ist dem Thema nachhaltige Geldanlagen zum zweiten Mal in Folge ein eigener Themenpark gewidmet. Dieses Jahr soll das Angebot sogar weiter ausgebaut werden: "Aussteller haben so noch mehr Möglichkeiten, den Besuchern Fonds, Zertifikate oder andere Produkte vorzustellen, die auf ökologische oder ethische Weise nachhaltig sind", sagt die Veranstalter.
Allein das Statement zeigt, wie unterschiedlich das Thema Nachhaltigkeit aufgefasst wird. Während die einen darunter in erster Linie ökologische Geldanlagen verstehen, ist für andere der Begriff wesentlich weiter gefasst. Demnach dürfen beim nachhaltigen Investieren auch gesellschaftliche und soziale Komponenten nicht außer Acht gelassen werden. Die Theorie hinter dem Ansatz: Konzerne, die nachhaltig wirtschaften, sind langfristig erfolgreicher. Dementsprechend müssten sich auch die Aktienkurse dieser Gesellschaften besser entwickeln als der Durchschnitt. Die am Markt erhältlichen Zertifikate folgen mehrheitlich dem breiteren Ansatz, können die Überrendite-Theorie jedoch meist nicht bestätigen.
Einer der Pioniere auf dem Gebiet der Nachhaltigkeit ist die Bank Sarasin. 2007 hat das Schweizer Geldinstitut in Kooperation mit der
Deutschen Börse den Daxglobal Sarasin Sustainability Germany-Index entwickelt. Das passende Zertifikat dazu kommt von der
Commerzbank. Der Basiswert bildet ausschließlich Aktien von Unternehmen ab, die das Kriterium der Nachhaltigkeit gemäß der "Sarasin Sustainable Matrix" erfüllen. Dabei werden die 100 größten deutschen Werte zunächst in einem Branchenrating etwa danach beurteilt, ob sie bei der Herstellung ihrer Produkte nachhaltig wirtschaften. Das Unternehmensrating beurteilt darüber hinaus die ökologischen und sozialen Leistungen. Derzeit sind 44 Papiere im Index enthalten, darunter das des Chipproduzent
Infineon, des Konsumgüterkonzerns
Henkel sowie der
Deutschen Postbank. Aus dem Bereich der erneuerbaren Energien sind sieben Aktien mit von der Partie, zum Beispiel die des Windkraftspezialisten
Nordex und des Fotovoltaikkonzerns
Solarworld. Die Überprüfung der Indexzusammensetzung findet einmal jährlich statt, Dividenden werden angerechnet.
Bislang ist das Nachhaltigkeitskonzept nicht aufgegangen: Seit der Einführung im Herbst 2007 hinkt der Index dem Dax um zehn Prozentpunkte hinterher, doch hat er in den vergangenen zwölf Monaten aufgeholt und den Dax schlagen können. Besser lief es beim Zertifikat auf die "Sustainability All Stars", wobei Sustainability für Nachhaltigkeit steht: Gegenüber dem MSCI World hat das Papier seit der Auflage im Februar 2007 etwa um fünf Prozentpunkte besser abgeschnitten. Das mag vielleicht auch daran liegen, dass der zugrunde liegende Basiswert wesentlich breiter gefasst ist als das Auswahlbarometer von Sarasin. Das Papier basiert auf einem Index aus fünf verschiedenen Aktienfonds, die in ethische und nachhaltig agierende Unternehmen aus dem Bereich Ökologie und Umwelt investieren. Die Auswahl, die jährlich überprüft wird, erfolgt nach quantitativen Kriterien: Aus der Kategorie "Equity Ethical/Social Responsible Investment" der Ratingagentur Standard & Poor's werden zunächst die Produkte selektiert, die mit mindestens drei Sternen bewertet sind, die Zulassung zum öffentlichen Vertrieb in Deutschland haben und ein Fondsvolumen von mindestens 30 Millionen Euro aufweisen. Anschließend werden hieraus die fünf Fonds aufgenommen, welche auf Sicht von einem und drei Jahren die beste Performance erzielt haben. Maximal darf ein Fonds je Investmentgesellschaft im Basiswert enthalten sein. Ausgabeaufschläge fallen bei der Aufnahme in den Index nicht an, jedoch werden die bei Fonds üblichen Verwaltungsgebühren auf den Anleger übertragen.
Auch gebührenfreies Investieren in das Thema Nachhaltigkeit ist möglich. Beim Zertifikat auf den "DJ Euro Stoxx Sustainability" von der WestLB fallen außer dem Spread keinerlei Kosten für den Anleger an. Der Basiswert bildet diejenigen Aktien aus der Eurozone ab, die im breiten "DJ Stoxx 600"-Index gelistet sind und einer Nachhaltigkeitsprüfung standhalten. Dabei spielen Kriterien wie eine strategische Planung von langfristigen Geschäftsstrategien hinsichtlich Ökologie, sozialer Verantwortung und ökonomischen Zielen genauso eine Rolle wie etwa Produktinnovationen, die auf ressourcenschonenden Technologien basieren. Derzeit schaffen 84 Titel den Einzug in das Auswahlbarometer. Die 40 nach Börsenwert größten Aktien davon enthält der "DJ Euro Stoxx Sustainability 40", auf den ebenfalls ein Zertifikat erhältlich ist. In der Rückschau auf die letzten drei bis fünf Jahre zeigt sich fast ein Gleichlauf der Indizes mit dem Stoxx 600. Eine Überrendite lässt sich mit nachhaltigem Investieren also nicht unbedingt generieren, wohl aber das Gewissen beruhigen.





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