Von Thomas Gangkofner, Baader Bank AG
Zinsentscheidungen der Zentralbanken:
Ungarn (8,00% +0,50%), Australien (7,25% unverändert).
Daten aus USA:
BIP (0,6% unverändert), BIP Preisindex (2,4% nach 2,7%), Erstanträge Arbeitslosenhilfe (366t nach 375t), registrierte Arbeitslose (2845t nach 2850t), private Einkommen (0,5% nach 0,3%), Konsumentenausgaben (0,1% nach 0,4%), Vertrauen der Universität Michigan (69,5 nach 70,5), Chicago PMI (48,2 nach 44,5), ISM verarbeitendes Gewerbe (48,6 nach 48,3), Bauinvestitionen M/M (-0,3% nach -1,0%), ABC Verbrauchervertrauen (-33 nach -31), MBA Hypothekenanträge (-28,7% nach 48,1%), ADP Beschäftigungsänderung (8t nach -18t), Auftragseingänge Industrie (-1,3% nach -2,3%).
Daten aus Euroland:
Bloomberg Euroraum EH-PMI (48,2 nach 52,4), Geldmenge M3 (11,3% nach 11,5%), VPI-Prognose (3,5% nach 3,3%), Konjunkturklima-Indikator (0,80 nach 0,71), Verbrauchervertrauen (-12 unverändert), PMI verarbeitendes Gewerbe (52,0 unverändert), Arbeitslosenquote (7,1 unverändert), PPI M/M (0,6% nach 0,9%).
Daten aus Deutschland:
GfK Verbrauchervertrauen (4,6 nach 4,5), Importpreisindex M/M (1,1% nach 0,8%), VPI M/M (0,5% unverändert), Einzelhandelsumsätze M/M (-1,6% nach 0,9%), Arbeitslosenquote (7,8% nach 8,0%), PMI verarbeitendes Gewerbe (55,1 nach 54,9).
Deutliche Kursgewinne am Ende der Woche an den internationalen Aktienmärkten ließen die Renditen in den mittleren Laufzeiten ins Minus drehen. Im Gegensatz stieg die Nachfrage nach kurzen Laufzeiten weiter an und trieb die Kurse nach oben. Das am vergangenen Donnerstag gestartete TSLF-Programm der Fed mit einem Volumen in Höhe von 75 Mrd. USD für 28 Tage erfreute sich über eine rege Nachfrage mit Geboten in Höhe von 86 Mrd. USD. Am vergangenen Freitag sah es zunächst nach einem ruhigen Wochenausklang aus, bis ein heftiger Kursrutsch des Bund-Futures für Gesprächstoff sorgte (siehe Kurioses am Rande).
Aber wieder zurück zu der eigentlichen Krise, der Subprime-Krise. Am Montag beruhigte die EZB mit einem weiteren 15 Milliardenkredit die Kapitalmärkte. Daraufhin pendelte sich der Tagesgeldsatz bei 4,05/4,10% ein. Am 1. April hätte zwar jeder Händler mit einem Aprilscherz gerechnet, aber die Veröffentlichung der UBS über einen weiteren Abschreibungsbedarf in Höhe von 19 Mrd. CHF stellten jeden guten Scherz in den Schatten. Die Börsen trotzten den Nachrichten der neuen Abschreibungen, nachdem UBS und Lehman Brothers sich in der Lage zeigten trotz der hohen Verluste neues Eigenkapital aufzubringen. Die dadurch gestartete Aktienmarktrallye belastete die Anleihen und drückte den Bund-Future unter die wichtige Marke bei 115,58.
Am gestrigen Mittwoch, bei der Rede vor dem Wirtschaftsauschuss des US-Kongresses, betonte der Fed-Chef Ben Bernanke, dass sie von nur noch einem geringen Wachstum oder sogar möglicherweise einem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts im ersten Halbjahr ausgehen. Ist die Krise wirklich schon vorbei? Nach der aktuellen Stimmung auf der Aktienseite könnte man davon ausgehen, aber die harten Zahlen sprechen eigentlich für das Gegenteil.
Der richtungsweisende Euro-Bund-Future schloss am gestrigen Abend bei 115,18% (Vorwoche: 116,04%). Bei einem gehandelten Volumen von 1,07 Mio. Kontrakten lag die Tradingrange am gestrigen Handelstag zwischen 115,04% und 115,51% und innerhalb der letzten Berichtswoche zwischen 113,93% und 116,12%. Der Bobl-Future schloss gestern bei 109,715% (Vw: 110,235%). Die Tradingrange lag in der vergangenen Woche zwischen 109,63% und 110,445% und der Euro-Schatz-Future bewegte sich zwischen 104,165% und 104,585%.
Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe (Bundesbankfixing) lag bei 3,968% (Vw: 3,887%). Zweijährige US-Treasuries rentierten bei 1,94% (Vw: 1,68%), fünfjährige Anleihen bei 2,77% (Vw: 2,52%), die richtungsweisenden zehnjährigen Anleihen bei 3,61% (Vw: 3,48%) und Longbonds mit 30 Jahren Laufzeit bei 4,40% (Vw: 4,34%).
Reichen wirklich die bis jetzt veröffentlichten Milliarden-Verluste der Banken aus? Hier kurz eine Zusammenfassung in US-Dollar (Stand März 2008): Citigroup 31,4 Mrd., Merrill Lynch 26,2 Mrd., UBS 19,0 Mrd, American International Group 17,7 Mrd., HSBC 17,0 Mrd., Bearn Stearns 10,5 Mrd., Morgan Stanley 10,3 Mrd., Bank of America 10 Mrd., IKB 7,7 Mrd., Washington Mutual 6,5 Mrd., Credit Agricole 6,5 Mrd., Deutsche Bank 6,1 Mrd., Mizuho Group 3,3 Mrd., BayernLB 3,0 Mrd., SachsenLB 2,8 Mrd., Dresdner 1,9 Mrd., LBBW 1,7 Mrd., Commerbank 1,0 Mrd., WestLB 0,8 Mrd., Postbank 0,6 Mrd. und Hypo Real Estate 0,4 Mrd.. Gesamt waren es laut der Veröffentlichung der BaFin ca. 185 Mrd. USD.
Aber bereits jetzt gibt es weitere Gerüchte über einen weiteren Abschreibungsbedarf bei den Banken. Wie am gestrigen Mittwoch bekannt wurde will die Deutsche Bank nicht nur die „Subprime-Kredite“ sondern auch einen Teil ihrer „Alt-A-Kredite“ abschreiben. Dadurch könnte noch ein zweiter großer Abschreibungstsunami auf den weltweiten Kapitalmarkt zurollen. Wer bei dieser Welle vielleicht den Kopf nicht über Wasser halten kann, wird uns die Zukunft zeigen. Von der Charttechnik sind die nächsten wichtigen Unterstützungen im Bereich von 115 gefolgt von der 114,69/85. Das angeschlagene Chartbild würde sich aber erst beim Überwinden der Marken bei 115,58/,60 und 116,06 entspannen.
Durch einen Eingabefehler beim Bund-Future rutschte der Leitindex innerhalb von 5 Minuten um 1,74% Punkte von 115,67% auf 113,93 ab. Der Freifall des Future wurde von einer Order in Höhe von 42.000 Kontrakten ausgelöst, dies entspricht einem fiktiven nominalen Gegenwert einer 10-jährigen Bundesanleihe von 4.200.000.000 Euro. Die Terminbörse Eurex überprüfte daraufhin alle Transaktionen unter 115,13 Punkten, teilte dann aber mit, dass kein Geschäft storniert wird. „Da hat sich offensichtlich einer vertippt.“, sagte Analyst Kornelius Purps von der Unicredit. Der entstandene Verlust bei der Bank dürfte sich auf ca. 60.000.000 Euro belaufen.
Thomas Gangkofner, Baaderbank AG


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